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Schießerei in Duisburg: "Hier muss der Rechtsstaat durchgreifen"

Reaktionen auf Schießerei in Duisburg-Hamborn : „Hier muss der Rechtsstaat durchgreifen“

Nach den Schüssen am Mittwochabend auf dem Hamborner Altmarkt mit vier Verletzten ermittelt die Polizei im Clan- und Rockermilieu. OB Sören Link forderte Innenminister Herbert Reul auf, die Einsatzhundertschaft hierzubehalten.

Am Tag nach der wilden Schießerei am Hamborner Altmarkt mit vier Verletzten reagiert auch die Duisburger Lokalpolitik betroffen. „Ich bin schockiert und traurig“, ließ Oberbürgermeister Sören Link (SPD) bereits am Vormittag verlautbaren. Natürlich müsse man abwarten, was die polizeilichen Ermittlungen zu den Ereignissen in Hamborn ergeben. „Klar scheint: Hier wurden Auseinandersetzungen im Rocker und Clanmilieu auf offener Straße ausgetragen, unbeteiligte Menschen wurden in Lebensgefahr gebracht“, so der OB. „Ein ganzer Stadtteil“ sei in Angst und Schrecken versetzt worden. „Ich habe Innenminister Reul heute in einem Telefonat um ein klares Bekenntnis dazu gebeten, die Hundertschaft der Polizei im Duisburger Norden zu belassen. In meinen Augen ist das alternativlos“, erklärte Link.

Schon seit Jahren sind zusätzliche Polizeikräfte von Einsatzhundertschaften im Duisburger Norden. Sie sollen die örtliche Polizei unterstützen und auch bei Razzien gegen die Clankriminalität Hilfestellung leisten. Diese „Nadelstiche“ gegen kriminelle Großfamilien hat es im Duisburger Norden zuletzt häufiger gegeben. Zuletzt gab es am 12. März eine solche Aktion. Elf Durchsuchungen in Lokalen, Shisha-Bars und Wettbüros wurden im Beisein von NRW-Innenminister Herbert Reul vorgenommen, neun illegal aufgestellte Glücksspielautomaten und unversteuerter Shisha-Tabak wurden beschlagnahmt, zudem gab es 304 Ordnungswidrigkeitenanzeigen und Hinweise auf den Doppelbezug von Kindergeld. „Wir haben da langen Atem und lassen nicht locker“, hatte der Minister bei dieser Razzia versprochen. „Den Bürgerinnen und Bürger fehlt zunehmend das Verständnis für das, was sich teilweise direkt vor ihren Haustüren abspielt. Hier muss der Rechtsstaat mit aller Härte durchgreifen. Diese Taten müssen bis ins letzte Detail aufgeklärt werden und sie dürfen sich nicht wiederholen“, so Link.

  • Fotos : Schießerei mit mehreren Verletzten in Duisburg - der Tag danach
  • Innenminister Herbert Reul (CDU) nimmt Stellung
    Innenminister Reul zur Schießerei in Duisburg : „Ein Riesenproblem, das Menschen in Angst und Schrecken versetzt“
  • Schüsse in Duisburg-Hamborn : „Ein ganzer Stadtteil wurde in Angst und Schrecken versetzt“

Hamborn liegt im Landtagswahlkreis Duisburg III. Dort bewirbt sich Dennis Erle (FDP) um ein Mandat. In einer Stellungnahme erklärte er am Donnerstag: „Die Schießerei hätte schnell unschuldige Menschenleben kosten können und sei „die traurige Folge falsch verstandenen Wegschauens in der Politik“. Umso wichtiger sei es, den Kampf gegen die Clans in der derzeitigen NRW-Innenpolitik fortzusetzen.

Frank Börner, Landtagsabgeordneter und Kandidat der SPD, sieht dagegen Reuls Politik als „gescheitert“ an. „Das sind Szenen, wie man sie sonst nur aus schlechten Filmen kennt“, sagt Börner. „Dass diese Rocker-Fehde mitten in einem Wohnviertel ausgetragen wurde, demonstriert das Überlegenheitsgefühl und den fehlenden Respekt der Beteiligten vor dem Strafgesetzbuch. Hier muss der Rechtsstaat mit aller Härte durchgreifen“, erklärte der Landtagsabgeordnete. Man wolle die „Bosse und nicht nur die Boten“ hinter Gittern sehen. „Das geht aber nicht, wenn Innenminister Reul (CDU) auf der einen Seite mehr Sicherheit verspricht und auf der anderen Seite Stellen bei der Polizei in Duisburg abbaut. Das ist der falsche Weg und ein fatales Signal an die kriminelle Szene in der Stadt.“ Reuls Strategie für mehr Sicherheit im Duisburger Norden sei am Mittwochabend gescheitert.

 Duisburgs Polizeipräsident Alexander Dierselhuis hatte nach den Vorkommnissen eine Dienstreise nach Dresden abgebrochen.
Duisburgs Polizeipräsident Alexander Dierselhuis hatte nach den Vorkommnissen eine Dienstreise nach Dresden abgebrochen. Foto: dpa/Roland Weihrauch

Auch Melih Keser, Landtagskandidat der Grünen im Duisburger Norden, kritisiert den Kurs des NRW-Innenministers. „Während er mit Shisha-Bars beschäftigt war, haben die wirklichen Kriminellen zugeschlagen“, sagt Keser in Anspielung auf die öffentlichkeitswirksamen Auftritte Reuls im Kampf gegen Clankriminalität. Auftritte, die Keser nur „PR-Shows“ nennt. Er fordert eine bessere Ausstattung von Polizei und Justiz sowie schärfere Waffengesetze. „Wir haben gesehen, was Waffen in den Händen von Privatpersonen anrichten.“

Die Kritik an der Landesregierung teilt Deniz Güner (CDU) nicht. Wer die Regeln des Rechtsstaates nicht akzeptiere, müsse mit den härtesten rechtlichen Konsequenzen rechnen. „Die CDU wird keine rechtsfreien Räume dulden“, so der Landtagskandidat. Die „erfolgreiche Bekämpfung der organisierten Kriminalität“ unter Innenminister Herbert Reul müsse fortgesetzt werden. „NRW darf nicht wieder zu einem Paradies für die organisierte Kriminalität werden, die der ehemalige SPD-Innenminister Ralf Jäger zu verantworten hat“, so Güner.