Silvanus Bläserquintett: Konzert in Rheinhausen

Konzert des Silvanus Bläserquintetts : Heißer Ausflug in die Romantik

Das Silvanus Bläserquintett gastierte bei über 25 Grad im Schatten des Museums St. Laurentius. Es war ein schwülwarmer Abend mit exzellenten Musikern.

Wenn das Publikum schon im Vorfeld mit den Programmheften wie mit Fächern wedelt, ist ein heißes Event zu erwarten. Wie in einem „Tanz des Sommers“ schwebten 50 Gäste federleicht zusammen mit dem Silvanus Bläserquintett in die musikalische Welt der Romantik und des Barock in der schwülwarmen Hitze (mehr als 25 Grad im Schatten) des Museum St. Laurentius in der Eisenbahnsiedlung.

„Es ist bereits unser fünftes Konzert seit Beginn der Eventreihe“, verrät Jutta Hetges vom Vorstand des Museumsvereins. Einen richtigen Hochkaräter hatten die Betreiber mit den fünf niederrheinischen Blasmusikern eingeladen, die entweder an Musikschulen unterrichten oder bei den niederrheinischen Symphonikern spielen – also nichts Hinterwäldlerisches, wie es der lateinische Name Silva, Wald, suggeriert.

Los ging es mit einer „Passacaille“ des französischen Komponisten Adrien Barthe. Bei dem Stück aus der Romantik wurden schon die wiederkehrenden synkopischen Melodieläufe von Klarinette und Querflöte offenbar, die Themen des Frühbarock aufgreifen und weiterverarbeiten. Von Gustav Holst ist den meisten Gästen wohl sein Hauptwerk „Die Planeten“ in Erinnerung, aber: „Der Komponist hatte einen besonderen Bezug zur alten Musik“, erklärt der Klarinettist Olaf Scholz. Bei dem „Quintett in As-Dur“ anno 1903 werden diese Verbindungen deutlich: Schon der erste Satz enthält das Thema einer pastoralen Melodie. Im zweiten Satz ist es eine „Pavane“, also ein langsam getragener Schreittanz, der für die Rhythmik verantwortlich zeichnet. Hier glänzen mit wummernden Bassläufen die Fagottistin Waltraud Anstock sowie Hornist Wilhelm Junker.

Die quirligen effektvollen Triller im letzten Teil des Quintetts, einer adaptierten englischen Volksliedmelodie, steuern Querflötistin Ursula Dortans-Bremm und der Klarinettist mit dem Namen des aktuellen Vizekanzlers bei. Sehr oft mit dem Bandoneon – das übrigens in Krefeld erfunden wurde – ist die als Filmmusik zu „Heinrich IV.“ gedachte Melodie „Oblivion“ des argentinischen Komponisten Astor Piazzolla eingespielt.

Nach einem anfangs schwer zu erkennenden Intro schwangen sich die fünf Musiker in die treibende Rhythmik des Drei-Viertel-Takt-Tango-Themas ein und lieferten eine eigene Bearbeitung von „Oblivion“ ab. Hierbei eckte Querflötistin Ursula Dortans-Bremm sogar im tänzelnden Wiegeschritt zu ihren schleppenden Einsätzen mit einem Kunstwerk aus der Dauerausstellung von Sándor Szombati an, so dass es kurz aus dem Gleichgewicht geriet – sich dann aber lässig an die Wand lehnte.

Den Abschluss des Konzertes bildete das Opus „Le Cheminée du Roi René“ von Darius Milhaud, ein Werk das den Tagesablauf am Hofe des französischen Königs widerspiegelt. Es beginnt mit einem Morgenständchen „Cortège“, landet bei einer wilden Artistik-Vorführung mit „Jongleurs“, in dem sich auch die Instrumente gegenseitig Bälle zuspielen. Mit punktgenauen Einsätzen stechen Klarinette und Querflöte bei dieser musikalischen Artistik hervor. Das Werk endet in einem Liebeslied zur Nacht, dem „Madrigal Nocturne“. Überschwänglicher Applaus für das sehr präzise, aber auch aufwühlend spielende Silvanus-Bläserquintett mit exzellenten Musikern.

(sado)
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