Loveparade in Duisburg: So verlief der Tag der Katastrophe

Loveparade in Duisburg : So verlief der Tag der Katastrophe

24 Menschen kamen bei der Loveparade-Katastrophe am 24. Juli 2010 ums Leben oder wurden so schwer verletzt, dass sie kurze Zeit später starben. Was als fröhliches Fest begann, endete in einer Katastrophe. Stück für Stück wurde im Laufe des Nachmittags und Abends das Ausmaß der Ereignisse klar. In unserem Ticker vom 24. Juli 2010 können Sie den Verlauf des Tages noch einmal nachlesen.

24 Menschen kamen bei der Loveparade-Katastrophe am 24. Juli 2010 ums Leben oder wurden so schwer verletzt, dass sie kurze Zeit später starben. Was als fröhliches Fest begann, endete in einer Katastrophe. Stück für Stück wurde im Laufe des Nachmittags und Abends das Ausmaß der Ereignisse klar. In unserem Ticker vom 24. Juli 2010 können Sie den Verlauf des Tages noch einmal nachlesen.

0.03 Uhr Die Loveparade 2010 in Duisburg ist seit 0 Uhr auch offiziell beendet. Aber immer noch laufen Menschen Richtung Hauptbahnhof. Auf den Straßen rund um den alten Güterbahnhof sitzen viele erschöpft am Boden - meist Jugendliche, die nicht wissen, wie sie nach Hause kommen.

23.56 Uhr Noch immer heulen die Sirenen der Polizei und der Rettungswagen durch Duisburg. Bis auf die Party des Radiosenders Eins Live im Delta sollen alle anderen geplanten Feiern zur Loveparade wegen der Tragödie abgesagt worden sein, unter anderem die Ultraschall-Party.

23.37 Uhr: Die Zahl der Toten hat sich offenbar auf mindestens 18 erhöht. Wie die Stadt Duisburg mitteilte, sind 16 Menschen bei der Massenpanik direkt ums Leben gekommen, zwei erlagen später ihren schweren Verletzungen.

23.28 Uhr: Im Duisburger Bethesda-Krankenhaus sind bislang mehr als 200 Verletzte behandelt worden. 170 Patienten davon wurden in die Notaufnahme eingeliefert. Unter den Verletzten befinden sich auch neun Schwerverletzte. Die Zahl der eingelieferten Verletzten soll sich nach Angaben eines Krankenhaussprechers aber stündlich nach oben hin korrigieren. "Wir bekommen ständig neue Fälle rein."

23.23 Uhr: Josep Sosic, Sprecher der Stadt Duisburg, bestätigt die Zahl von 17 Toten.

23.17 Uhr: Die große Party des Radiosenders Eins Live im Delta Musikpark wurde nicht abgesagt. Tausende Fans hatten sich bereits vor dem Gebäude versammelt, viele Partygäste haben noch immer nichts von dem Unglück mitbekommen. Auch hier befürchtete die Feuerwehr den Ausbruch einer neuen Massenpanik.

22.54 Uhr: Nach Angaben des Vorsitzenden der Ruhr.2010-Geschäftsführung, Fritz Pleitgen, sind bei der Massenpanik 17 Menschen ums Leben gekommen. Pleitgen beruft sich auf Angaben des Krisenstabes der Stadt Duisburg.

22.38 Uhr: Viele Eltern versuchen, ihre Kinder aus Duisburg abzuholen. In der Stadt herrscht Verkehrschaos, zumal die meisten Straßen in der Innenstadt gesperrt sind. Auf der A3 hat sich vor der Ausfahrt Wedau ein Stau gebildet. Am Bahnhof stehen viele Jugendliche und warten auf ihre Eltern. Mit dem Auto in die Innenstadt zu kommen, ist derzeit praktisch unmöglich.

22.35 Uhr: In Düsseldorf sind inzwischen die ersten Züge und Busse aus Duisburg eingetroffen. Ärzte nehmen die Loveparade-Besucher in Empfang und schauen, ob Verletzte darunter sind. Leichtverletzte konnten von den Rettungskräften in Duisburg kaum versorgt werden.

22.33 Uhr: Die Polizei gibt die Zahl der Verletzen inzwischen offiziell mit 80 an. Insgesamt waren heute 4000 Kräfte im Einsatz, 200 Rettungs- und Notarztwagen sowie ein Seelsorgerteam mit 50 Personen plus Psychologen.

