Selbsthilfe für Suchtkranke in Duisburg „Alkohol ist der Endgegner“

Duisburg · Der Kreuzbund Duisburg ist eine von vielen Selbsthilfeorganisationen in der Stadt. Er unterstützt Menschen dabei, ihre Sucht nach Alkohol, Drogen oder Glücksspiel in den Griff zu bekommen. Warum ihre Arbeit gerade nach der Pandemie so wichtig ist – und warum besonders Männer betroffen sind.

 Beim Kreuzbund in Duisburg treffen sich Menschen, um über ihre Sucht zu sprechen.

Beim Kreuzbund in Duisburg treffen sich Menschen, um über ihre Sucht zu sprechen.

Foto: Kreuzbund Duisburg

Die Zahlen sind erschreckend: Laut Schätzungen des Bundesgesundheitsministeriums sind rund 1,6 Millionen Menschen in Deutschland alkoholabhängig. 2,9 Millionen Menschen weisen einen problematischen Medikamentenkonsum auf und rund 1,3 Millionen Menschen haben ein Problem mit dem Konsum von illegalen Drogen. Auch Medienabhängigkeit und Glücksspielsucht spielen heute eine immer größere Rolle.

Der Stadt liegen keine genauen Zahlen zur Suchtproblematik in Duisburg vor. Insgesamt haben laut Gesundheitsamt rund 3000 Menschen im Jahr 2022 Kontakt zu einer der Duisburger Beratungsstellen aufgenommen, um über ihre Sucht zu sprechen. Die Dunkelziffer dürfte allerdings weit höher liegen.

Der Kreuzbund Duisburg, ein Fachverband der Caritas, unterstützt Betroffene dabei, ihr Leben und die Sucht wieder in den Griff zu bekommen. Mit dem Konzept der Selbsthilfe verfolgt der Kreuzbund das Ziel wieder Stabilität in das Leben der Erkrankten zu bringen. Mit insgesamt 24 Gruppen, verteilt über das gesamte Stadtgebiet, leistet die Selbsthilfeorganisation mit ihrem Engagement einen wichtigen Beitrag, dass Suchtproblem in der Stadt zu überwinden.

Zum Angebot des Duisburger Stadtverbands zählen 21 reguläre Stadtteil-Gruppen sowie eine Seniorengruppe und eine Gruppe, an der ausschließlich die Angehörigen von Suchterkrankten teilnehmen. Hinzu kommen weitere Angebote, die sich außerhalb der Selbsthilfe-Sitzungen bewegen. Etwa die monatlich stattfindenden Spieleabende oder das wöchentliche „Kreuzbund-Café“.

Das Einbeziehen der Angehörigen ist eine Besonderheit des Kreuzbundes. Sowohl persönlich Betroffene als auch Angehörige sind willkommen. Ihre Angebote richten sich vor allem an Menschen, die mit Alkohol-, Medikamenten- und Drogenabhängigkeit zu tun haben. Die meisten sind aber wegen ihrer Alkoholabhängigkeit dabei. „Alkohol ist der Endgegner“, sagt Stephan Hander, Vorsitzender des Kreuzbunds Duisburg. Denn im Gegensatz zu anderen Drogen tritt die Alkoholsucht schleichend auf. Oftmals würden es Suchtkranke schaffen von anderen Drogen Abstand zu nehmen, bleiben dann aber am Alkohol hängen.

Zudem hat der Kreuzbund Duisburg seit diesem Januar eine Gruppe eingerichtet, die sich speziell an Frauen richtet. „Damit haben wir einen sicheren Raum geschaffen, in dem Frauen unter sich über ihre Sucht und ihre Gefühle sprechen können“, sagt Mera Hander, Gruppenleiterin der Frauengruppe. Ein weiterer wichtiger Beweggrund für die Einrichtung der Gruppe sei der Umstand gewesen, dass es in Duisburg sehr wenige Angebote für Frauen im Bereich der Suchthilfe gibt. Außerdem sind in den meisten Gruppen mehrheitlich Männer vertreten. Doch die Suchtgeschichte von Frauen steht oft im Zusammenhang mit alkoholisierten Männern sowie Missbrauchserfahrungen. Deshalb ist es für die Betroffenen oft schwierig, sich in den regulären Gruppen zu öffnen.

