Duisburg: Salvatororgel wieder gut gestimmt

Duisburg : Salvatororgel wieder gut gestimmt

Das imposante Instrument in Duisburgs Stadtkirche wurde 2002 von der Schweizer Firma Kuhn erbaut. Gestern wurden die rund 3000 Pfeifen von Orgelpfleger Puglia Antonello gewartet. Dabei wurde es manchmal sehr laut.

In der vergangenen Woche war der italienische, nun in der Schweiz lebende gelernte Orgelbauer Puglia Antonello in der Philharmonie Essen, um dort die Orgel zu warten, Einiges zu reparieren und zu stimmen. Gestern leistete Antonello die gleiche Arbeit in der Salvatorkirche. Gemeinsam haben die Essener Philharmonie und die Duisburger Stadtkirche, dass die dortigen Orgeln von derselben Firma stammen, nämlich der Schweizer Traditionsfirma Kuhn, die seit den 154 Jahren ihres Bestehens 1100 Orgeln weltweit gebaut hat. Jedes Instrument ist ein Einzelstück, das dem Ort und der Aufgabe, die es übernehmen soll, angepasst ist. Schließlich wird an eine Orgel im Konzertsaal andere Anforderungen gestellt als in einer Kirche. Und Kirchen können groß oder klein, architektonisch höchst unterschiedlich sein, von der Kathedrale bis zur Dorfkirche.

Die Salvatorkirche ist Duisburgs große Stadtkirche. Hier eine Ansicht, aufgenommen vom Alten Markt. Foto: Probst Andreas

Puglia Antonello, der mit 19 Jahren seine dreieinhalbjährige Orgelbauerlehre absolvierte und nun mit 51 Jahren viel Berufserfahrung hat, betreut rund 70 Instrumente weltweit. Nicht nur die rund 30 Kuhnorgeln in Deutschland, sondern auch Instrumente in verschiedenen europäischen Ländern, in Japan, Korea und den USA. Die älteste Orgel unter seinen "Pflegeinstrumenten" stammt aus dem 16. Jahrhundert, die jüngsten Kuhnorgeln werden gerade erst gebaut, aktuell in Freiburg und Münster.

Zur 2002 eingeweihten Kuhnorgel in der Duisburger Salvatorkirche kommt Puglia Antonello stets gern, mit dem Salvatorkantor Marcus Strümpe ist er mittlerweile per Du. Das Instrument sei für die Salvatorkirche ideal, sagen beide. Rund 3000 Orgelpfeifen prüfte Antonello gestern, die kleinste Pfeife ist dabei so groß wie eine Blockflöte, die größte misst 7.90 Meter. Die meisten Orgelpfeifen bestehen aus einer Zinkblei-Legierung, etwa 150 Pfeifen bestehen aus Eichenholz, was für einen besonders warmen Klang der Orgel sorgt.

Zum gestrigen Pressetermin hatte Marcus Strümpe die Kirche geöffnet, ansonsten war die Stadtkirche gestern für die Öffentlichkeit versperrt. Aus gutem Grund: Beim Prüfen lässt Antonello die Orgel nicht nur ganz leise, sondern immer mal wieder auch in voller Lautstärke ertönen. "Das hält man kaum aus", sagte Strümpe schmunzelnd. Und Antonello berichtet von Kirchenbesuchern, die sich während seiner Prüfungen lautstark beschwert hätten, weil sie sich in ihrer Andacht gestört fühlten. "Ich kann nicht leiser spielen, ich muss hier arbeiten", habe er dann den Kirchenbesuchern zugerufen.

Das Orgelspielen sei ohnehin nicht seine Sache, erzählte der weitgereiste Orgelbauer gestern. Das müsse ein Orgelbauer auch nicht. Wichtig sei, dass er die Mechanik des Instruments kennt. Er sei eher Maschinist als Musiker. Mit Marcus Strümpe arbeitet Antonello gut zusammen. Der Salvatororganist führt ein Orgeltagebuch, in dem er alle Auffälligkeiten notiert. Bleibt ein Ton liegen oder ist der Widerstand einer Taste ungewohnt, dann wird das vermerkt, damit Antonello an den Holzstäbchen und Federn, die für die richtige Traktur sorgen, gezielt arbeiten kann.

Diese Jahreszeit ist für die Wartung von Orgeln in unseren Breitengraden übrigens ideal. Im Winter, wo die Kirche mal geheizt, mal kalt ist, sei das Stimmen einer Orgel nicht sinnvoll, weil durch die Temperaturschwankungen und die mangelnde Raumfeuchtigkeit die Königin der Instrumente gewissermaßen "wankelmütig" ist.

Nach dem gestrigen Prüftag ist die Kuhnorgel wieder für die nächsten musikalischen Gottesdienste und Konzerte gut gestimmt. Auch für das am Sonntag, 17. Juni, beginnende Orgelfestival Ruhr. Da hat man ganz andere Herausforderungen zu berücksichtigen: An dem Tag spielt bei der Fußballweltmeisterschaft Deutschland gegen Mexiko. Deshalb beginnt das Konzert nicht in den Abendstunden, sondern am fußballfreien Mittag, um 12 Uhr. "Bei einer WM hocken zu viele vor dem Fernseher, auch Musikfreunde", sagt Strümpe, der entsprechende Erfahrungen schon gemacht hat.

(pk)