22.31 Uhr: Die Veranstalter der Loveparde in Duisburg haben ihren Livestream im Internet mit Bildern von der Veranstaltung abgeschaltet. "Unser Anliegen, ein fröhliches Miteinander von Menschen durchzuführen, ist heute von den tragischen Unglücksfällen überschattet worden", heißt es zur Begründung auf der Website.

22.23 Uhr: Die Lage am Hauptbahnhof hat sich etwas beruhigt. Offenbar geht die Taktik der Stadt auf, möglichst viele Menschen mit Bussen aus der Stadt zu schaffen. Viele Loveparade-Besucher haben sich außerdem in der Stadt verstreut und versuchen, sich abholen zu lassen. Der Bahnhof muss immer wieder vorläufig gesperrt werden, weil Menschen auf die Gleise laufen.

22.16 Uhr: Die Polizei weist Vorwürfe zurück, sie habe zu wenig getan, um eine Massenpanik zu verhindern. Der Tunnel und die Karl-Lehr-Straße seien vor der Panik mehrmals wegen Überfüllung geräumt worden.

22.14 Uhr: Das Loveparade-Gelände wird jetzt geräumt. Offenbar gibt es immer noch Partygäste, die von dem Unfall nichts mitbekommen haben. Damit nun nicht noch einmal eine Panik ausbricht, behauptet die Polizei in Durchsagen, das Gelände werde wegen Überfüllung geräumt.

22.05 Uhr: Vom Duisburger Hauptbahnhof aus fahren zwar wieder erste Züge im Schritttempo in Richtung Düsseldorf, doch bis der Bahnverkehr wieder normal läuft, wird es jedoch noch dauern. Die Züge stehen immer wieder kurzfristig still, weil Menschen über die Gleise laufen. Die Stadt Duisburg hat deshalb zahlreiche Busse organisiert, die die Loveparade-Besucher aus der Stadt herausbringen sollen. Der Nahverkehr ist zur Zeit eingestellt.

21.40 Uhr: Die Rettungskräfte beklagen, dass sie von immer mehr Schaulustigen behindert werden. Inzwischen sind auch viele Menschen zum Unglücksort gekommen, die keine Loveparade-Besucher sind, sondern über die Medien von der Katastrophe erfahren haben.

21.17 Uhr: An der Mülheimer Straße in der Nähe des Hauptbahnhofs (Ortsausgang) stehen Busse für die Abreise bereit. Die Situation am Hauptbahnhof ist weiter angespannt. Vor wenigen Minuten haben Jugendliche Zäune auf die Gleise geworfen. "Momentan fahren nur Züge im Schrittempo Richtung Süden von Dusiburg weg", sagt ein Bahnsprecher.

21.10 Uhr: Viele Loveparade-Besucher, besonders Jugendliche, sind völlig hilflos. Sie sitzen am Straßenrand und möchten zuhause anrufen, damit sie abgeholt werden. Doch die Handys funktionieren noch immer nicht. "Wir wissen nicht, wo wir sind. Keiner hilft uns. Selbst die Polizei kann nicht helfen", sagen Jana, Sabrina und Toni aus Regensburg.

21.03 Uhr: Auch die Düsseldorfer Feuerwehr ist mit über 50 Mann vor Ort, um zu helfen. Im Stadtteil Wittlaer im Düsseldorfer Norden wurde eine Sammelstelle für Verletzte eingerichtet. Dort untersuchen Notärzte die Verletzten und verteilen sie auf Düsseldorfer Krankenhäuser.

21.02 Uhr: In der Sana-Klinik in Wedau werden viele Verletzte behandelt. Die Klinik liegt in unmittelbarer Nähe des Unfallorts. Im Krankenhaus herrscht große Anspannung, auf den Gängen großes Gedränge. Vor dem Krankenhaus hocken Freunde der Verletzten. Viele weinen, versuchen telefonisch Eltern und Angehörige zu ererichen.

20.57 Uhr: Viele Schwerverletzte mussten lange warten, bis sie ausgeflogen werden konnten, weil es nur wenig Landeplätze für Rettungshubschrauber gab.

20.49 Uhr: Daniel (18) aus Hagen berichtet, wie einige trotz der Panik noch versuchten, andere zu retten: "Als die Panik ausbrach und die ersten Menschen zusammenbrachen, wurden ohnmächtige Mädchen wie beim Stagediving über die Köpfe der Masse zum Rand getragen."

