Schauinslandreisen-Arena: Stadt hilft MSV Duisburg mit einer Million

Finanzlücke bei den Zebras : Stadt hilft MSV für Arena mit einer Million

In einer Sondersitzung soll der Duisburger Stadtrat beschließen, der MSV-Stadiongesellschaft eine Million Euro zu zahlen. So soll sichergestellt werden, dass der abgestiegene Zweitligist MSV Duisburg die Lizenz für die dritte Liga erhält. Die Finanzlücke soll weitgehend geschlossen sein.

Es hat nicht gereicht: Nach der 3:4-Niederlage im letzten Heimspiel gegen Heidenheim ist der Abstieg der Zebras nicht mehr zu vermeiden. Das letzte Saisonspiel am Sonntag beim Hamburger SV wird daran nichts mehr ändern. Einen Tag später ist der MSV Duisburg dann Thema in einer Sondersitzung des Stadtrates. Im nichtöffentlichen Teil soll beschlossen werden, dass der Rat „einer Zuführung der Kommanditistin Stadt Duisburg in ihr Kapitalkonto bei der MSV Duisburg Stadionprojekt GmbH & Co. KG in Höhe von einer Million Euro“ zustimmt. Mit dieser Million soll die Stadion KG in die Lage versetzt werden, den Kapitaldienst für das Wirtschaftsjahr 2019/2020 leisten zu können.

Hintergrund ist, dass der MSV nur dann eine Lizenz für die Dritte Liga erhält, wenn die Durchfinanzierung der Spielzeit 2019/2020 dem DFB bis zum 28. Mai nachgewiesen wird. Vor einer Woche soll die Finanzierungslücke noch rund 3,7 Millionen Euro betragen haben. Das liegt vor allem an dem gewaltigen Unterschied bei den Fernseheinnahmen: 2017/2018 erhielt der MSV rund 8,49 Millionen Euro aus medialen Verwertungsrechten, in der Dritten Liga bekam der MSV Duisburg in der Saison 2016/2017 lediglich 890.000 Euro. In einer Verwaltungsvorlage heißt es: „Die Mindereinnahmen kann der MSV Duisburg unter anderem durch Reduzierung der Spielerkaderkosten kompensieren.“ Das ist natürlich kein gutes Omen, wenn die Zebras den sofortigen Wiederaufstieg in Liga zwei in Angriff nehmen wollen.

Inzwischen soll die Finanzierungslücke durch Zuwendungen Privater bereits zu großen Teilen geschlossen worden sein. Ein weiterer Grund für die Ursache der Lücke ist, dass der MSV in der Dritten Liga nicht in der Lage ist, die Stadionmiete zu bezahlen. Normalerweise soll die Stadionmiete für die Spielzeit 2019/2020 bei rund 2,2 Millionen Euro liegen. Diese Kosten sollen um eine Million Euro gesenkt werden. Unter anderem soll die Grundmiete durch einen Sondervertrag für die kommende Spielzeit von 600.000 Euro auf 50.000 Euro sinken. Auch bei den Nebenkosten (Grundsteuer, Gebäudeversicherung) soll es Zugeständnisse geben. Bei den Betriebskosten (Energie, Wasser/Abwasser, Reinigungskosten) soll die Stadion KG 385.000 Euro an den MSV zahlen.

Die die Arena finanzierende Hamburg Commercial Bank (HCB) – die frühere HSH Nordbank – und das Land NRW als Bürgen sollen zu diesem Plan bereits „positive Signale“ gesendet haben. Nach Reduzierung der Stadionkosten bliebe derzeit noch eine Finanzierungslücke von 500.000 Euro, heißt es. Ohne die Lizensierung für die Dritte Liga würden in der Arena die Lichter ausgehen: Dann droht der Stadiongesellschaft das Aus. Denn dann würde der MSV als zahlungsfähiger Mieter für das Stadion ausfallen, die Stadion KG hätte keine Einnahmen mehr, um die Darlehensschulden für den Stadionbau zu begleichen, und eine Insolvenz der Gesellschaft könnte die Folge sein. Anders gesagt: Die Fortführung der Stadion KG ist wesentlich vom sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg des Hauptmieters MSV abhängig.

Im Insolvenzfall würde das Stadion an die Stadt gehen. Die Stadt würde dann zwar Eigentümerin der Arena werden, aber auch eine Entschädigung in Millionenhöhe an die Stadiongesellschaft leisten müssen.

Zudem ist das Stadion so sanierungsbedürftig, dass es wohl nicht wirtschaftlich vermietet werden könnte. Ohne eine Mietreduzierung dürfte der MSV Duisburg wohl nicht in der Lage sein, die Lizensierung für die dritte Liga zu erreichen. Damit fiele auch der Hauptmieter des Stadions aus. Bei einer Nicht-Vermietung kämen Leerstandskosten, zum Beispiel für Sicherung und Heizung, in Höhe von rund 800.000 Euro auf die Stadt zu.

Die Konsequenz: „Insofern befindet sich die Stadt Duisburg in einer Zwangslage, die die genannte Kapitalzuführung erforderlich macht“, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Da bleibt dem Rat wohl keine Alternative.

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