RP-Serie Gesund und vital in Duisburg: "Schmerzen müssen nicht sein!"

RP-Serie Gesund und vital in Duisburg : "Schmerzen müssen nicht sein!"

Während im Alltag bei Schmerzen viele Ratschläge erteilt werden, kommt dem Schmerzmanagement im Klinikbereich eine besondere Bedeutung zu. Dr. Alexandra Knille leitet die Schmerztherapie im Klinikum Duisburg.

Seit acht Jahren ist Edelgard Junker regelmäßig in der Schmerzambulanz des Klinikums Duisburg. Sie war dort schon Patientin beim Vorgänger von Dr. Alexandra Knille, die seit April 2010 als Fachärztin für Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie die Schmerzambulanz leitet. Edelgard Junker ist 79 Jahre alt, sieht blendend und viel jünger aus, doch leidet sie in unregelmäßigen Abständen an stärksten Schmerzen im Gesicht.

Auch die Behandlung mit einem Reizstrom-Gerät (TENS) kann schmerzlindernd sein. Die Anwendung ist auch zu Hause möglich. Foto: Hohl, Ralf (hohl)

"Das kommt schubweise und ist ganz schlimm. Ich kann dann noch nicht einmal kauen", berichtet sie. Wann diese Schmerzattacken auftreten, lässt sich nicht vorhersagen. Manchmal sei sie mehrere Monate schmerzfrei, manchmal komme sie zweimal in der Woche in die Schmerzambulanz, wo Dr. Alexandra Knille ihr mit einer speziellen Schmerzspritze sowie einer zusätzlichen Reizstrombehandlung eine erheblich Schmerzlinderung verschafft. Die Ursache für Edelgard Junkers unberechenbare Schmerzen ist der Trigeminus-Nerv. Wenn der entzündet ist, kann es zu einer Attacke kommen, die auf einer Skala über das Feld "starke Schmerzen" hinausgeht und in den Grenzbereich von "nicht stärker vorstellbare Schmerzen" reicht.

"Schmerzen müssen nicht sein!" ist die Devise beim Schmerzmanagement im Klinikum Duisburg. Jedenfalls nicht so starke. Dr. Alexandra Knille kann nicht allen Patienten versprechen, dass sie vollkommen schmerzfrei werden. Aber zumindest eine Halbierung der Schmerzen sei ein realistisches Ziel, das erreicht werden sollte.

Die Oberärztin hat viele Aufgaben im Klinikum. Zwei Tage in der Woche arbeitet sie in der Schmerzambulanz, wo sie Patienten hilft, die von einem niedergelassenen Arzt dorthin überwiesen werden. Ohne eine solche Überweisung gehe es leider nicht, berichtet die engagierte Medizinerin. Sogar Frau Junker muss regelmäßig bei ihrem Hausarzt eine solche Überweisung einfordern, was zwar nicht schwierig, aber doch umständlich ist.

Zum großen Aufgabenfeld von Dr. Alexandra Knille gehört aber auch, alle Ärzte und die Pflegeteams im Klinikum in ein Netzwerk zum Schmerzmanagement einzubinden. Jeder Patient, der mit Schmerzen in die Klinik kommt, wird nach einem standardisierten Verfahren nach seinem "Schmerzstatus" befragt. Daraus kann die für den Patienten angemessene Schmerztherapie anhand von klaren Vorgaben ermittelt und eingesetzt werden.

Dr. Alexandra Knille, die auch berechtigt ist, Ärzte weiterzubilden, schreibt dazu in einer krankenhausinternen Mitteilung: "Dieses Vorgehen schafft Transparenz über die Notwendigkeit und den Umfang der Schmerztherapie, die allen Beteiligten Sicherheit gibt." Natürlich muss nicht immer die Fachärztin oder einer ihrer spezialisierten Kollegen bei jedem Patienten hinzugezogen werden. Aber bei unklaren Fällen greifen die operierenden Ärzte gerne auf das Expertenwissen zurück.

"Perioperatives Schmerzmanagement" heißt das in der Fachsprache. Gemeint ist, dass Patienten um die Operation herum (= peri) — also vor, während und danach — schmerztherapeutisch begleitet werden. Alle Chefärzte, die es mit Operationen zu tun haben, haben an der Erstellung der dafür geltenden Verfahrensweisen mitgewirkt.

Im Klinikum wird auch im Bereich der Schmerztherapie das Qualitätsmanagement kontrolliert. Außerdem nimmt das Klinikum an "QUIPS" teil, einem Projekt, das mit objektiven Kriterien die Verbesserung der Akutschmerztherapie in den operativen Bereichen verbessern soll. Die flotte Abkürzung steht für "Qualitätsverbesserung in der postoperativen Schmerztherapie". Eine Besonderheit ist, dass Ärzte unterschiedlicher Disziplinen daran mitwirken — stets im direkten Kontakt mit den Patienten. Bundesweit nehmen an "QUIPS" zurzeit 138 Kliniken teil.

Die erfolgreiche Teilnahme kann durch ein Zertifikat bescheinigt werden.

(RP)
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