Duisburg: Schlagzeuger und Festivalmacher

Duisburg : Schlagzeuger und Festivalmacher

Der Duisburger Peter Baumgärtner ist Organisator der noch bis Sonntag laufenden internationalen Hildener Jazztage. Der Musiker blickt auf eine wechselvolle Karriere zurück, u.a. war er einst beim Düsseldorfer "Kom(m)ödchen" dabei.

Festnetztelefon statt Handy, Fax statt Scanner, Schreibmaschine statt Laptop, drei Tage statt fünf - davon erzählt Peter Baumgärtner, wenn er sich an das erste Jazz-Festival in Hilden erinnert. Heute zählen die internationalen "Hildener Jazz-Tage" zu den wichtigsten Festivals in Deutschland. "In Nordrhein-Westfalen allemal", kann er mit Fug und Recht behaupten. Noch bis Sonntag dauern die Jazz-Tage, organisiert heute wie damals von der Eventagentur "Sensitive Colours" - dieBaumgärtner gemeinsam mit Uwe Muth betreibt - gemeinsam mit dem Kulturamt der Stadt Hilden. Heute allerdings mit Hilfe von Handy, Laptop und Scanner.

Mit dem Pablo Held Trio wurde das 23. Festival am Dienstag eröffnet. "Die Musiker lieben die familiäre Atmosphäre, in der das Festival stattfindet. Das macht es aus und das merken auch die Zuschauer", ist sich der heute in Duisburg-Serm lebende Musiker sicher, der Weltstars seiner Zunft begrüßen kann (u.a. Larry Goldings, Peter Bernstein und Bill Stuart).

Dass dies einmal der Fall sein würde, konnte der elfjährige Peter Baumgärtner natürlich nicht ahnen als er als erster Schlagzeug-Schüler die Musikschule in St. Georgen im Schwarzwald betrat, seinem Instrument treu blieb und sein Hobby - nach der Ausbildung zum Industriekaufmann - durch das Studium an der Swiss Jazz School zum Beruf machte.

Was sich toll liest - wer kann das schon von sich behaupten - hat vor allem als freier Musiker seine Höhen und Tiefen. Vom Schwarzwald aus ging es vor 35 Jahren rheinabwärts nach Düsseldorf. Drei Jahre gehörte er als Musiker dem Düsseldorfer "Kom(m)ödchen" an. "Das war zu der Zeit als Harald Schmidt und Hugo Egon Balder zum Ensemble gehörten", erinnert er sich. "Danach gab es bei mir einen großen Knick und einen finanziellen Schock." Bald folgten zwar Engagements bei der Broadway Musical Company ("Hair"), im Frankfurter Varieté "Tigerpalast" aber auch ein Entschluss, sich wieder mehr dem Jazz zu widmen. "In dieser Zeit haben wir ,Sensitive Colours' gegründet. Wir hatten von solchen Sachen wie Sponsoren-Akquise zwar keine Ahnung, aber wir haben es durchgezogen!" Auch ohne Handy und Laptop wurde das erste Festival in Hilden organisiert. Geplant war das zunächst nicht: "Ich war damals Mitglied einer Band in Hilden. Wir wollten ursprünglich nur unsere CD präsentieren." Mit Unterstützung der Leiterin des dortigen Kulturamtes, Monika Dörr, wurde die Festival-Idee geboren. "Anfangs waren es so um die 1500 Besucher, heute sind es im Durchschnitt zwischen 4000 und 5000." Meist sind es um die 20 Bands, die in Hilden das heute sehr renommierte Festival bestreiten. "Der WDR wird das Konzert der WDR-Bigband im Rahmen der ,International Jazznight' am 2. Juni live im Radio übertragen." Auch das übrige Programm kann sich hören lassen, wozu mal allerdings vor Ort dabei sein muss.

Das Programm stellen Peter Baumgärtner und Uwe Muth mit dem Anspruch zusammen, jedes Jahr etwas musikalisch Neues zu präsentieren. Einige Namen tauchen öfter auf, "meist dann aber in neuen Konstellationen." Und "Die Jazz-Szene in Nordrhein-Westfalen ist uns sehr wichtig."

Als Schlagzeuger spielt Peter Baumgärtner ab und zu auch selbst auf dem Festival. "Das ist aber nicht die Regel." Mit den "Billmen" spielt er gemeinsam mit Manfred Billmann (Gesang, Piano) und Stefan Werni (Bass) "Cool Jazz" aus NRW, mit der "Accordion Lounge" liefert er mit Jörg Siebenhaar (Akkordion, Piano, Percussion)und Konstantin Winstroer (Bass) ein ungewöhnliches Klangspektrum. Der WDR "schenkte" ihm zudem zum 60. Geburtstag eine Produktion ausgewählter Titel. "Wenn ich spiele, tauche ich in die Musik ein. Sie ist für mich Balsam für die Seele. Du vergisst komplett die Welt um dich herum!"

Noch zu erleben sind bei den aktuellen Hildener Jazztagen: Am heutigen Donnerstag, Pia Neises & Martin Sasse Trio, The Good View, Shatabdi, "O&C feat. Bruno Müller. 1. Juni: Frederik Köster & Sebastian Sternal, Jeff Cascaro, Axel Fischbachers "Five Birds". 2. Juni: International Jazznight mit der WDR-Bigband, Larry Goldings/Peter Bernstein/Bill Stewart, Rhythmussportgrupp. 3. Juni: Forsonics, Fay Claassen Band, Audrey Martells & Band, Christoph Haberer / Sarah Buechi.

Orte, Preise und Zeiten auf: "http://www.hildener-jazztage.de" Informationen auch auf: www.peterbaumgaertner.com

(awi)
Mehr von RP ONLINE