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Schloss Heltorf in Duisburg: Eine Zeitreise in die Vergangenheit

Zwischen Duisburg und Düsseldorf : Eine Zeitreise in die Vergangenheit auf Schloss Heltorf

Schloss Heltorf an der Stadtgrenze zwischen Duisburg und Düsseldorf ist der erste klassizistische Bau des Rheinlandes in der Zeit nach Napoleon. Ein Blick in die Geschichtsbücher.

Wenn die Leute aus dem Duisburger Süden und Düsseldorfer Norden vom „Schloss“ sprechen, ist nicht nur den Eingeweihten schnell klar, dass es hier um Schloss Heltorf geht. Es liegt auf der Grenze zwischen Angermund und Rahm und ist den Duisburgern und den Düsseldorfern gleichermaßen vertraut. Und ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass die Entwicklung des Schlosses eng verbunden mit den benachbarten Ortschaften ist.

Im 14. Jahrhundert hieß es „Heildorp, ein Hof, der ein freies eigenes Gut sei, mit Ackerland, Busch, Broech, Weide, Benden, Fischereien, mit Hühnern und Pfennigsgulden, mit der Holzgrafschaft auf der Heltorfer Gemark, einer Rente von 9 Malter Roggen und 4 Malter Gerste aus der Steinwerts Mühle“. Zu Heltorf gehörte damals ein Grundbesitz von 2306 Morgen. Wilhelm von Scheidt, genannt Weschpfenning, kam in den Besitz des Rittergutes. Sein Sohn Johann Bertram übernahm 1611 das Erbe, das der Vater durch den Ankauf des Hofes Bilkrath und andere Güter erheblich vergrößert hatte. Johann Bertram war Amtmann von Angermund, Rat, Marschall, Kämmerer und Großhofmeister des Herzogs Wolfgang Wilhelm von Berg, also mit viel Macht und Befugnissen ausgestattet.

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Seine Tochter Maria heiratete in zweiter Ehe 1649 Friedrich Christian von Spee, der 1662 der offizielle Nachfolger seines Schwiegervaters auf Schloss Heltorf wurde. Und schon 1669 begann er, das Schloss umzubauen. 1822 und 1825 baute Franz Anton Graf von Spee auf den Fundamenten der Burg- und Schlossanlage das heutige Hauptgebäude. Somit ist Schloss Heltorf der erste klassizistische Bau des Rheinlandes in der Zeit nach Napoleon.

Eine Vorburg zur Brücke, die in den prächtigen Garten vor dem Hauptgebäude führt, trägt das Wappen der Reichsgrafen, das auf einem weißen Schild einen roten Hahn mit goldener Krone zeigt. Spee bedeutet so viel wie „Speede“ – das Wort heißt Spähen oder beschreibt den Wachsamen. So ist das Schloss seitdem im Besitz der Familie von Spee, die eng verbunden mit den Geschicken in Angermund ist. Dass Schloss Heltorf ab 1945 Unterkunft für die englische Armee war, dann ein Kindererholungsheim beherbergte und schließlich der Angermunder Schwesterngemeinschaft, den Dominikanerinnen des St. Katharinenwerks, Obdach gewährt hat, ist Geschichte.

1967 zog Maximilian Graf von Spee mit seiner Ehefrau Maria Theresia in das Schloss ein. Sie traten die Nachfolge von Wilderich Graf von Spee an, der keine eigenen Kinder mehr hatte, weil sein einziger Sohn im Krieg geblieben war, und somit seinen Neffen Maximilian erwählte, die Geschicke fortzuführen. Dass es sich in einer Villa bequemer hätte leben lassen, als im Privatschloss, das hat Maximilian Graf von Spee einmal zum Besten gegeben. Doch Gräfin von Spee machte es sich in den kommenden Jahren zur Aufgabe, das Schloss liebevoll zu restaurieren, wobei alte Möbel, Bilder und Inventar sich wunderbar mit modernem Komfort verbinden ließen. Die gelernte Bilderrestauratorin, die vor ihrer Eheschließung drei Jahre in der Pinakothek in München gearbeitet hat, verfügt einfach über einen exzellenten Geschmack. Und die Familie ist in Angermund  seit jeher beliebt und hoch geschätzt.

Maximilian Graf von Spee engagierte sich mit seiner Ehefrau seit 1967 für die Allgemeinheit., für die Seniorenstiftung, Kultureinrichtungen, für die Bruderschaft. Die sieben Kinder sind allesamt im Schloss aufgewachsen.  „Für Glaube, Sitte und Heimat“, ist gelebte Richtschnur übrigens dieselbe, die für die St. Sebastianus Bruderschaften galt. Bei feierlichen Anlässen war das Ehepaar stets gern gesehen. Als Maximilian Graf von Spee 2009 starb, waren nicht nur die Angermunder Bürger tieftraurig. Nun führt der älteste Sohn Wilhelm Graf von Spee die Geschäfte. Mit seiner Ehefrau und fünf Kindern bewohnen sie das Schloss.

Ganz in der Nähe des Schlosses, auf dem Weg nach Rahm und in Richtung Rosen Ruland, steht die Agnes-Kapelle. Erbaut wurde sie 1783 und diente eigentlich als Grabstätte für die gräflichen Familienmitglieder. Doch schon 1810 wurde der Leichnam von Carl Wilhelm Graf von Spee in die neu errichtete Gruft auf den Angermunder Friedhof überführt. So nahmen 1992 die Mitglieder der 1. Oberschlesischen Marien-Schützengruppe der St. Sebastianus Bruderschaft die Agnes-Kapelle in ihre Obhut und kümmern sich seitdem um die Instandhaltung. Die Kerze aus dem Wallfahrtsort Tschenstochau erinnert an die verlorene Heimat.

Beeindruckend ist auch die Allee, die zum Schloss Heltorf führt. Schon 1970 ließ Maximilian Graf von Spee Alleebäume aufstellen, die den Namen „Chinesisches Rotholz“ tragen. Prachtvolle Buchen säumen den Weg und auch Roteichen, die schließlich in der Straße „Auf der Krone“ münden.

In den benachbarten Backsteinhäusern von Schloss Heltorf sind die Mitarbeiter untergebracht. Haus Bilkrath, einer der schönsten Bauernhöfe der Umgebung, ist in unmittelbarer Nachbarschaft. Und auch Richtung Froschenteich gibt es noch vier Buschhüter-Häuschen mit Stufengiebeln zu sehen. Hier wohnen noch immer Forstangestellte der gräflichen Familie von Spee. Die Häusergruppe wurde längst restauriert und steht unter Denkmalschutz.

Quellen: Angermund – die Rosenstadt im Grünen vom Angermunder Kulturkreis; Dorfgeschichte Rahm vom Bürgerverein Großenbaum/Rahm