Duisburg: Schlangen vor Giacometti

Duisburg: Schlangen vor Giacometti

Der Besucherandrang bei der Giacometti-Ausstellung im Wilhelm Lehmbruck Museum ist so groß, dass erstmals in der Geschichte des Hauses der Zutritt zum Sonderausstellungsraum begrenzt werden muss.

Die Besucheranzahl der Giacometti-Ausstellung im Lehmbruck Museum muss aus Sicherheitsgründen limitiert werden. "Der unerwartete Besuchererfolg der vergangenen Wochen führt dazu, dass die Anzahl der Besucher im Ausstellungsraum zum Schutz der hier intim präsentierten Kunstwerke nun auf etwa jeweils 60 begrenzt werden muss", ließ gestern die Museumsleitung mitteiligen.

"Wir erwarten am Wochenende wieder eine Besucherdichte, die die Sicherheit der aus Paris, London und New York geliehenen und unserer eigenen Exponate gefährden könnte", so der Kurator der Ausstellung, Dr. Gottlieb Leinz. Gerade die fragilen Werke Giacomettis bedürften einer besonders sorgfältigen Bewachung. Aus diesem Grund werde innerhalb der Giacometti-Ausstellung die Besucherzahl ab dem heutigen Samstag beschränkt. Um Verständnis dafür bittet schon vorab Prof. Raimund Stecker, der neue Direktor des Hauses: "Das Lehmbruck Museum ist für den Besucheransturm infrastrukturell nicht gewappnet", stellt er lapidar fest. Dennoch kommt jeder Interessierte hinein: Kurze Wartezeiten und ein freier Zugang morgens und am späten Nachmittag, vor allem an den Freitagen, an dem das Museum vorerst bis 20 Uhr geöffnet bleibt, sind die Regel.

Führungen sind gefragt

Nach fünf Wochen Ausstellungsdauer werden in Kürze 12 000 Besucher die Ausstellung gesehen haben, ein großer Erfolg für das Skulpturenmuseum, dessen Besucherzahl im Jahresdurchschnitt bei 30 000 liegt. An den bevorzugten Museumstagen am Wochenende zählte das Kassenpersonal nicht selten mehr als 1000 Gäste pro Tag. Besonders stark nachgefragt sind Führungen. Gleichzeitig sind im Lehmbruck Museum ohne Einschränkungen weitere Highlights zu sehen: Die Ausstellung "Von Picasso bis Warhol. Bildhauerschmuck der Avantgarde" wurde für die Dauer der Giacometti-Schau verlängert und um Sammlungsbestände von Max Ernst ergänzt, neu zu sehen ist der Auftakt der Ausstellungsreihe "Zu Gast in unserer Sammlung" mit Olaf Metzel, von dem drei Werke ausgestellt werden. Eine große Metzel-Ausstellung zeigt derzeit das Museum Küppersmühle, wo man sich auch über gute Besucherzahlen freut.

Der in dieser Form für das Lehmbruck Museum beispiellose Publikumszuspruch erfreut Gottlieb Leinz. Denn für ihn ist die Giacometti-Ausstellung, die letzte, die er vor seiner Pensionierung kuratiert. Und Museumsdirektor Raimund Stecker hätte sich wohl keinen besseren Start ins Amt wünschen können. Das Giacometti-Fieber wurde nach einer Auktion in London zusätzlich angefacht, wo Anfang Februar eine Bronzeskulptur des Künstlers für 74 Millionen Euro versteigert wurde.

(RP)