„Selbsthilfe ist Vorbeugung und Nachsorge“, sagt Jörg Witt, Mitglied des Duisburger Stadt-Teams des Kreuzbundes. Er ist seit 40 Jahren trocken und war 27 Jahre Leiter einer Selbsthilfegruppe. Dementsprechend viel hat er erlebt. Sucht ist eine lebenslange psychische Krankheit, bei der es wichtig ist, ein stabiles soziales Umfeld zu haben, erläutert er. Dafür ist die Selbsthilfegruppe eine wichtige Anlaufstelle. Das wichtigste bei der Selbsthilfe ist Vertrauen, ein grundlegendes Prinzip in der Arbeit. So hat Witt in seiner Zeit als Gruppenleiter bereits zwei Mitglieder aus seiner Gruppe rausgeworfen – weil sie vertrauliche Informationen aus den Sitzungen rumerzählt haben.

„Es wird über alles gesprochen“, sagt Stephan Hander. Für die Sitzungen wird ein Stuhlkreis gebildet und es herrsche eine offene Gesprächsatmosphäre zwischen den Teilnehmenden. Thematisiert werde „das was einem auf dem Herzen liegt“. Das können sowohl Probleme als auch Geschichten aus dem Alltag sein. Es gibt nichts wofür man sich schämen müsse, sagt Witt. Jeder kann von einer Suchterkrankung betroffen sein. Den typisch Süchtigen gibt es laut Hander nicht. Von der Führungsposition bis zum Arbeitslosen – alle sind in den Selbsthilfegruppen vertreten.

Insgesamt besuchen rund 250 Menschen regelmäßig die Selbsthilfe-Sitzungen. Zwar haben die Mitgliedszahlen lange stagniert, jedoch wird der Andrang seit der Pandemie wieder größer werden. Mit seinem Eindruck bestätigt er die Prognosen der Stadt Duisburg, dass die Beratungszahlen in der Suchthilfe nach der Corona-Pandemie steigen werden.

Neben der Alkohol-, Medikamenten- und Drogenabhängigkeit ist der Kreuzbund auch in anderen Suchtbereichen aktiv. Dafür ist man im ständigen Austausch mit anderen Organisationen aus dem Bereich der Suchthilfe. Zum Austausch wird jeden Monat ein Themenabend veranstaltet, bei dem Experten interessierten Kreuzbund-Mitgliedern über einen bestimmten Aspekt aus der Suchtthematik aufklären. Zuletzt hatte der Suchthilfeverbund Duisburg in diesem Rahmen einen Vortrag zur Mediensucht gehalten.

Auch das vor allem unter jungen Menschen verbreitete polytoxische Verhalten, also die gleichzeitige Abhängigkeit von mehreren Substanzen, hat der Kreuzbund auf dem Schirm. Zudem seien junge Menschen häufig nicht offen für Beratung. Deshalb werde der Kreuzbund Duisburg bei seiner zukünftigen Arbeit auch diesen Bereich mehr fokussieren. Bereits jetzt besucht man regelmäßig Schulen, um mit Kindern über das Thema Sucht ins Gespräch zu kommen und um wichtige Präventionsarbeit zu leisten. Ein wichtiger Schritt, um mit der Zeit zu gehen, sei zudem die Überarbeitung der Internetseite gewesen.

Um Hilfe in Anspruch zu nehmen oder bei Fragen rund um das Thema Sucht, können Sie sich per Telefon unter 015678501505 oder per Mail unter info@kreuzbund-duisburg.de beim Kreuzbund Duisburg melden. Auf der Internetseite https://www.kreuzbund-duisburg.de/ gibt es tiefergehende Informationen zu den Selbsthilfe-Gruppen.

(mku)
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