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Duisburg: Roma als Teil unserer Gesellschaft sehen

Duisburg : Roma als Teil unserer Gesellschaft sehen

Das Bundesjugendtreffen der Dachorganisation "Amaro Drom" der Sinti und Roma ging am Wochenende im Landschaftspark Nord über die Bühne. Sinti und Roma wollen als Teil unserer Gesellschaft wahrgenommen werden.

Während im Veranstaltungszelt die üblichen, wohlfeilen Politiker-Grußworte zuhauf gesprochen wurden, waren die Teilnehmer des Graffiti-Workshops noch bei der Arbeit. Auf einer Mauer vor dem Zelt wurde in den typischen Graffiti-Lettern der nicht zu übersehende Satz "Ist es schwer, ein Mensch zu sein?" auf den letzten Drücker noch farblich gestaltet. Mit dieser Frage thematisierten die Teilnehmer des 4. Bundesjugendtreffens der Dachorganisation "Amaro Drom" die Problematik, die Sinti und Roma als Angehörige einer ethnischen Minderheit immer noch sehr bedrückt.

Merfin Demir vom NRW-Landesverband "Terno Drom" und seine Mitstreiter möchten das verändern und durch ihre Arbeit junge Roma stärken und ihnen Selbstbewusstsein vermitteln. "Sinti und Roma sind seit 600 Jahren in Deutschland ansässig", erläuterte Mefin Demir und ergänzte: "Wir sind ein Teil dieser Gesellschaft und wollen auch so wahrgenommen werden." Dass das diesjährige Treffen in Duisburg stattfindet, sei kein Zufall, bestätigte der Geschäftsführer des NRW-Jugendverbandes.

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70.000 bis 200.000 Angehörige

Die öffentliche Diskussion um die Armutszuwanderung, auch von Roma, erzeuge ein einseitig-negatives und falsches Bild, bedauert Merfin Demir, ohne die aktuellen Probleme zu verharmlosen. Kein Verständnis hat der Roma- Funktionär für die jüngsten Medienauftritte von Bundesinnenminister Friedrich, der mit seinen Äußerungen die Vorurteile in der Bevölkerung noch befeuere. Die Volksgruppe der Sinti und Roma stammt ursprünglich aus dem Nordwesten Indiens. In Deutschland leben schätzungsweise 70.000 bis 200.000 Angehörige dieser ethnischen Gruppe. Seit dem Jahr 2006 gibt es mit "Amaro Drom", der auch Nicht-Roma angehören, eine offizielle Vertretung der in Deutschland lebenden jungen Roma.

Die jungen Angehörigen dieser Volksgruppe sollen ihre Herkunft nicht mehr länger verleugnen müssen, meint Merfin Demir. "Viele von uns sind in der Gesellschaft integriert", ergänzt der engagierte NRW-Geschäftsführer. Seit Freitag nehmen über 100 Jugendliche aus dem gesamten Bundesgebiet (eine Wiener Gruppe ist ebenfalls vor Ort) an dem Treffen in der Jugendherberge im Landschaftspark teil. Neben dem Gemeinschaftserlebnis gab es unterschiedliche Workshops, in denen verschiedene Themen behandelt wurden. Tanz-, Theater und Kunst-Workshops sowie politische Diskussionen und ein Film- und Kulturfest sorgten für ein umfangreiches Programmangebot.

"Roma sind wie eine Blume"

Die Ergebnisse der einzelnen Workshops wurden nach den Reden — unter anderen überbrachten NRW-Staatssekretärin Zülfiye Kaykin und Bürgermeister Ercan Kocalar die Grüße des Landes und der Stadt Duisburg — im Rahmen der öffentlichen Veranstaltung präsentiert. Merfin Demir beschrieb das Volk der Roma, das die "größte Minderheit in Europa sei" in seinem Schlusswort so: "Roma sind wie eine Blume; man kann uns zertreten, zerstören und verbrennen...wir blühen immer wieder von Neuem."

(RP)