Duisburg: Sekundarschule vor dem Aus

Duisburg : Sekundarschule vor dem Aus

Die vor zwei Jahren gegründete Einrichtung am Körnerplatz soll in eine Gesamtschule umgewandelt werden. Damit wollen die Verantwortlichen das Selbstwertgefühl der Schüler steigern.

Erst vor zwei Jahren wurde die Sekundarschule Rheinhausen gegründet. Seitdem entwickelten sich die Schülerzahlen an der neuen Schule am Körnerplatz in Rheinhausen steil nach oben: Inzwischen besuchen 409 Schüler die Räume der ehemaligen Realschule, Tendenz steigend, "Hier sind die Jahrgangsstufen 5, 6 und 7 durchgängig sechs- und siebenzügig", berichtet Schulleiterin Martina Seifert. Doch jetzt wollen Eltern, Lehrer und Schüler die Umwandlung der Sekundarschule in eine Gesamtschule erreichen. Über ihren Wunsch haben sie mit Kommunalpolitikern gesprochen. Ergebnis: Bei der heutigen Sitzung der Bezirksvertretung Rheinhausen wollen die Fraktionen von SPD, Grünen/Linken und Bürgerlich Liberalen einen Prüfauftrag an die Stadtverwaltung stellen.

Der Antrag im Wortlaut: "Die Verwaltung wird gebeten zu prüfen, ob die Sekundarschule Rheinhausen in eine Gesamtschule umgewandelt werden kann. Hierbei soll die Prüfung etwaige Vor- und Nachteile aufzeigen, das Verfahren erläutern und Möglichkeiten für die damit verbundene Einrichtung einer Oberstufe erläutern." Zur Begründung heißt es: "Sowohl Schulleitung als auch Elternpflegschaft der Sekundarschule regen an, eine solche Wandlung durchzuführen." Die Umstände und Folgen sollten hierbei durch die Verwaltung geprüft werden und in der Folge vorgestellt werden. Die Wandlung solle insbesondere vor dem Hintergrund steigender Schülerzahlen beurteilt werden. Auch alternative Konzepte wie eine gemeinsame Oberstufe mit einer anderen Gesamtschule sollen geprüft werden. Die Sekundarschule war Ergebnis des Schulkompromisses im NRW-Landtag zwischen SPD/Grünen und CDU/FDP. Die neue Schulform hat sich das kooperative Lernen, das längere gemeinsame Lernen von Schülern unterschiedlicher Herkunft auf die Fahnen geschrieben, sie hat in vielen Orten des Landes auslaufende Haupt- und Realschulen abgelöst. "Wir sind aber keine Restschule, wie man immer wieder hört", betont Schulleiterin Martina Seifert. "Anders als eine Hauptschule bieten wir hier Fächer wie Latein und Niederländisch an. Wir sind eher eine kleine Gesamtschule bis zur Jahrgangsstufe 10. Außerdem haben wir an der Sekundarschule viele hochtalentierte Kinder, die aber oft von Armut geprägt sind. Viele Kinder haben ein hohes gymnasiales Potenzial, das durch eine gymnasiale Oberstufe erst richtig geweckt werden könnte", argumentiert die ehemalige Gesamtschullehrerin.

Eine gymnasiale Oberstufe kann aber eine Sekundarschule nicht bieten, hier wird von der 5. bis zur 10. Klasse unterrichtet. Daher fordern insbesondere Lehrer und Eltern der Schule am Körnerplatz jetzt die Umwandlung in eine Gesamtschule, die nach der gymnasialen Oberstufe mit den Klassen 11 bis 13 zum Abitur führt. "Eine Oberstufe ähnlich wie an einem Gymnasium würde das Selbstwertgefühl der Schüler, Eltern und Lehrer wecken", ist sich Pädagogin Seifert sicher. Sie habe den Eindruck gewonnen: "Die Eltern der Sekundarschüler wollen nicht noch einen weiteren Wechsel ihres Kindes an eine andere Schule." Der Anteil der Schüler aus Zuwandererfamilien liegt bei rund 50 Prozent: "Neben Schülern türkischer Herkunft unterrichten wir rumänische und bulgarische Schüler, aber auch Flüchtlingskinder aus Kriegs- und Krisengebieten wie Syrien, Irak und Iran." Aber die Erfahrungen nach mehr als zwei Jahren Laufzeit der Sekundarschule seien durchweg gut: Die Kinder müssen permanent auf Deutsch sprechen. Wir nehmen auch regelmäßig und erfolgreich an den Duisburger Sprachstandtests teil." Die Schüler lernten auch viel voneinander, berichtet Martina Seifert, das sei Teil des kooperativen Lernens. "Wir versuchen mit großer Zuneigung und Engagement, die Kinder über Bildung aus ihrer Armut zu holen."

Aber braucht man langfristig eine dritte Gesamtschule in Rheinhausen?- Martina Seifert ist davon überzeugt.

(RP)
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