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Duisburg: So seniorenfreundlich ist Duisburg

Duisburg : So seniorenfreundlich ist Duisburg

Der demografische Wandel macht vielen Städten zu schaffen. Für ältere Menschen sind kurze Wege und barrierefreie Zugänge wichtig. Duisburg steht auch wegen seiner schrumpfenden Einwohnerzahl vor einer Herausforderung.

Duisburg schrumpft und altert. Und das eröffnet die Diskussion und Planung einer Fülle von Änderungen, was unter anderem die Infrastruktur, das Bauen und den Nahverkehr angeht. Die Stadt muss sich mehr und mehr auf ältere Bürger, und zwar eine Vielzahl von ihnen, einstellen. Waren im Jahr 1961 noch rund neun Prozent der Duisburger 65 Jahre alt und älter, steigerte sich dieser Anteil auf mehr als das Doppelte: 2012 waren bereits ein Fünftel der Duisburger Bürger im Rentenalter, wie aus einer Erhebung von IT.NRW hervorgeht.

Um die Stadt seniorengerecht zu gestalten, kommt es zunächst auf die Barrierefreiheit von Gebäuden und Wohnungen an. Seit 1998 müssen private Wohnhäuser barrierefrei geplant werden, um eine öffentliche Förderung zu erhalten, sagt Andrea Bestgen-Schneebeck, Leiterin des Amtes für Soziales und Wohnen. "Wir sind da auf einem guten Weg, verwirklichen die Anforderungen Schritt für Schritt."

Barrierefrei gestaltet sind bereits öffentliche Gebäude wie das Bezirksamt Mitte oder die Agentur für Arbeit. Auch das Stadthaus ist beinahe barrierefrei zu nennen. "Nur die oberste Etage kann man nicht mit dem Aufzug erreichen", sagt Ottmar Birke, Koordinator für barrierefreies Planen und Bauen. Die jeweiligen Ansprechpartner auf der obersten Etage kämen bei Bedarf auf eine Etage, die problemlos zu erreichen ist. Nachgefragt seien auch alten- und behindertengerecht gestaltete Hotels, teilt Birke mit. So wird das Hotel Conti an der Mercatorstraße entsprechend umgebaut. Bei Neubauten wie dem Helios Klinikum werden die Anforderungen ebenfalls berücksichtigt.

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Ein weiteres Anliegen für viele ältere Menschen sind leicht erreichbare öffentliche Toiletten in der Innenstadt. Nach Ansicht von Arno Müller, stellvertretender Vorsitzender des Seniorenbeirates, gibt es davon in Duisburg zu wenige. "Viele Einkaufszentren und Lokale dulden allerdings die Nutzung", sagt Müller. "Schwierig wird es nach Feierabend." Derzeit werden die Toiletten am Schwanentor, die lange Zeit geschlossen waren, barrierefrei umgebaut. Auch das Stadtfenster soll eine barrierefreie öffentliche Toilette bekommen.

In der Nähe der Fußgängerzone sind beispielsweise in folgenden Gebäuden Sanitäranlagen nutzbar: im "Kleinen Prinzen", im Forum und im City-Palais. Problematisch können allerdings Toiletten sein, die zu niedrig anmontiert sind. "Die Sitzhöhe sollte bei 45, besser noch bei 47 Zentimetern liegen, damit ältere Menschen problemlos wieder aufstehen können", sagt Ottmar Birke. Bei Neuanlagen würden diese Richtwerte berücksichtigt. Der Seniorenbeirat will sich zudem dafür stark machen, dass an neue öffentliche Bänke Aufstehhilfen angebracht werden. "Viele Bürger berichteten, dass sie es schwer hätten, von den Sitzgelegenheiten allein wieder aufzustehen", sagt Müller.

Das Aufstehen macht auch einigen Senioren in Bussen und Bahnen Probleme, weil sie befürchten, das Gleichgewicht zu verlieren oder nicht schnell genug zum Ausgang kommen. "Die Zeit, in der die Türen zum Aussteigen geöffnet sind, wird oft als zu kurz empfunden", hat Müller erfahren. Die DVG verweist auf die blauen Tastknöpfe in ihren Fahrzeugen, auf denen ein Kinderwagen zu sehen ist. "Wenn jemand darauf drückt, muss der Fahrer die Tür manuell öffnen und es gibt mehr Zeit zum Aussteigen", erläutert DVG-Pressesprecherin Anamaria Preuss. Zudem verfügen die 45 Bahnen der Linien 901 und 903 über sogenannte Niederflurteile. Dort ist der Einstieg niedriger und es gibt keine Mittelstange.

Anders ist es bei der Stadtbahn, der Linie U 79. Hier werden Hochbahnsteige für einen ebenerdigen Ein- und Ausstieg benötigt. "58 Prozent aller Bahnsteige der U 79 sind bereits barrierefrei umgebaut worden", berichtet Preuss. Allerdings gebe es zwei bis drei Haltestellen, an denen dies aus technischen Gründen nicht möglich sei. Im Bereich der Straßenbahnen 901 und 903 fehlten noch neun Haltestellen, die noch nicht behindertengerecht umgebaut sind. "Mehr als die Hälfte der Haltestellen ist bereits umgebaut, an fünf Haltestellen allerdings wird das nicht möglich sein", sagt Preuss.

(RP)