20.43 Uhr: Phillip aus Aachen erlebte das Unglück aus der Nähe mit: "Wir wurden zusammengedrückt wie in einer Schraubzwinge. Die Leute wurden nicht mehr aufs Gelände gelassen, von hinten wurde immer weiter gedrückt. Die Menschen sind einfach zu Boden gestürzt. Man konnte seine Arme und Beine nicht mehr bewegen. Es war furchtbar, so etwas habe ich noch nie erlebt."

20.39 Uhr: Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland stehen auf der Pressekonferenz Tränen in den Augen. "Die Loveparade hat sich zu einer der größten Tragödien in der Geschichte der Stadt Duisburg entwickelt. Wir haben im Vorfeld alles getan, um eine sichere Loveparade in Duisburg zu haben. Wir sind alle zutiefst erschüttert."

20.29 Uhr: Im Duisburger Rathaus läuft derzeit eine Pressekonferenz. Der Sicherheitsdezernent der Stadt, Wolfgang Rabe, erklärte, die 15 Personen seien nach derzeitigem Ermittlungsstand bei dem Versuch gestorben, über Absperrungen zu klettern. Dabei seien sie zu Tode gestürzt.

20.25 Uhr: Die Duisburger Innenstadt gleicht einem Katastrophengebiet. Ständig heulen Sirenen auf, fast alle Straßen sind gesperrt. Über der Stadt kreisen Hubschrauber.

20.24 Uhr: Ein Einsatzleiter der Polizei, der namentlich nicht genannt werden will, sagte unserem Reporter vor Ort, er sehe die Schuld für den Vorfall bei den Veranstaltern der Loveparade: "Nur einen Zugang für so ein großes Gelände zu machen, war ein großer Fehler. Man kann nicht Hunderttausende durch ein Nadelöhr durschleusen und den Zugang dann auch noch schließen. Von Seiten der Polizei wurde im Vorfeld darauf mehrfach hingewiesen."

20.19 Uhr: Phillipp (19) war ebenfalls in der Menschenmenge gefangen: "Gemeinsam mit einem Freund konnte ich ein schwer verletztes Mädchen, das auf dem Boden lag, an die Seite ziehen. Dann überrolte uns die Masse. Ob das Mädchen überlebt hat, kann ich nicht sagen."

20.18 Uhr: "Die Panik ging los, kurze Zeit nachdem der Zugang zur Loveparade geschlossen wurde. Die Menschen wollten aufs Gelände, doch es war alles abgeriegelt. Man konnte nicht mehr weg, auch wenn man wollte. Dann hörte ich die ersten Schreie", sagt Augenzeugin Aylin Overbeck.

20.14 Uhr: Unser Reporter vor Ort hat mit Augenzeugen gesprochen. Christian Winter (23), Aylin Overbeck (19) und Marcel Ratajszakjo (30) waren mittendrin in der Massenpanik. "Es war die Hölle, es ging alles so schnell. Ich habe noch gesehen, wie drei Polizisten umgefallen sind, dann wurde auch ich auf den Boden gedrängt", sagt Christian Winter. "Diese Bilder werde ich nie mehr aus meinem Kopf bekommen. Ich habe Menschen sterben sehen."

20.07 Uhr: Die Lage in Duisburg ist weiter unübersichtlich. Wer nur leicht verletzt ist, hat kaum eine Chance, behandelt zu werden, weil die Rettungskräfte überlastet sind. Die Polizei schickt die Menschenmassen von Straße zu Straße, viele Beamte kommen von außerhalb und kennen sich in Duisburg daher nicht aus.

20.02 Uhr: Unser Mitarbeiter vor Ort hat mit Augenzeugen und der Polizei gesprochen, um den Hergang der Massenpanik zu rekonstruieren. Offenbar geschah Folgendes: Etwa 70.000 bis 100.000 Menschen waren kurz vor dem Zwischenfall in der Karl-Lehr-Straße und strömten von zwei Seiten auf den schmalen Zugang zum Gelände zu. Dann wurde der Zugang wegen Überfüllung geschlossen. Die Partybesucher, die direkt am Eingang standen, konnten nicht mehr zurück. Das Gedränge wurde immer schlimmer, es waren Schreie zu hören, und dann brach die Panik aus. Wer zu Boden fiel, hatte kaum noch eine Chance; Nachfolgende konnten nicht mehr anhalten oder ausweichen und mussten die am Boden Liegenden überrennen.

