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Duisburg: "Skandalkonzert" kam diesmal gut an

Duisburg : "Skandalkonzert" kam diesmal gut an

Kai Schumacher und Yejin Gil gastierten im Rahmen der Reihe "Große Klaviermusik" im ausverkauften Saal der Folkwang-Universität in Duisburg. Es war ein umjubeltes Debüt als Duo.

Der Duisburger Kai Schumacher wird gelegentlich als "Punk-Pianist" bezeichnet. Jetzt war er endlich mal wieder in seiner Heimatstadt zu erleben. Yejin Gil und Kai Schumacher begannen beide ihr Klavier-Studium bei Prof. Bernhard Wambach am Campus Duisburg der Folkwang-Universität der Künste. Seit 2015 unterrichtet Kai Schumacher dort als Assistent von Prof. Till Engel eine Klavierklasse. Schumacher verwischt die Grenzen von klassischer Avantgarde und Popkultur, ohne dabei in ausgetretenen Crossover-Pfaden steckenzubleiben.

Jetzt gaben die beiden im Rahmen der Sparkassenkonzerte "Große Klaviermusik" im ausverkauften Kleinen Konzertsaal ihr umjubeltes Duodebüt. Als französischer Rahmen bewiesen sie mit der "Petite Suite" für Klavier zu vier Händen (1889) von Claude Debussy und einer Bearbeitung für zwei Klaviere des "Boléro" von Maurice Ravel ihre Fähigkeit zu subtiler klassischer Klarheit. Das wirkte so suggestiv, dass ein Teil des Publikums bei Debussy schon nach dem zweiten und dem dritten der vier Sätze applaudierte. Im Mittelpunkt des Programms stand aber ein Schwerpunkt in Schumachers Repertoire, nämlich die amerikanische Klaviermusik des späten 20. und des 21. Jahrhunderts. Seinen Titel "Cosmic Dances" hatte es von zwei Sätzen aus "Celestial Mechanics - Makrokosmos IV" für verstärktes Klavier zu vier Händen von dem 1929 geborenen George Crumb, wo die Saiten auch mal mit einem Lineal präpariert werden. Später zeigte sich noch Crumbs sanftere Seite mit zwei Sätzen aus "Otherwordly Resonances" für zwei verstärkte Klaviere. Steve Reich, Jahrgang 1936, erprobte in seiner "Piano Phase" für zwei Klaviere erstmals die Phasenverschiebung, bei der von zwei gleichzeitigen und identischen rhythmischen Motiven (Patterns) das eine allmählich schneller wird als das andere.

Im vergangenen Jahr hatte dieses Stück in der Kölner Philharmonie für einen Skandal mit Konzertabbruch gesorgt, doch in Duisburg war nur eine einzige Besucherin offensichtlich nicht begeistert von dieser enormen Konzentrationsleistung über eine Viertelstunde.

Uraufgeführt wurde in diesem Konzert das fünfminütige "The Shell of Lethargy" zu vier Händen mit "samplestra" (das ist ein Kunstwort aus "samples" und "orchestra") von dem 1971 geborenen Gene Pritsker - vordergründig rockig, aber eigentlich nur ziemlich durchgeknallt. Kai Schumacher hat "A New Error" von der Berliner Technoband "Moderat" selbst zu vier Händen mit vorproduzierten Klavierklängen arrangiert, nach seinen Worten klingt das "wie Philip Glass nach einer durchgefeierten Nacht im Berghain". Da war natürlich eine Zugabe fällig, es wurde das nicht ganz ernst gemeinte "La belle excentrique" von Erik Satie.

Den nächsten Abend "Große Klaviermusik" an der Düsseldorfer Straße 19 am Dienstag, 7. März, bestreitet Prof. Georg Friedrich Schenk (als Gast), dann wieder ganz "brav" mit Werken von Alexander Skrjabin, Robert Schumann, Paul Hindemith und Franz Liszt.

Karten kosten zehn Euro, ermäßigt fünf Euro.

(hod)