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Duisburg: Schüler werden zu Zeitungsmachern

Duisburg : Schüler werden zu Zeitungsmachern

Gestern war der erste Tag des Projekts "Schüler lesen Zeitung". Die teilnehmenden Schulen bekommen nun täglich die Rheinische Post geliefert und arbeiten damit. Das Franz-Haniel-Gymnasium ist zum wiederholten Male mit dabei.

Interessiert beugen sich die Achtklässler über die Zeitungen. Jeder der knapp 90 Schüler hat eine Montagausgabe der Rheinischen Post vor sich liegen. Also können alle ganz in Ruhe blättern und dort verweilen, wo es am interessantesten ist. "Überfall auf eine Pfarrerin" – an dieser Überschrift bleibt Samira Etzig hängen. "Sowas lese ich am liebsten", sagt die 14-Jährige. Polizeimeldungen jeglicher Art, "wenn Leute auf der Straße überfallen werden", das findet sie spannend. Rebecca Smejkal hat den Artikel über die Duisburger Tanztage entdeckt. "Das Thema finde ich interessant, weil ich Leute kenne, die da mitmachen", erklärt sie.

Dass sie und ihre Mitschüler aus den drei achten Klassen des Franz-Haniel-Gymnasiums gestern Morgen gemütlich in der Tageszeitung blättern durften, hat einen guten Grund: Es war der Auftakt des Gemeinschaftsprojektes "Schüler lesen Zeitung" der Rheinischen Post und Vodafone. Das Homberger Gymnasium nimmt zum wiederholten Male daran teil. Sechs Wochen lang – unterbrochen durch die Osterferien – bekommen die Achtklässler die Rheinische Post täglich druckfrisch und kostenlos in ihre Schule geliefert. Im Deutschunterricht geht es bis zum 26. April ausschließlich um das Thema Zeitung.

Deutschlehrerin Silvia Derstappen, die das Projekt in diesem Jahr gemeinsam mit ihren Kollegen Denise Steuer und Uli Pavel durchführt, erklärt die Inhalte: "Die Schüler lernen, wie eine Zeitung aufgebaut ist, welche unterschiedlichen Textsorten es gibt, wie sich Sprache und Informationsgehalt in den verschiedenen Zeitungen unterscheiden. Sie untersuchen Artikel und diskutieren darüber, ob das Layout ansprechend ist oder nicht. Der Schwerpunkt liegt auf dem Schreiben. Es ist schon ein Ansporn, denn alle Artikel werden online, manche sogar in der Zeitung veröffentlicht."

Die Lehrerin hat die Erfahrung gemacht, dass einige Schüler bereits mit einer Tageszeitung vertraut sind, viele aber auch nicht. "Viele Schüler bevorzugen das Internet", sagt sie. "Viele lesen aber auch Sport- oder Wissenszeitschriften wie den Kicker oder die Geo."

Gerade weil die Erfahrungen mit der Tageszeitung so unterschiedlich sind, wurde gestern zum Auftakt des Zeitungsprojekts also erst einmal gründlich geblättert. Eine Gruppe schaute sich den Lokalteil genauer an, eine zweite den Sportteil und eine dritte die Ressorts Politik und Wirtschaft. "Ich finde das Lokale ja am spannendsten, weil ich hier erfahre, was um mich herum passiert", sagt Laura Hentschel – die übrigens auch sonst gelegentlich in die Zeitung schaut. Denn in ihrer Familie wird morgens am Frühstückstisch Zeitung gelesen.

Das ist in den Familien von Sören Weißkopf, Niklas Reimelt, Joel Crepu und Maurice Wolters, die sich gestern näher mit Themen aus Politik und Wirtschaft beschäftigten, zwar auch der Fall. Aber sie selbst informieren sich lieber im Internet. "Wenn ich größer bin, lese ich auch Zeitung", kündigt Sören aber an. Vielleicht tut er das ja schon in ein paar Wochen. Vielleicht hat ihm das Projekt ja so gut gefallen, dass er dann täglich am Frühstückstisch Zeitung liest.

(RP)