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Duisburg: Schräges Schwarzwald-Drama

Duisburg : Schräges Schwarzwald-Drama

Das Theatertreffen der 36. Duisburger Akzente "Heimat" begann im Großen Saal mit "Das kalte Herz" nach dem Kunstmärchen von Wilhelm Hauff von Armin Petras als erfolgreiches Gastspiel des Schauspiels Stuttgart.

Was macht das Geld mit einer Gesellschaft? Diese Frage stand letztes Jahr im Mittelpunkt der Akzente zum Thema "Geld oder Leben", unter anderem bei "Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt in der Inszenierung von Armin Petras (die RP berichtete). Diese Frage stellt auch das Kunstmärchen "Das kalte Herz" (1827) von Wilhelm Hauff (1802-27), das jetzt das Theatertreffen der 36. Duisburger Akzente "Heimat" eröffnete, dramatisiert und inszeniert gleichfalls von Armin Petras. Die "Dame" war noch am Berliner Maxim-Gorki-Theater entstanden, das "Herz" war Petras' Einstand am Schauspiel Stuttgart.

Fotos von den 36. Duisburger Akzenten gibt es in der Bilderstrecke.

"Wer durch Schwaben reist, der sollte nie vergessen, auch ein wenig in den Schwarzwald hineinzuschauen" - so beginnt der Stuttgarter Hauff die wechselvolle Geschichte von Peter Munk, genannt Kohlenmunk-Peter. Seine Arbeit als Köhler scheint ihm schlecht bezahlt und wenig respektiert. Den Glasmachern, Flözern und Uhrenmachern geht es viel besser. Zu Tode verzweifelt, träumt er von Geld und Ansehen und sucht sein Glück zuerst beim Glasmännlein.

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Dann wendet er sich an den dämonischen Holländer-Michel und geht mit ihm einen Pakt ein: Er tauscht sein Herz gegen einen kalten Stein und erhält im Gegenzug unendlich viel Geld. Doch an nichts kann er sich mehr erfreuen, seine Gefühle ersterben. Es geht um die Gier, die - im Falle des Schwarzwalds nach einer frühindustriellen Umwälzung - die menschliche Psyche zerstört, was der in jungen Jahren verstorbene Wilhelm Hauff ebenso sensibel wie drastisch schildert: Depression, Entfremdung, Alkoholismus und Gefühlskälte kennzeichnen die neue Zeit.

Bei Armin Petras ist das zum einen einen respektlose Parodie - der Text wird vielfach verändert, enthält zeitgeistige Sprüche wie "Besser als ein Herz wärmt im Winter ein Kirschwasser" oder "So wird das nichts mit dem Porsche". Zum anderen ist das aber auch eine Huldigung an einen großen romantischen Dichter, stellenweise sogar an seine schöne Sprache, es folgt ihm in dem Verhältnis von Tradition und Zeitkritik. Der Abend hat ebenso wüste wie poetische Momente.

Die schrägen Typen werden beglaubigt durch charismatische Schauspieler, zum Teil hörbar aus dem Berliner Petras-Zirkel. Allen voran Johann Jürgens als kongenialer Kohlenmunk-Peter, erwähnt werden muss aber zumindest auch die Tänzerin (!) Zaida Balesteros als Glasmännlein. Faszinierend auch die Massenszenen, mit Studierenden der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart als "Waldmenschen" und der Volkstanzgruppe Frommern (von der Schwäbischen Alb, trotzdem perfekt passend) als "Das Dorf".

Zum wilden Volksfest holten sich fast alle Bühnenmenschen je einen willigen Tanzpartner aus dem Publikum. Das war eine wahre Gaudi. Im Großen Saal im Theater ein beachtlicher Erfolg.

(hod)