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Integrationsverein aus Duisburg zieht Bilanz: So läuft die Projektarbeit am "Problemhaus"

Integrationsverein aus Duisburg zieht Bilanz : So läuft die Projektarbeit am "Problemhaus"

Berichte von unhaltbaren Zuständen in und um die Immobilien mit den Adressen "In den Peschen 3-5" und "Beguinenstraße 1 und 3" begleiteten das vergangene Jahr.

Sowohl die Bewohner wie auch die Nachbarn des sogenannten "Problemhauses" wirkten von der Politik und Verwaltung alleingelassen. Deniz Aksen, Geschäftsführer vom Kinder- und Jugendhilfeverein ZOF, weiß, dass sich vieles geändert hat, und zieht eine Bilanz der Arbeit vor Ort.

Es sind vor allem die Bilder und Geschichten über Müllberge, Lärm und Verwahrlosung, für die das Problemhaus In den Peschen und die beiden Wohnhäuser an der Beguinenstraße lange Zeit standen. Der Verein ZOF (Zukunft Orientierte Förderung) ist einer der Akteure, der diese Zustände ändern möchte. Deniz Aksen und seine Mitarbeiter engagieren sich vor allem in der Kinder- und Jugendarbeit.

Seit sie vor gut eineinhalb Jahren ein Büro an der Beguinenstraße eröffnet haben, sind sie aber Ansprechpartner für jegliche Probleme der Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien geworden, die in Bergheim wohnen. "Wir lassen keinen Menschen stehen und verweisen stur darauf, dass unser Schwerpunkt eigentlich die Kinder- und Jugendarbeit ist", sagt Deniz Aksen.

Nachbarn wurden ins Boot geholt

Von Anfang an war ihm wichtig, die Nachbarn im Stadtteil Rheinhausen in die Arbeit vor Ort einzubinden. Gemeinsam mit Hans-Wilhelm Halle, der die sich für die Interessen der Nachbarn einsetzt, ist 2013 ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem es um die Sauberkeit rund um den Wohnkomplex geht. "Sechs Bewohner aus Rumänien arbeiten in dem Projekt. Montags, mittwochs und freitags helfen sie Bewohnern bei Reinigungsarbeiten, Umzügen oder räumen Kellerräume aus", erklärt Aksen.

Die Hilfe bei Umzügen war ein Schwerpunkt der Arbeit des Vereins ZOF im vergangenen Jahr. In Kooperation mit der Awo in Duisburg und der Diakonie wurden im Dezember 2013 und Januar 2014 Umzüge von Familien aus Südosteuropa geplant, neue Wohnungen gesucht und renoviert. Hilfe erhielt der Verein auch von der Wohnungsbaugesellschaft Gebag, die bei der Suche von geeigneten Wohnungen im Stadtgebiet half.

Weiteres Haus soll geräumt werden

Der größte Umzug erfolgte Ende 2013. Branko Barisic, Eigentümer der Immobilien in Bergheim, hatte die Mietverträge für die Adresse Beguinenstraße 1 auslaufen lassen und die Wohnungen geräumt. Deniz Aksen weist darauf hin, dass dieser Umzug jedoch bereits drei Monate im Voraus mit Barisic abgesprochen war. So konnte der Verein gemeinsam mit den 12 betroffenen Familien den Umzug planen. Die Familien leben nun unter anderem in Dinslaken und Köln. Dieser Umzug hatte laut Aksen auch eine Symbolwirkung. "Die Familien organisieren sich mittlerweile wesentlich besser, weil sie gesehen haben, wie so ein Umzug verläuft. Es kommt jetzt nicht mehr vor, dass Leute plötzlich auf der Straße stehen, wenn ein Mietverhältnis aufhört", sagt Deniz Aksen. Ziel von Barisic sei es laut Deniz Aksen auch die Wohnungen des zweiten Hauses an der Beguinenstraße zu räumen. Die Häuser "In den Peschen 3-5" sollen jedoch nicht geräumt werden, wie es Medienberichten im vergangenen Jahr zu entnehmen war.

Verein will Vertrauen schaffen

Bei der Bilanz, die Aksen zieht, verweist er immer wieder darauf, dass es darauf ankommt, Familien, Jugendliche und Kindern die ersten Schritte zur Integration in Deutschland zu erklären. Der Verein hilft bei Anmeldungen an Schulen und Kindergärten sowie bei Behördengängen. Vor allem für Menschen, die in ihrer Heimat verfolgt wurden, sei es schwer zu verstehen, dass ein Verein wie ZOF kostenlos Hilfe anbiete und eine Vertrauensbasis schaffe. Dieses Vertrauen wird auch in der gut besuchten Kindergruppe geschaffen, die der Verein für rund 30 Kinder aus Zuwandererfamilien anbietet. Neben dem Schaffen einer Vertrauensbasis gelte es nach Angaben von ZOF auch darauf zu achten, wer wirklich Hilfe brauche und wer sich lediglich Sozialleistungen erschleichen wolle.

Bergheim bleibt Baustelle

Die Arbeit am sogenannten Problemhaus steht immer noch am Anfang. Deniz Aksen zieht einen Vergleich zum Stadtteil Hochfeld, wo der Verein schon seit gut vier Jahren Integrationsarbeit leistet: "In Hochfeld, wo ein Großteil der Einwanderer aus Bulgarien kommt, kennen wir mittlerweile die meisten Zuwanderer und auch die anderen Träger sozialer Projekte. Hier geht es sehr viel eingespielter zu."

Die Bilanz nach eineinhalb Jahren fällt für Deniz Aksen insgesamt jedoch positiv aus. Dabei habe der Verein auch Fördermittel der Stadt aus einem Topf mit einer Million Euro beantragen können. Zudem dankt Aksen Stadtdirektor Reinhold Spaniel, der auch an den Verhandlungen mit Branko Barisic teilgenommen hat. "Das sendet natürlich ein ganz anderes Symbol — auch an unsere Mitarbeiter vor Ort — wenn ein Stadtdirektor unsere Arbeit unterstützt", erklärt Aksen.

(ac)