Duisburg: Schaden für Handel und Wirtschaft

Duisburg : Schaden für Handel und Wirtschaft

Die Bahnreisenden sind genervt. Für diejenigen aber, die mit und von der Bahn leben oder für ihre Betriebe auf sichere Zugverbindungen angewiesen sind, hat der Streik viel weiter reichendere Konsequenzen.

Im weltweit größten Binnenhafen herrscht wie eh und je Betriebsamkeit, auch wenn der aktuelle Streik bei der Deutschen Bahn bereits seit Donnerstag den Güterverkehr lähmt. Duisburgs Hafenchef Erich Staake differenziert die Antwort auf die Frage, wie sich die Arbeitsniederlegung auf sein Unternehmen auswirkt. "Unmittelbar sind wir nur teilweise betroffen", sagt er. Das liegt unter anderem daran, dass duisport den internen Schienenverkehr selbstständig abwickelt und eine Vielzahl privater Bahnoperateure am Standort tätig ist. Aber bei allem, was außerhalb von duisport über die Schiene rollt, "können wir unsere Ent- und Versorgungsfunktion für die Wirtschaft nicht mehr mit der gewohnten Zuverlässigkeit wahrnehmen", so Staake. Werden Rohstoffe nicht pünktlich angeliefert oder produzierte Waren nicht zeitgerecht abgeholt, "sind die Prozessketten getroffen", so Staake. "Und das ist aus unserer Sicht der eigentliche Schaden". Die Deutsche Bahn habe in den zurückliegenden Jahren - für die Logistik - einen wirklich guten Job gemacht. Der Streik aber lasse speziell bei ausländischen Kunden jetzt die Frage nach der Zuverlässigkeit aufkommen. Und das sei wirklich fatal.

Geschäftsbetreiber im Hauptbahnhof sind unmittelbar betroffen und ziemlich sauer. Der längste Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn bringt den alltäglichen Ablauf zurzeit gehörig durcheinander. Der allgemeine Tenor lässt verlauten, dass viele Reisende und vor allem die Geschäfte schlecht auf den Streik zu sprechen sind.

Bärbel Link arbeitet im Blumenladen Große-Klock: "Zu uns kommen mindestens 50 Prozent weniger Kunden." Sie sei vor allem auf den Chef der GDL, Claus Weselsky, sauer. "In meinen Augen möchte er nur seine Macht ausspielen. Er rückt einfach nicht von seinem Standpunkt ab." Auch gäbe es viele Mitarbeiter der GDL, die sich von dem Streik distanzieren. Der Unmut sollte also nicht nur auf die Lokführer übertragen werden.

Eine Mitarbeiterin des Schmuckladens SIX zeigt sich erbost über den Zeitpunkt des Streiks. Gerade zum Weihnachtsgeschäft hin sei er sehr ungünstig, sagt sie. Auch sie habe weniger Kunden.

Stephan Menzel, Filialleiter der Malteser Apotheke, findet es zwar verständlich, dass die Menschen für ihr Recht auf Gehalt eintreten. Trotzdem ist er gegen den Streik. "Wir haben 30 Prozent weniger Kunden. Ginge der Streik noch länger, wäre das eine Katastrophe." Besonders die Filialleiter der Bäckerei Ditsch, Adam und Muharen Berati, fühlen sich ziemlich mies. "An unser Geschäft denkt niemand. Die Hälfte der Kunden bleibt weg. Wir sind fast pleite", sagt einer der Brüder. Auch sie sehen die Schuld bei dem GDL-Chef. "Er treibt Machtspielchen." Die beiden fordern: "Die GDL sollte aufgelöst werden. Oder es sollte eine gesetzliche Regelung geben." Zudem kritisieren sie die Deutsche Bahn. "Sie hatten genug Zeit, sich einen Plan B zu überlegen. Bis jetzt sehen wir davon aber nichts."

Auch viele Reisende sind nicht begeistert. "Ich hatte heute eine Zwischenprüfung für mein Studium und hätte sie fast verpasst", sagt eine junge Studentin. Sie hätte dadurch fehlende Zusatzpunkte und damit einen schulischen Nachteil riskiert. Der Streik nerve sie einfach. Ein anderer Kunde, der geschäftlich unterwegs ist, meint: "Ich reise gerne. Allerdings kann ich das durch den Streik nicht mehr. Auch meine Termine kann ich nicht mehr alle wahrnehmen." Und er findet: "Weselsky sollte entfernt werden. Er ist unbeeinflussbar."

Doch bei all den negativen Stimmungen gibt es auch positive Meinungen zu dem Streik. Doris E. ist zwar nicht selber von dem Streik betroffen, findet es aber gut, dass die Lokführer "rebellieren" und für ihre Rechte eintreten. Das fehle ihr in Deutschland manchmal.

(RP)