Duisburg: Sensationelles Neujahrskonzert

Duisburg: Sensationelles Neujahrskonzert

Das Neujahrskonzert 2013 der Duisburger Philharmoniker im fast ausverkauften Theater am Marientor (TaM) war eine Sensation, insbesondere dank des Duisburger Generalmusikdirektors Giordano Bellincampi.

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Praktisch alle Konzerte, die Duisburgs neuer Generalmusikdirektor Giordano Bellincampi dirigiert, sind eine Sensation. So auch jetzt das Neujahrskonzert 2013 der Duisburger Philharmoniker im fast ausverkauften Theater am Marientor (TaM). Dank der freundlichen Strenge dieses Dirigenten nahm das Orchester dieses Neujahrskonzert ebenso ernst wie jedes Philharmonische Konzert. Das passte besonders gut, weil das Programm geschickt so ausgewählt war, dass es ebenso ansprechend wie tiefgründig, ebenso unterhaltend wie niveauvoll war - mal spektakulär, mal subtil. Das Ergebnis war wieder einmal eines der besten Konzerte, das die Duisburger Philharmoniker jemals gegeben haben.

Es begann gleich programmatisch, nämlich mit der großartigen Ouvertüre und einer effektvollen Arie aus jener frühen Oper "Luisa Miller" (nach Friedrich Schillers "Kabale und Liebe") von dem vor 200 Jahren geborenen Giuseppe Verdi, deren Premiere im Juli im Duisburger Haus der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg kein anderer als Bellincampi dirigieren wird. Und mit der Arie der Luisa "Tu puniscimi, o signore" wurde auch die große Klasse der Sopranistin Henriette Bonde-Hansen klar, die der italienisch-dänische Dirigent aus Dänemark mitgebracht hatte.

Das setzte sich im zweiten Teil fort. Der begann mit dem prächtigen Vorspiel zur Oper "Die Meistersinger von Nürnberg" von dem gleichfalls vor 200 Jahren geborenen Richard Wagner. Das wurde zu Recht besonders begeistert beklatscht, denn der zugleich abgerundete und durchsichtige Orchesterklang, den der GMD mit den Duisburger Philharmonikern hier erzielte, erschien als eine ideale Lösung. Bellincampi: "Leider haben wir die ,Meistersinger' zurzeit nicht im Repertoire der Rheinoper - aber wir hoffen." Und die Beiträge der Sängerin fanden hier ihren Höhepunkt mit drei Orchesterliedern von Richard Strauss. Besonders berührend wirkte das unendlich zarte "Waldseligkeit" op. 49 Nr. 1. Da wollte man den Atem anhalten - hätte nicht der rücksichtslosere Teil des Publikums die Spannung zwischen den drei Liedern gnadenlos zerklatscht.

Es ist eine schöne Tradition, dass besonders bewährte Mitglieder der Duisburger Philharmoniker auch mal solistisch mit "ihrem" Orchester auftreten, vor allem eben im Neujahrskonzert. Hier waren es der erste Konzertmeister Siegfried Rivinius mit der beliebten "Méditation" für Violine und Orchester aus der Oper "Thais" von Jules Massenet und der Solohornist Ioan Ratiu mit der in jeder Hinsicht virtuosen "Villanelle" von Paul Dukas, einer wahren Entdeckung.

Das Duisburger Neujahrskonzert wirkte viel spannender und abwechslungsreicher als das Fernseh-Vorbild vom Vormittag aus Wien. Aber auch im TaM ging es nicht ohne Werke der Strauß-Dynastie. Der "Kaiserwalzer" von Johann Strauß Sohn wurde hier zu einer wahren sinfonischen Dichtung, ohne seine heitere Grundnote zu verlieren. Fehlen durfte auch nicht der unglaublich geistvolle "Champagner-Galopp", das mit Abstand bekannteste Werk von Hans Christian Lumbye, dem "dänischen Johann Strauß". In Italien sei ein Neujahrstag nicht denkbar ohne ein Linsengericht, das gute Wünsche für das Neue Jahr bedeutet, erklärte Giordano Bellincampi: "Also habe ich heute Mittag eine große Portion Linsen gegessen, damit 2013 alles gutgeht mit unserer Mercatorhalle und dem Erhalt der Rheinoper in Duisburg." Tosender Applaus war ihm dafür sicher.

(hod)
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