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Duisburg: Schön gerechnet

Duisburg : Schön gerechnet

Nach Darstellung der Wirtschaftsbetriebe nimmt Duisburg vor und nach dem neuen Bäderkonzept einen Spitzenplatz in Deutschlands Bäderlandschaft ein. Aber das Zahlenwerk ist fragwürdig.

Duisburg: Eine blühende Bäderlandschaft mit rund 9000 Quadratmetern Wasserfläche in neun Schwimmbädern. Auf 18 Quadratmetern können je 1000 Duisburger Wasserratten planschen. Das klingt zwar nach drangvoller Enge, ist statistisch betrachtet aber ein bundesweiter Spitzenplatz; nur in Düsseldorf gibt es noch mehr Badewasser. So stellen die Wirtschaftsbetriebe die Lage nach Umsetzung des neuen Bäderkonzepts und Schließung von fünf Bädern sowie eines Lehrschwimmbeckens dar.

Der Fachmann staunt, der Laie wundert sich – vor allem über die Zahlen, die zur Untermauerung dieser Vision in der Beschlussvorlage zum neuen Bäderkonzept auftauchen. Dass Natursee-Bäder dort ausgeklammert werden, ist noch nachvollziehbar. Aber warum werden Freibäder nicht berücksichtigt? In einer nicht öffentlichen Sitzung des Bäderbeirats haben die Wirtschaftsbetriebe Duisburg (WBD) diese Frage bereits am 21. Dezember 2005 beantwortet: Freibäder würden in Wasserflächenberechnungen grundsätzlich nicht berücksichtigt, weil die Gefahr verfälschter Zahlen zu groß wäre. Gleichwohl haben die WBD bei der Berechnung der Wasserfläche pro Duisburger Bezirk sehr wohl die Freibäder berücksichtigt, um zu dem Ergebnis zu kommen, dass Rheinhausen dank des Toepper-Freibades einen astronomisch hohen Wert von 74,43 Quadratmetern pro 1000 Einwohner habe.

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Die Gefahr unverfälschter Zahlen

Was wäre wohl passiert, wenn man nach dem gleichen Modell die Freibäder auch in den Städtevergleich einbezogen hätte? Unsere Redaktion hat sich die Mühe gemacht und das Angebot in einigen von den Wirtschaftsbetrieben genannten Vegleichsstädten nachgerechnet. Der Eindruck, der sich uns hinterher bot: Die Freibäder wurden ausgeklammert, weil sonst die Gefahr unverfälschter Zahlen zu groß gewesen wäre. Konkret: Da nur noch das Außenbecken am Kruppsee als „Freibad“ zur Verfügung stünde, hätte Duisburg insgesamt 10 300 Quadratmeter Wasserfläche (rund 20 je 1000 Einwohner), inklusive eines „gefühlten Freibads“ am Toepper. Zum Vergleich: Essen hätte 18 000 Quadratmeter Wasser (rund 32 je 1000 Einwohner); Dortmund: rund 19 600 Quadratmeter (33); Hannover: 15 600 (30); Stuttgart: 18 700 (31); Frankfurt: 32 770 (50). Fazit: Duisburgs neu konzipierte Bäderlandschaft rangierte im Städtevergleich ganz, ganz unten – und in Bezug auf Freibäder gliche sie einer Wüste.

Wunschdenken

Nicht nur was die Wasserfläche angeht, auch bei der Art und Ausstattung der Bäder sitzt Duisburg auf dem Trockenen. Ein Blick ins Internet genügt, um die Behauptung, Duisburg stehe bädermäßig besser da als zum Beispiel Stuttgart, als reines Wunschdenken zu entlarven. Stuttgart (591 000 Einwohner) verfügt über acht Hallenbäder, acht Freibäder und vier Mineralbäder, Wasserrutschen, abenteuerliche Beckenlandschaften, Spiel und Spaß und Sauna satt. Von zusätzlich neun Lehrschwimmbecken in Schulen ganz zu schweigen.

Nur ein knochentrockener Statistiker kann Duisburg im Vergleich dazu einen Spitzenplatz in der Bäderlandschaft zuerkennen: Schön gerechnet! (Kommentar)

(RP)