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Duisburg: "Schwester Hannelore" hilft

Duisburg : "Schwester Hannelore" hilft

Einen ganzen Tag lang nahm sich Ministerpräsidentin Hannlore Kraft Zeit, um Hausarzt Bodo Kißmer durch den Arbeitsalltag in seiner Praxis in Bruckhausen zu begleiten. Dabei stieß sie auf jede Menge Bürokratie.

Lächelnd klebt Hannelore Kraft (SPD) einem Patienten ein Pflaster auf den Finger. Im nächsten Moment sieht man, wie sie einem anderen Mann eine Blutdruckmanschette um den Arm legt. Wie "Tatkräftig" sie mit anpackt, soll das Video zeigen, das einen Zusammenschnitt des Tages der Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in einer Bruckhausener Hausarztpraxis dokumentiert.

Im Rahmen ihrer Aktion "TatKraft" verbrachte die berühmte Sozialdemokratin wie berichtet den vergangenen Mittwoch in der Praxis von Bodo Kißmer. Doch obschon das Video fröhliche Patienten, lächelnde Arzthelferinnen und eine begeisterte Ministerpräsidentin zeigt, ihr Einsatz war kein Spaßausflug.

"Alle reden über Gesundheitspolitik – darüber, welche Maßnahmen erforderlich sind. Mir war es wichtig, mal auf die andere Seite der Theke zu gucken", sagte Kraft in einer Abendveranstaltung am gleichen Tag. Hier stellte sie sich in einer Diskussionsrunde mit dem Hausarzt der Frage, welche Erkenntnisse ihr der Tag gebracht habe. "Mein erster Eindruck war: Wir haben es hier mit verdammt viel Bürokratie zu tun", sagt sie. Die Verwaltung der Patientenakten, Leistungsabrechnungen, Kostenaufstellungen – vor allem letztere Punkte seien längst nicht mehr durchschaubar. "Ich habe zum Beispiel gelernt, dass Dr. Kißmer pro Patient eine bestimmte Summe bekommt, egal wie oft dieser im Quartal vorstellig wird. Das heißt, wenn der Patient eigentlich zum Facharzt muss, der Orthopäde aber keine Termine hat, dann muss Dr. Kißmer ihn quasi umsonst behandeln."

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Auch fürchtet die Ministerpräsidentin mit der Reform, die zu Beginn des Jahres in Kraft getreten ist, ein Drei-Klassen-System. "Es ist schlimm genug, dass Privatpatienten bevorzugt behandelt werden. Jetzt haben noch diejenigen, die es sich leisten können, den Vorteil, dass sie in Vorkasse gehen und somit die gesetzlich Versicherten mit kleinem Geldbeutel hinter sich lassen können", gibt die Ministerpräsidentin zu bedenken. Sie fordert "klasse Medizin statt Klassenmedizin" – sowohl für Patienten als auch für die Hausärzte. Denn Ärzte wie Bodo Kißmer hätten es nicht leicht. "In Bruckhausen haben wir einen hohen Migrantenanteil und wenige Privatpatienten", sagt er. Dies mache die Lage der Praxis unattraktiv – gerade für den Nachwuchs.

Die Konsequenz: Stadtteile verlieren ihre Hausärzte, und statt in einem anderen Stadtteil nach Ersatz zu suchen, gingen viele Patienten dann gar nicht mehr zum Arzt. "In den nächsten zehn Jahren verlieren wir ein Drittel aller Hausärzte, die dann in Rente gehen. Das sind 2800, und nur 900 Nachwuchskräfte kommen nach. Die können sich dann natürlich die attraktivsten Angebote aussuchen."

(RP)