19.51 Uhr: Bei den Toten handelt es sich nach Polizeiangaben um neun Frauen und sechs Männer. Hier noch einmal die Hotline der Polizei für besorgte Angehörige: 0203-94000.

19.50 Uhr: Der neue NRW-Innenminister Rolf Jäger will sich heute Abend in Duisburg ein Bild von der Lage machen. "Ich bin entsetzt und traurig, dass Menschen, die unbeschwert feiern wollten gestorben sind. Mein ganzes Mitgefühl gilt ihren Angehörigen und Freunden", erklärte er.

19.47 Uhr: Aus ganz NRW wurden zusätzliche Einsatzkräfte angefordert. Über alle umliegenden Autobahnen sind Rettungswagen unterwegs nach Duisburg.

19.43 Uhr: Noch immer ist nicht ganz klar, wie die Massenpanik ausgelöst wurde. Einige Augenzeugen berichten, viele Partybesucher hätten versucht, über eine kleine Treppe auf das Gelände zu gelangen und seien dann von der Treppe gestürzt. Andere berichten, die Panik sei auf der Brücke über den Tunnel ausgebrochen.

19.15 Uhr: Die ersten Besucher verlassen das Gelände. Zwar sind alle Notausgänge geöffnet, doch noch ist unklar, wie die Menschenmassen Duisburg verlassen sollen. Es fahren keine Züge, sondern nur Ersatzbusse. Andere Partybesucher haben immer noch nichts von dem Zwischenfall mitbekommen und feiern weiter.

19.12 Uhr: Nach Angaben der Polizei gab es bei der Massenpanik 45 Schwerverletzte.

19.10 Uhr: Wer Angehörige nicht erreicht, sollte wissen, dass Telefonieren mit dem Handy rund um das Gelände derzeit kaum möglich ist. Die Netze sind völlig überlastet. Informationen sind über die Hotline der Polizei (Tel. 0203-94000) erhältlich.

19.05 Uhr: Der Krisenstab hat beschlossen, die Veranstaltung nicht abzubrechen. Die Party soll weiterlaufen und dann langsam auslaufen, so will die Polizei eine weitere Panik verhindern. Die Musik läuft daher weiter. Die Polizei will nun dafür sorgen, dass die Partybesucher das Gelände geordnet verlassen.

18:59 Uhr: Für besorgte Angehörige hat die Polizei eine Hotline eingerichtet. Die Nummer lautet 0203-94000.

18.53 Uhr: Jetzt spricht die Polizei von 15 Toten.

18.42 Uhr: Am Haupteingang sind die Rettungskräfte weiter damit beschäftigt, Verletzte zu versorgen.

18.40 Uhr: Die Mobilfunknetze brechen zusammen. Telefonieren mit dem Handy ist kaum noch möglich.

18.39 Uhr: Am Tunnel, an dem die Massenpanik ausgebrochen war, spielen sich dramatische Szenen ab. Menschen sitzen weinend am Straßenrand. "So etwas entsetzliches habe ich noch nie gesehen", sagt ein Rettungssanitäter unserem Reporter vor Ort. Jetzt beginnen die Partybesucher, vom Gelände herunter zu drängen. Die Polizei hat einen Krisenstab eingerichtet.

18.30 Uhr: Die Rettungskräfte haben nicht nur mit den Opfern der Massenpanik zu tun, sondern werden auch an vielen anderen Stellen gebraucht. Inzwischen liegen überall völlig entkräftete Partybesucher herum, die Gedränge und Chaos nicht verkraftet haben. Auf der A59 an der Ausfahrt Duisburg-Duissern ist ein etwa 30-jähriger Mann eine rund zehn Meter hohe Mauer heruntergestürzt.

18.25 Uhr: Auf dem Gelände geht die Party weiter. Viele Raver haben noch gar nicht mitbekommen, was passiert ist. Auch die Musik läuft weiter - vermutlich um eine weitere Massenpanik zu verhindern.

18.20 Uhr: Auf dem Gelände befinden sich über eine Million Menschen, die das Areal irgendwann auch wieder verlassen müssen. Das ist die nächste Herausforderung, die Polizei und Rettungskräften bevorsteht.