1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg

"Schwarzes Schaf" 2021 in Duisburg: Florian Hacke gewinnt Kabarettpreis

Virtuelle Verleihung in Duisburg : Florian Hacke gewinnt Kabarettpreis „Das Schwarze Schaf“

Das Finale des Niederrheinischen Kabarett-Wettbewerbs wurde am Samstagabend aus der Mercator-Halle gestreamt. Am heimischen Computer erlebte man ein Stelldichein herausragender Talente.

Zu beneiden waren die Künstler nicht, die es ins Finale des Niederrheinischen Kabarett-Wettbewerbs „Das Schwarze Schaf“ geschafft hatten. Im großen Saal der Mercator-Halle, der bis auf vier Jury-Mitglieder und einigen Technikern vollkommen leer war, mussten sie jeweils ein 15-Minuten-Programm zeigen, um einen der drei ausgelobten Preise zu bekommen.

Der Beifall des Publikums war für sie unhörbar, lediglich auf einer großen digitalen Tafel im Hintergrund, wanderten virtuelle Herzen und Applaussymbole abwechselnd in die Höhe. Dass die Finalisten dennoch allesamt überzeugen konnten, spricht für ihre Klasse. Man kann ziemlich sicher sein, dass die Fünf, die es bis zum gestreamten Auftritt am Samstagabend in der Mercator-Halle geschafft haben, in der hoffentlich bald beginnenden Nicht-Corona-Zeit ihren Weg machen werden – auch die, die keinen Preis mit nach Hause nehmen konnten.

Die vierköpfige Jury hatte am Abend die Qual der Wahl. Schließlich entschied sie, dass Peter Fischer, der in München geboren wurde und nun in Mannheim lebt, mit dem dritten Preis (2000 Euro) ausgezeichnet wird. Fischer ist Kabarettist und Pianist, der auch gut singen kann. In seinem satirischen Corona-Song klagt er „Ich vermisse das Gefüüüühl“ und sogar „den Mundgeruch“ der anderen. Sein Kabinett-Stück ist indes die imaginierte Szene, bei der er einen Progressiven und einen Erzkonservativen in einen Aufzug sperrt, der als unentrinnbarer „Diskussionsraum“ dient. Diese Konstellation ist genial, kann immer wieder mit neuen Inhalten gefüllt werden. Nikolaus Schneider, der aus Duisburg stammende ehemalige EKD-Ratsvorsitzende, überreichte als Jury-Mitglied den Preis an Peter Fischer.

  • Die beiden Gewinner Tom Heydhausen (links)
    Toller Erfolg für zwei Nettetaler : Schüler erhalten Preis für Umwelt-Film
  • Minigolfplatz statt Parkplatz: So sah es
    Auszeichnung von der EU-Kommission : Mönchengladbach gewinnt Preis für Mobilitätswoche
  • Screenshot  Euregio-Schulwettbewerb, Beitrag Gymnasium Rheinkamp
    Gymnasium in Moers : Schüler siegen bei Euregio-Wettbewerb

Der zweite Preis, dotiert mit 4000 Euro, ging an das Duo „Beier & Hang“ aus München. Max Beier und David Hang sind ausgebildete Schauspieler, die auch musikalisch unterwegs sind. Ihr Song „Bist du schon optimiert?“ geht ins Ohr und Hirn. Herrlich ihr Dialog über ökologisch korrektes Ernährungsverhalten, wobei es sich die beiden inhaltlich gar nicht mal leicht machen. Eine ihrer Paradenummern ist der satirische Dialog von zwei IT-Experten, die sich ihre denglischen Computerbegriffe um die Ohren hauen, über unmögliche „Start-ups“ räsonieren – und als Mittdreißiger noch brav bei Mutti wohnen, die so lecker kocht. Säulen-Chefin Martina Linn-Naumann, die zusammen mit Hanns Dieter Hüsch 1999 den Wettbewerb initiiert hat, überreichte als weiteres Jurymitglied den Preis.

 Florian Hacke hat den mit 6000 Euro dotieren ersten Platz erreicht. Er begeisterte mit Anekdoten über die pädagogisch korrekte Erziehung.
Florian Hacke hat den mit 6000 Euro dotieren ersten Platz erreicht. Er begeisterte mit Anekdoten über die pädagogisch korrekte Erziehung. Foto: Peter Klucken/Screenshot

Florian Hacke, der einst in Rostock ein Schauspiel-Diplom erwarb, durfte den von Mirja Boes überreichten ersten Preis (6000 Euro) in Empfang nehmen. Hacke hat seine zweijährige Elternzeit kreativ genutzt und sich beispielsweise damit auseinandergesetzt, wie man politisch und pädagogisch korrekt Kinder erzieht. Die Conni-Bücher, in deren Mittelpunkt ein wirklichkeitfremdes Vorzeigekind mit entsprechender „Gute-Mami-83.de“ steht, kommen dabei zur Freude des Publikums nicht gut weg. Überzeugen kann Hacke durch seine differenzierten, analysierenden Argumentationsketten, die dennoch mit erfrischender Leichtigkeit und überwältigendem Witz geschmiedet sind. Wer unterschwelligen Rassismus in alten Kinderbüchern verharmlost und wer alles so machen möchte wie früher, dem rät Hacke beispielsweise, „das Kinderzimmer mit Asbest zu streichen, was gar nicht krebsfördernd gemeint ist“. So etwas sitzt!

Zum Gelingen des Online-Abends trug der erstklassige pianistische Kabarettist Matthias Brodowy bei, der bereits 1999 das erste „Schwarze Schaf“ gewann und seitdem als einer der besten Künstler seiner Zunft gilt. Vor der Corona-Krise hat er den Song geschrieben „Keine Zeit für Pessimismus“; er sang ihn jetzt trotz allem.