Duisburg: "Sommernachtsträume" hatten Weltklasse

Duisburg: "Sommernachtsträume" hatten Weltklasse

Das Gedenkjahr 2009 für die Komponisten Henry Purcell (350. Geburtstag) und Felix Mendelssohn (200. Geburtstag) ist ja eigentlich schon vorbei. Aber ihre Werke sind natürlich immer willkommen, vor allem wenn sie so sinnfällig kombiniert werden wie jetzt in der Mercatorhalle beim Gastkonzert "Sommernachtsträume" eines Weltklasse-Klangkörpers wie des WDR-Sinfonieorchesters Köln unter der Leitung einer Originalklang-Koryphäe wie Ton Koopman und nicht zuletzt mit einem Ausnahme-Geiger wie Thomas Zehetmair.

Dirigent ist ein Phänomen

Ton Koopman ist ein Phänomen. Der kleine ältere Herr dirigiert ohne Podium und Taktstock, aber mit Leidenschaft und glasklarer Gestik. Wie schon vor fast vier Jahren bei den Duisburger Philharmonikern (die RP berichtete) gelang es ihm auch bei den WDR-Sinfonikern recht gut, die "modernen" Spieler vermittels Charme und Bescheidenheit auf seine Ideen umzupolen, zum Beispiel mit (ventillosen) Naturhörnern und -trompeten. Auch wenn sich hier an den hinteren Pulten nicht jeder zu jeder Zeit an die vom Dirigenten verordnete Vibrato-Diät halten mochte, was den Gesamtklang etwas unentschieden wirken ließ.

Vor allem die Musik von Purcell scheint dem 1944 geborenen Koopman nahezustehen. Er hatte 15 Instrumentalstücke und Tänze aus der Halb-Oper "The Fairy Queen" ausgewählt, ließ sie leicht und flüssig ablaufen, dabei immer straff artikuliert.

Asketische Virtuosität

Etwas näher an Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" bleibt Mendelssohns beliebte Schauspielmusik. Hier erklangen daraus Ouvertüre, Scherzo, Notturno und Hochzeitsmarsch fast wie eine kleine Sinfonie – schade nur, dass so Intermezzo und Rüpeltanz unter den Tisch fielen.

Dazwischen konnte es nur ein Solokonzert geben, nämlich das große Violinkonzert von Mendelssohn. Dessen Vortrag wirkte in diesem Kontext fast konventionell wechselhaft. Aber die unaufdringliche, fast möchte man sagen asketische Virtuosität von Thomas Zehetmair nahm das Publikum im Sturm. Dazu passte auch die geschärfte Zugabe von dem 1939 geborenen Heinz Holliger. Erfrischend.

(RP)