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Duisburg: Serm: nach einem Jahr wieder ein freier Mann

Duisburg : Serm: nach einem Jahr wieder ein freier Mann

Das Berufungsgericht sieht die Schuld des 24-jährigen Moersers und seines Vaters nicht als erwiesen an.

Das Berufungsverfahren wegen der Schlägerei nach dem Sermer Oktoberfest im Herbst 2012 ging gestern vor dem Landgericht mit zwei Freisprüchen zu Ende. Auf der Anklagebank saßen ein 24-jähriger Moerser und sein Vater.

Der Sohn war wie berichtet im vergangenen Sommer zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden, da das Amtsgericht davon ausging, dass er nach dem Ende des beliebten Volksfestes einen damals 45-jährigen Duisburger mit einem Faustschlag niederstreckte und dieser dadurch so unglücklich auf das Straßenpflaster aufschlug, dass er seit jener Nacht ein Pflegefall ist. Die Staatsanwaltschaft sowie die Nebenklage (vertreten durch die Ehefrau des schwer verletzten Duisburgers) forderten eine höhere Haftstrafe. Grundlage für den Freispruch waren die widersprüchlichen Aussagen der erneut vernommenen Zeugen.

"Eine solche Beweisaufnahme habe ich in der Form bisher noch nicht erlebt", schickte der Vorsitzende Richter seiner Urteilsbegründung voran. Die Konstellation war in der Tat unübersichtlich. Während Freunde, Bekannte und die Stiefmutter bekundeten, der 24-Jährige habe das Fest einige Minuten vorher verlassen, um zum Auto zu gehen und er sei erst zu der in der Zwischenzeit entstandenen Prügelei gestoßen, als das Opfer bereits am Boden lag, machte die Gruppe um den 45-Jährigen sofort den Vater als Täter aus. Für die Anklage kam diese Version jedoch nicht in Betracht: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass er hier schweigt und riskiert, dass sein Sohn für eine Tat verurteilt wird, die er nicht begangen hat", so der Staatsanwalt.

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Ein weiterer, unbeteiligter Zeuge, der die Situation vom Straßenrand aus beobachtet hatte, will hingegen ganz klar den Sohn als denjenigen identifiziert haben, der den fatalen Schlag gesetzt hatte. Das Amtsgericht stufte seine Angaben damals als glaubwürdig ein, das Landgericht kam zu einem anderen Schluss. "Es gibt erhebliche Zweifel, dass der Zeuge die Situation richtig gesehen hat oder sich richtig daran erinnert", so der Richter. So konnte beispielsweise seine Beobachtung, der später zu Boden gegangene Mann habe ein Bierglas in der Hand gehalten, von niemandem bestätigt werden. Scherben wurden jedenfalls damals keine gefunden. Auch dass der Sohn ein Handy am Ohr gehabt haben soll, erschien im Verlauf des Prozesses zweifelhaft, da die Freundin des Angeklagten, die an dem Abend nicht mit auf dem Fest war, glaubhaft machen konnte, dass dieser das Handy schon zuvor verloren hatte.

In Beisein eines weiteren Zeugen holte sie das Gerät am Tag nach dem Oktoberfest bei einer Frau ab, die das Mobiltelefon gefunden hatte. "Man kann dem Sohn den Schlag nicht zuordnen", so der Richter. Der Vater wurde wie schon in der Vorinstanz nach dem Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" freigesprochen. Zwar räumte er ein, einen anderen Beteiligten ins Gesicht geschlagen zu haben. Das Gericht konnte jedoch nicht ausschließen, dass er zuerst attackiert wurde und in Notwehr handelte. Als die Freisprüche verkündet wurden, ging ein erleichtertes Raunen durch den Saal. Denn der Großteil der Zuschauer gehörte zum Freundeskreis der Angeklagten.

(spie)