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Duisburg: "Schwein der Lindenstraße" in der Säule

Duisburg : "Schwein der Lindenstraße" in der Säule

Martin Armknecht wurde 1990 beschimpft, weil er als "Robert Engel" zum ersten Mal in einer deutschen Familienserie einen Mann küsste. Am 4. Mai liest der beliebte Schauspieler in Duisburg aus seinen witzigen Erinnerungen.

Ellenlang ist die Filmografie von Martin Armknecht. Der 1962 in Düsseldorf geborene Schauspieler wirkte beispielsweise mit in dem Spielfilm "Manta, Manta", mit dem übrigens auch die Karriere von Till Schweiger begann.

Er spielte in der Erfolgskomödie "Der bewegte Mann", agierte an der Seite von Götz George im Thriller "Der Sandmann" und stand als "Kommissar Quandt" vor der Kamera. Besonders einschneidend für Armknechts Karriere war indes seine Rolle in der WDR-Serie "Lindenstraße". Dort spielte er den durchaus sympathischen Schriftsteller "Robert Engel". In dieser Rolle sorgte Armknecht unfreiwillig für einen Skandal, den man heutzutage kaum mehr nachvollziehen kann: In einer Folge im Jahr 1990 küsste Robert Engel seinen Freund "Carsten Flöter". Viele Zuschauer waren empört "so etwas" sonntags gegen 18 Uhr "sehen zu müssen". Zwischen dem Schauspieler Martin Armknecht, der übrigens nicht homosexuell, sondern seit Jahrzehnten mit einer Frau verheiratet und Vater ist, und der Rolle wurde nicht unterschieden. Armknecht wurde auf der Straße beschimpft, bekam sogar Morddrohungen. - über all das kann Martin Armknecht heute mit viel Humor erzählen. Er erzählt es nicht nur, er schreibt es auch auf. Und am Freitag, 4. Mai, 20 Uhr, wird er aus seinem noch unveröffentlichten Manuskript lesen, das schon viele Seiten hat und demnächst als Buch erscheinen wird. Am Titel möchte Armknecht nichts ändern, wie er gestern beim Pressegespräch in der Säule sagte. Das Buch und der Abend sind überschrieben mit dem Outing-Satz "Ich bin das Schwein der Lindenstraße".

Die Zuhörer dürfen sich auf eine überaus witzige Zeitreise freuen, bei der Martin Armknecht aus seinem Schauspieler-Leben erzählt und nebenbei die deutschen Verhältnisse besonders in den 80er und 90er Jahre schildert. Armknecht spricht in seinen Texten die Zuhörer direkt an, so dass der Abend eine besondere erzählerische Qualität bekommt. Die "Lindenstraße", bei der Armknecht von 1987 bis 1992 und dann nochmals für zehn Folgen im Jahr 2014 mitwirkte, hat dabei einen besonders großen Stellenwert. Allerdings hat Armknecht keine Abrechnung zu Papier gebracht, vielmehr schildert er mit dicken ironischen Farbtupfern die Irrungen und Wirrungen, die mit der hanebüchenen Gleichsetzung von Rolle und wirklichem Leben verbunden sind.

Den Titel seines Buches musste Armknecht übrigens nur abschreiben: Die Bildzeitung hatte mit der Schlagzeile "Das Schwein der Lindenstraße" über seinem Foto um Leser gebuhlt. Jetzt nimmt das Armknecht mit Humor. Beim Pressegespräch meinte er gestern lakonisch: "Als Schauspieler wollte ich zwar nicht zeitlebens unbekannt bleiben, aber auf diese Weise berüchtigt zu werden, war natürlich auch nicht mein Herzenswunsch." So hätten Leute mit dem Finger auf ihn gezeigt, und eine Bäckereiverkäuferin habe es empört abgelehnt, ihn zu bedienen. Was im Nachhinein immer noch verstört, ist die Tatsache, dass der Bayerische Rundfunk die Kuss-Szene aus der Folge rausgeschnitten hat...

Der Skandal um den Männerkuss hatte sogar Folgen für das Drehbuch und den Vertrag des Senders mit dem Schauspieler. Der WDR verpflichtete sich gegenüber Armknecht um einen "heterosexuellen Ausgleich", wie es in einer schriftlichen Vereinbarung wörtlich heißt. Armknecht spielt in der Lindenstraße daraufhin einen Bisexuellen, der Frauen verführt - und mit Drogen dealt, bis er in der vorerst letzten Folge verhaftet wird und von 1992 bis 2014 im Gefängnis jenseits der Lindenstraße einsitzt...

Die Lesung am 4. Mai ist für Martin Armknecht, der Säulenchefin Martina Naumann schon seit Jahrzehnten kennt und in Duisburg bereits mit unterschiedlichen Programmen gastierte, etwas ganz Besonderes: Er liest dann zum ersten Mal überhaupt aus seinem Manuskript vor einem Publikum.

Der Eintritt kostet 13,50 Euro (ermäßigt 12 Euro). Karten gibt es in der Säule, Goldstraße 15, unter 0203/ 20125, an der Kasse des Stadttheaters an der Neckarstraße 1, Tel. 0203/ 28362100 und an allen NRW-Ticket-Vorverkaufsstellen sowie voraussichtlich an der Abendkasse.

(pk)