Duisburg: Schauspieltreffen unterm Theaterdach

Duisburg: Schauspieltreffen unterm Theaterdach

Auch beim diesjährigen Theatertreffen "Kurzer Prozess" gibt es interessante Produktionen im Foyer III unterm Dach des Duisburger Stadttheaters. Es begann mit "Die Zoogeschichte" und "Die Stunde der Wahrheit".

Das diesjährige Theatertreffen "Kurzer Prozess" wurde jetzt mit zwei interessanten Gastspielen im Foyer III unterm Dach des Duisburger Theaters fortgesetzt.

Hadi Khanjanpour spielt sich quasi selber in "Die Stunde der Wahrheit" (Gastspiel der "theaterperipherie Frankfurt"). Foto: theaterperipherie

Bekannt ist der US-amerikanische Dramatiker Edward Albee, Jahrgang 1928, heute vor allem noch durch das Stück "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" ("Who's afraid of Virginia Woolf?", 1962). Seinen Durchbruch hatte er jedoch schon drei Jahre zuvor mit "Die Zoogeschichte" ("The Zoo Story"). Jetzt war der Einakter im ausverkauften Foyer III zu erleben. Die beiden Personen des Stückes sind Peter, ein in bürgerlichen Verhältnissen lebender Familienvater, und der Außenseiter Jerry. Sie begegnen sich auf einer Parkbank im Central Park von New York. Jerry gelingt es, Peter nach und nach und gegen dessen Willen in ein Gespräch zu verwickeln. Er erzählt, dass er gerade aus dem Zoo komme, und drängt Peter vor allem die mitleiderregende, teilweise auch ekelhafte "Geschichte von Jerry und dem Hund" auf, die seine triste Lebenssituation beschreibt.

Als Peter, angewidert und überfordert, schließlich äußert, er müsse jetzt nach Hause gehen, akzeptiert Jerry das nicht. Er kitzelt, boxt und provoziert Peter; versucht ihn von "seiner" Bank zu schubsen, was dieser sich nicht gefallen lassen will. Jerry schiebt ihm ein Messer zu und stürzt sich schließlich selbst hinein. Im Zoo hatte er erkannt, dass auch der Mensch "nur" ein Tier ist, zudem ein besonders grausames.

Das ist ein knapp einstündiges, ungewöhnlich intensives und emotional wuchtiges Stück, mit den für Albee typischen großartigen Dialogen. Es soll die paradoxe Botschaft vermitteln, dass Grausamkeit, indem sie die Gleichgültigkeit zwischenmenschlicher Beziehungen überwinden hilft, eine emotionale Heilwirkung entfalten kann.

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Am Staatstheater Mainz hat das der 1981 geborene Regisseur Philipp Kugler eindringlich und psychologisch präzise auf den Punkt gebracht. Er hat aber auch mit Gregor Trakis und Stefan Walz zwei erstklassige Schauspieler zur Verfügung, wir konnten sie hier schon vergangenen Herbst bei dem Mainzer Gastspiel mit "Biedermann und die Brandstifter" von Max Frisch bewundern (die RP berichtete). Der Clou dabei ist, dass die beiden Darsteller zu Beginn der Vorstellung darum würfeln, wer wen spielt. In Duisburg war Jerry der jüngere Trakis, was wahrscheinlich auch besser passt.

Einen Tag später gab es im Foyer III noch ein gut einstündiges Gastspiel, mit "Die Stunde der Wahrheit" von theaterperipherie aus Frankfurt am Main. Was macht ein Schauspieler, wenn man ihm die Aufgabe stellt, eine Stunde mit nur einem Requisit, privater Kleidung, einer einzigen Lichtstimmung, ohne Musik, ohne Bühnenbild die Bühne zu füllen, und dabei nur von sich selbst erzählen zu dürfen? Hadi Khanjanpour, Mitglied von theaterperipherie und Absolvent der "Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg", erzählt die Stationen seines noch jungen Lebens als Iraner, der mit fünf Jahren nach Deutschland kommt. Drei Jahrzehnte mit viel Wohlwollen und noch mehr Widerstand. Das eigentlich bedrückende Thema gewinnt seine ganz eigene Eindringlichkeit durch Humor und überschäumende Spielfreude.

Der Clou in diesem Fall, ist, dass Khanjanpour fast nie sich selbst spielt, sondern verschiedene Personen, die ihm begegnet sind: von seinem radebrechenden Vater über schikanöse Lehrer sowie seine Freundin und Fast-Frau Antonella bis zu seinem Schauspiel-Lehrer und darüber hinaus zum Gespräch mit dem Inspizienten "vor" der Duisburger Vorstellung. Und ach ja, als das einzig erlaubte Requisit wählte er ein riesiges Stück Kreide, mit dem er an die Rückwand als Tafel malt und schreibt, das ganz am Anfang für das Baby Hadi steht, ganz am Ende aber völlig zerbröselt. Das sind starke Bilder.

(hod)
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