Duisburg: Schöner Wohnen auf altem Adelssitz

Duisburg: Schöner Wohnen auf altem Adelssitz

Um das "Haus Böckum" in Huckingen ging es im jüngsten Beitrag zur "Huckinger Geschichte". Dietmar Ahlemann stellte die Geschichte des Anwesens vor, das vermutlich erst später zur Burg ausgebaut wurde.

Eine Idylle und ein Hingucker ist die ehemalige Wasserburg "Haus Böckum" immer noch. Dieser historische Ort — nämlich die einzige Wasserburg auf Duisburger Boden— im Südosten von Huckingen, heute umgeben vom Landschaftsschutzgebiet und vom großflächig angelegten Golfplatz, stand diesmal im Mittelpunkt des Vortrags von Dietmar Ahlemann im Rahmen der Reihe "Huckinger Geschichte". Zu der vom Huckinger Bürgerverein veranstalteten Reihe hatten sich wieder zahlreiche geschichtsinteressierte Bürger im Vortragssaal des Steinhof eingefunden.

Sehr lange wird das auch heute noch als Wasserburg zu erkennende "Haus Böckum" so nicht mehr zu besichtigen sein; das stark sanierungsbedürftige Anwesen ist im Jahr 2012 von dem Investor "s+p real estade" erworben worden, der beabsichtigt, dort hochwertiges Wohnen zu ermöglichen. Insgesamt sollen 24 Wohneinheiten auf dem ehemaligen Adelssitz entstehen, die unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes in die alten Gebäude integriert werden, oder auf dem Areal neu errichtet werden sollen.

Dietmar Ahlemann, der wie gewohnt kurzweilig und fundiert den Besuchern ein weiteres Stück Heimatgeschichte vermittelte, erläuterte, dass "Haus Böckum" unter der damaligen Bezeichnung "Hof zo den Buechen" (Hof zu den Buchen) im Jahr 1369 erstmalig erwähnt wurde. Hermann von der Seldung, der von 1371 bis 1391 Amtmann zu Angermund war, hatte den Hof für 450 "Goldschilde" verpfändet. Offensichtlich konnte er bis zur gesetzten Frist ("zum nächsten Pfingsten") das Pfand wieder einlösen, denn bis zum Jahr 1402 blieb der Hof in seinem Besitz, bevor er durch Heirat (als Mitgift) an die Adelsfamilie "von Ulenbroich" fiel.

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Der damalige Name des Hofes stammt laut Dietmar Ahlemann von einem Buchenwald, der zu früherer Zeit bis an den Hof heran reichte. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich die Schreibweise des mittelalterlichen Adelssitzes mehrfach verändert; die heutige Bezeichnung "Böckum" existiert seit 1866. Nach weiteren Besitzerwechseln — die "Herren von Buer" hatten das Anwesen über 300 Jahre in ihrem Besitz — erwarb Gottfried Brügelmann im Jahr 1801 die Burg in der Angerniederung. Brügelmann hatte aus England die moderne Webmaschinen-Technik in Deutschland einführte und sie in der Baumwollspinnerei Cromford in Ratingen eingesetzt. Dadurch war er zu erheblichem Reichtum gekommen.

Ab 1856 gelangte Böckum in den Besitz des Grafen von Spee, der 2012 "Haus Böckum" an den erwähnten Berliner Investor verkaufte. Für den Huckinger Heimatforscher stellt sich die spannende Frage, ob Böckum schon immer eine Wasserburg oder zunächst "nur" ein Hof war. Ahlemann tendiert stark zu der Annahme, dass der Hof erst zwischen 1450 und 1550 zur Burg ausgebaut wurde. Dafür spräche die frühere Erwähnung als Hof, die Nähe zur ehemaligen Wasserburg Remberg — "zwei Burgen in unmittelbarer Nähe waren eher unwahrscheinlich" —, die mehrfache Weitergabe als Mitgift und auch die Pfandhöhe aus dem Jahr 1369, deren Größenordnung eher auf einen Hof hindeute. Zu schwerwiegenden Zerstörungen des Hofs kam es im Jahr 1405 im Rahmen der "Kalkumer Fehde", einer Auseinandersetzung der "Herren von Kalkum" mit der Stadt Köln. Danach sei es zum Ausbau als Burg gekommen, vermutet Dietmar Ahlemann, auch aufgrund des danach vorhandenen Nachweises im "bergischen Ritterverzeichnis". Im Rahmen der Belagerung Kaiserswerths im Zusammenhang mit dem "Spanischen Erbfolgekrieg" wurden 1702 die Stallungen, Scheune und Schuppen niedergebrannt, die in den Folgejahren schrittweise wieder errichtet wurden.

Seit dem Jahr 1985 ist "Haus Böckum" als Baudenkmal eingetragen (die Scheune ab 1994); 1991 folgte der Eintrag als Bodendenkmal. Vor dem Umbau der ehemaligen Wasserburg zu einer hochwertigen Wohnanlage sind auf jeden Fall Bodenuntersuchungen vorzunehmen, denn die Geoelektrik-Analyse des betroffenen Areals zeigt, dass im Boden aus archäologischer Sicht noch Hochinteressantes zu erwarten ist.

(RP)
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