Sana Kliniken in Duisburg: Aus Schülern werden Stationsleiter

Projekt der Sana Kliniken : Aus Schülern werden Stationsleiter

Im Rahmen eines Projekts leiten Pflegeschüler für zehn Tage eigenständig insgesamt vier Stationen am Sana Klinikum. Die Berufseinsteiger sollen so optimal auf den stressigen Alltag nach ihrer Ausbildung vorbereitet werden.

Es ist ein erster Probelauf für den stressigen Alltag eines Pflegers in einer Klinik. Bereits zum sechsten Mal führen Schülerinnen und Schüler der Schule für Pflegeberufe am Ausbildungszentrum der Sana Kliniken das Projekt „Schüler leiten eine Station“ durch. Die Pflegeschüler befinden sich allesamt im letzten Ausbildungsjahr und legen von Mai bis Juli ihr Examen ab.

Monja Schetter und Marvin Stogniew sind zwei von insgesamt 53 Schülern, die am Projekt „Schüler leiten eine Station“ teilnehmen. Beide sind vom 15. bis zum 25. Januar auf einer Station der Geriatrie tätig. Obwohl Stationsleiter, Praxisanleiter und Lehrer beratend zur Seite stehen, ist das Projekt und die damit verbundene eigenmächtige Leitung einer Station eine besondere Herausforderung. „Ich bekomme viele neue Aufgaben mit, die auf einer Station zu erledigen sind“, berichtet der 25-jährige Marvin Stogniew. Dazu gehörten verschiedene administrative und organisatorische Aufgaben wie das Erstellen von Schichtplänen.

Monja Schetter erzählt von Anlaufschwierigkeiten zu Beginn des Projekts. „Es war schwierig, einen Überblick über die Patienten, die Kollegen und die Arbeit zu bekommen“, sagt die 22 Jahre alte Pflegeschülerin. Besonders in der Frühschicht sei es sehr stressig. „Wann muss ich die Medikamente der Patienten kontrollieren? Wann muss ich die Vitalwerte nehmen? Man braucht Zeit, um in eine Routine zu kommen“, sagt Schetter. In den ersten beiden Tagen sei es noch „sehr wuselig“ gewesen.

Dass sie einmal als Krankenpflegerin in einem Krankenhaus arbeitet, hätte Schetter früher nie gedacht. Doch nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr in einer Klinik war sie Feuer und Flamme für den Beruf. „Es ist große Klasse, wie dankbar die Patienten sind und was sie einem zurückgeben“, so die 22-Jährige.

Ihr drei Jahre älterer Schulkollege kam über Umwegen in die Klinik, hat vorher eine Ausbildung zum Schlosser gemacht. „Ich wollte den Beruf eigentlich schon immer machen, weil ich den Kontakt zu den Patienten sehr schätze“, sagt Stogniew. Doch er hätte lange zeit Sorgen gehabt, ob er die Patienten überhaupt optimal versorgen könne. Er wünscht sich mehr Pflegepersonal in den Krankenhäusern. „Es ist ein schöner Beruf, der durch den Personalmangel aber zu stressig wird“, so der Pflegeschüler. Dieser Stress, etwa bedingt durch Nachtschichten oder zwölf Tage langes Arbeiten am Stück, schrecke neue Bewerber ab.

Für die beiden angehenden Krankenpfleger ist offensichtlich, dass sie das Projekt weiterbringt. „Ich lerne meine Grenzen kennen und wie ich im Team optimal zusammenarbeite“, so Stogniew. Schetter ergänzt: „Dadurch, dass wir die Station selber leiten, sehe ich erst, was im Dienst alles zu erledigen ist.“ Neben der Pflege müsse sie sich auch um Entlassungen, Aufnahmen von Patienten oder die Begleitung von Visiten kümmern. Die Schülerin sei deshalb froh, dass das Projekt monatelang und intensiv in der Schule vorbereitet wurde. Zum Beispiel seien in einem Ordner, der auf der Station steht, alle nötigen Informationen wie eine interne Telefonliste oder Hygienemaßnahmen aufgelistet.

„Das Projekt hat sich über die Jahre sehr bewährt, weil die Schüler ihr Wissen in der Praxis anwenden“, sagt Ute Kozber von den Sana Kliniken. Durch das Projekt würden die Schüler sicherer im Stationsablauf, ergänzt Susanne Fritsch, die die Schule für Pflegeberufe leitet. „Eigenverantwortliches und fachkompetentes Handeln sowie professionelles Arbeiten werden genauso trainiert wie die soziale Kompetenz“, fasst Fritsch zusammen. Dadurch, dass die Schüler früh Verantwortung übernähmen, werde ihr Selbstvertrauen gestärkt. „Das ist eine gute Basis für den zukünftigen beruflichen Alltag“, sagt die Schulleiterin.

(jlu)
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