Ruhrlagebericht: Niederrheinische IHK fordert mehr Flächen für Gewerbe

Ruhrlagebericht : IHK fordert mehr Flächen für Gewerbe

Die IHK fordert, in Duisburg mehr Flächen für die Wirtschaft zur Verfügung zu stellen. Das wurde am Mittwoch bei der Vorstellung des neuen Ruhrlageberichts der Kammern an Rhein und Ruhr deutlich.

IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Dietzfelbinger bemängelte am Mittwoch, dass beim Entwurf des Regionalplans durch den Regionalverband Ruhr (RVR) das Thema Wirtschaft und ausreichende Flächen für gewerbliches Wachstum darin nur „eine marginale Rolle“ spielten. „Es werden 25 Prozent weniger Flächen für die Wirtschaft ausgewiesen als nötig sind“, so Dietzfelbinger. Hier müssten die Prioritäten anders gesetzt werden. Auch über die Nutzung von brach liegenden Grünflächen müsse man in diesem Zusammenhang nachdenken. „Wie soll das Ruhrgebiet prosperieren können, wenn uns die Basis fehlt?“, fragte der Hauptgeschäftsführer. So habe Duisburg keine Fläche mit einer Größe von zehn Hektar oder mehr, die für Gewerbe oder Logistik in Frage käme. „Deshalb ist Amazon auch nach Rheinberg gegangen. Das sind immerhin 3000 Arbeitsplätze, die nicht in Duisburg, aber zum Glück noch im Kammerbezirk gelandet sind.“ IHK-Präsident Burkhard Landers unterstrich, dass auch die Rekultivierung von Brachflächen wichtig sei – doch die seien häufig durch die Folgen der Altindustrie belastet. Häufig seien auch in der Vergangenheit Wohngebiete so nahe an diese Flächen herangerückt, dass Störfallbetriebe oder Ansiedlungen mit Emissionen dort keine Chance auf eine Genehmigung mehr hätten.

Den Unternehmen im Ruhrgebiet geht es insgesamt aber gut, betonte Landers. 48 Prozent, also fast die Hälfte, zeigten sich „zufrieden“ mit der aktuellen Geschäftslage. Im Herbst 2018 war es noch ein Prozent mehr gewesen. Der Konjunkturklimaindex liegt mit 126 Punkten auf Rekordniveau. Beim Blick in die Zukunft sagten elf Prozent, sie erwarteten schlechtere Geschäfte. Im Herbst 2018 waren es noch acht Prozent gewesen. Die Gründe seien vor allem der Fachkräftemangel, die Infrastruktur, die Energiepreise, die Steuern und der Brexit.

Thyssenkrupp im Duisburger Norden: Der Stahlstandort Duisburg sei „einigermaßen sicher“, erklärte IHK-Präsident Burkhard Landers am Mittwoch bei der Vorstellung des Ruhrlageberichts. Foto: Rainer Schroeer

Fachkräftemangel 56 Prozent der Unternehmen sehen im Fachkräftemangel das größte Problem für ihre weitere Unternehmensentwicklung. „Der Fachkräftemangel übertrifft jetzt die Risiken aus Inlandsnachfrage, Energie- und Rohstoffkosten sowie Arbeitskosten zusammen. Das zeigt, wie gravierend das Problem ist.“ In diesem Zusammenhang müsse mehr für die duale Ausbildung geworben werden. In einer Zeit, in der ohnehin schon mehr Schulabgänger in eine Hochschule gingen als in eine Berufsausbildung, seien Aktionen wie die „Talent-Scouts“, die zusätzlich junge Menschen an die Universitäten lockten, der falsche Weg.

Infrastruktur Thyssenkrupp in Duisburg bezieht 98 Prozent seiner Rohstoffe per Schiff. „Dazu gibt es keine Alternative, wie wir beim Niedrigwasser gesehen haben“, so Landers. Dass Straßen und Autobahnen ausgebaut werden müssten, sei klar: „Wir haben ein Jahrzehnt der Baustellen vor uns.“ Stadtwerke, Kommunen, Land und Bund müssten dabei künftig auf ein einheitliches Baustellenmanagement setzen. Dazu brauche es eine landesweite Software-Lösung. Zudem müsse es bessere Notfallpläne geben, wenn der Verkehrsfluss an einer Stelle verstopft ist. Dieselfahrverbote müssten unbedingt verhindert werden.

Energie Die Ergebnisse der Kohlekommission seien für eine Region mit hohem Energiebedarf und Steinkohlekraftwerken von Bedeutung. Allerdings lägen die Strompreise in Deutschland im EU-Vergleich am oberen Ende der Skala, hier gebe es keine Spielräume mehr.

Steuersenkungen Bei den Unternehmenssteuern liege Deutschland in der Spitzengruppe. „Deshalb brauchen wir eine Steuerreform, und zwar jetzt“, forderte Landers.

Brexit Schon jetzt habe der Austritt Großbritanniens aus der EU Wirkung gezeigt. Der Export nach Großbritannien sei 2018 NRW-weit um sechs Prozent zurückgegangen. Die Wirtschaft hoffe immer noch auf eine Lösung in letzter Minute.

Die Aufspaltung des Thyssenkrupp-Konzerns sieht Landers nicht als Gefahr für den Standort Duisburg an. „Der Standort ist einigermaßen sicher“, so der IHK-Präsident wörtlich. Es sei bedauerlich, dass der Sitz des mit Tata fusionierten Stahlriesens in Amsterdam sei. „Wir hätten es lieber gehabt, wenn er hier gewesen wäre. Aber davon wird der Standort nicht untergehen.“