Duisburg: Romantischer Klarinetten-Gipfel

Duisburg : Romantischer Klarinetten-Gipfel

Die Star-Klarinettistin Sabine Meyer spielte mit ihrem "Trio di Clarone" und dem estnischen Pianisten Kalle Randalu im jüngsten, sechsten Kammerkonzert in der gut gefüllten Philharmonie Mercatorhalle acht Werke der Romantik.

Seit 1983 feiert die ewig junge Sabine Meyer ihre Erfolge auch im "Trio di Clarone", zusammen mit ihrem Bruder Wolfgang Meyer und ihrem Ehemann Reiner Wehle. Vor allem die beiden Herren bedienen nicht nur die "normale" Klarinette, sondern auch das Bassetthorn, eine tiefere Form der Klarinette, die einst von Wolfgang Amadeus Mozart hoch geschätzt wurde und danach für längere Zeit in Vergessenheit geriet. Zum zweiten Mal nach 2011 (die RP berichtete) gastierte dieses Ensemble jetzt in einem Duisburger Kammerkonzert, zusammen mit dem estnischen Pianisten Kalle Randalu, der seit fast drei Jahrzehnten in Deutschland lebt.

Das Programm enthielt acht Werke, ausschließlich aus der Epoche der deutschen Romantik und fast symmetrisch angeordnet. Den äußeren Rahmen bildeten jene beiden gut gelaunten Konzertstücke für Klarinette, Bassetthorn und Klavier, die Felix Mendelssohn 1832/33 komponierte, das eine an einem Tag im Wettbewerb mit Vater und Sohn Baermann, den berühmtesten Klarinettisten ihrer Zeit, die gleichzeitig Dampfnudel und Rahmstrudel kochten.

Den inneren Rahmen bildeten zwei Solowerke mit Klavier, die Robert Schumann 1849 schuf. Das eine waren die "Romanzen" op. 94, original für Oboe, hier eben mit Klarinette, obwohl sich der Komponist ausdrücklich dagegen ausgesprochen hatte ("Wenn ich originaliter für Klarinette und Klavier komponiert hätte, würde es wohl etwas ganz anders geworden sein"), das andere die "Fantasiestücke" op. 73. In der Mitte, getrennt durch die Pause, gab es zwei besonders klangvolle Bearbeitungen für Klarinette, Bassetthorn und Klavier.

Die eine waren drei der Acht Stücke für Klarinette, Viola und Klavier op. 83 (1908/09) von Max Bruch, die andere vier der Sechs Kanonischen Studien für den Pedalflügel op. 56 (1845) von Schumann, arrangiert von Jost Michaels (1990). In dieser Fassung können Überschriften wie "Innig" oder "Mit innigem Ausdruck" noch besser umgesetzt werden. Der wieder mit treffend trockenem Humor moderierende Rainer Wehle, der ebenso wie seine Frau an der Lübecker Musikhochschule unterrichtet, merkte dazu an: "Wir haben immer Schwierigkeiten, ausländischen Studierenden zu erklären, was ,innig' bedeutet. Das ist offenbar ein spezifisch deutscher Ausdruck."

Meyer & Co. spielten hier im allerbesten Sinne routiniert, mit überwiegend überragender Intonation und Phrasierung. Das hatte höchstes Niveau und kam dem Geist der Romantik ziemlich nahe. Das Publikum war jedenfalls restlos begeistert.

Im nächsten, siebten Kammerkonzert am Sonntag, 26. März, um 19 Uhr, in der Philharmonie Mercatorhalle befassen sich der Pianist Evgeni Koroliov, seine Gattin Ljupka Hadzigeorgieva sowie seine Schüler Anna Vinnitskaya und Stepan Simonian mit Konzerten für ein bis vier Klaviere und Streicher von Johann Sebastian Bach. Den Orchesterpart übernehmen Mitglieder der Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Wolfram-Maria Märtig. Karten gibt es am einfachsten unter der Telefon-Nummer 0203 283 62 100.

(hod)
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