Duisburg: Ringen um angemessene Würdigung

Duisburg: Ringen um angemessene Würdigung

Heinz Trökes, der nach Wilhelm Lehmbruck bedeutendste Duisburger Künstler, wurde am 15. August 1913 in Hamborn geboren. Sein 100. Geburtstag soll nicht spurlos in seiner Geburtsstadt verstreichen.

Eigentlich war nur ein Anlass nötig, um an Heinz Trökes zu erinnern. Der Anlass ist nun da: Der nach Wilhelm Lehmbruck bedeutendsten Duisburger Künstler hat einen runden Jahrestag. Am 15. August 1913 wurde Heinz Trökes, der am 22. April 1997 in Berlin starb, in Hamborn geboren. Und wie es sich gehört, gab es auch Pläne für eine Trökes-Ausstellung zu dessen 100. Geburtstag im Lehmbruck-Museum. Doch die finanziellen Schwierigkeiten im Lehmbruck-Museum, die letztlich dazu führten, dass am 21. Mai Museumsdirektor Raimund Stecker von einem Tag zum anderen durch Söke Dinkla abgelöst wurde (die RP berichtete), torpedierten die Ausstellungspläne. Für Manuel Trökes, den 1954 geborenen Sohn des Künstlers, der in Berlin auch das künstlerische Archiv seines Vaters verwaltet, war es eine große Enttäuschung, als ihm im Juni eine Ausstellungsabsage vom Lehmbruck-Museum erreichte. Ohne Ausstellungsetat und ohne entsprechende Vorbereitungen sah man dort keine Möglichkeit, eine Trökes-Werkschau zu realisieren.

Dieses hochformatige Ölgemälde mit religiösem Motiv (81 mal 49 cm) malte Trökes 1942. Damals war er Soldat. Foto: Lehmbruck-Museum

Doch mittlerweile scheint etwas Bewegung in die missliche Ausstellungssituation gekommen zu sein. Wohl auch wegen der entsprechenden Nachfrage von Seiten der RP. Zwar gibt es wohl keine Ausstellung zeitgenau zum 100. Geburtstag Trökes in Duisburg, wahrscheinlich aber noch eine in diesem Jahr. Dr. Söke Dinkla, die kommissarische Direktorin des Lehmbruck-Museums, und Dr. Claudia Schaefer, Geschäftsführerin der benachbarten cubus-Kunsthalle, verfolgen zurzeit die Idee einer Ausstellungskooperation, um Heinz Trökes trotz aller Schwierigkeiten eine angemessene Würdigung zukommen zu lassen. Auch Kulturdezernent Thomas Krützberg unterstützt, wie er gestern gegenüber der RP versicherte, diese Pläne.

Eine der 150 Druckgrafiken aus dem Museumsbesitz. Entstanden 1966, 40 mal 30 cm. Foto: Lehmbruck-Museum

Da das Lehmbruck-Museum wegen der groß-angelegten Renovierungsmaßnahmen räumlich sehr eingeschränkt ist, wird, so die Idee, ein Teil der Trökes-Werke auch in der cubus-Kunsthalle gezeigt. Die Trökes-Ausstellung ist dann an zwei Orten zu sehen, die nur wenige Schritte auseinanderliegen. Wichtig ist Manuel Trökes, dass das Lehmbruck-Museum der Ankerpunkt der Schau ist.

Heinz Trökes bei seinem letzten Besuch in Duisburg mit Oberbürgermeister Josef Krings. Foto: probst (archiv)

Dieser Standpunkt ist nachzuvollziehen, schließlich besitzt das Lehmbruck-Museum die größte Trökes-Sammlung überhaupt. Im Bestand befinden sich zwölf Ölgemälde, etwa 50 Zeichnungen und mehr als 150 Druckgrafiken. Dazu kommen sieben Mappenwerke beziehungsweise mappenähnliche Bücher. 1980 hat das Lehmbruck-Museum Heinz Trökes eine umfangreiche Einzelausstellung gewidmet. Trökes war mehrmals in seiner Geburtsstadt; zuletzt wohl 1993, als er aus Anlass seines 80. Geburtstages vom damaligen Oberbürgermeister Josef Krings mit der Mercator-Plakette geehrt wurde.

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Heinz Trökes gehört auch im internationalen Maßstab zu den bedeutenden Künstlern des 20. Jahrhunderts. Eine Retrospektive der Berliner Galerie Jörg Maaß zu Trökes hatte vor zwei Jahren den Titel "Wandlungen eines Reisenden". In der Tat reiste Trökes wie ein Globetrotter durch die Welt. Allerdings wie ein zielstrebiger Globetrotter. Bereits ein Jahr vor seinem Abitur in Duisburg besuchte er die Kunstgewerbeschule in Krefeld. Nach dem Abitur wurde er dann Schüler des schweizerischen Malers, Grafikers und Kunsttheoretikers Johannes Itten (1887—1967), der hierzulande besonders mit dem Weimarer Bauhaus in Verbindung gebracht wird. Von 1932 bis 1938 lehrte Itten aber in Krefeld.

Von 1936 bis 1938 arbeitete Trökes als Textilentwerfer in Augsburg. Später ging er dann nach Paris und nach Zürich. Der Zweite Weltkrieg holte ihn zurück. Trökes arbeitete nach dem Krieg als akademischer Lehrer und freier Künstler. Er heiratete 1949 Renata Severin, mit der er fortan viele Länder der Welt bereiste. Ab 1952 hatte die Trökes einen festen Wohnsitz auf Ibiza.

Trökes gewann bedeutende Kunstpreise, nahm an den ersten drei "documenta"-Ausstellungen in Kassel teil (1955, 1959 und 1964). Besonders nach den ersten Kriegsjahren malte Trökes surrealistisch, experimentierte aber noch stärker als die anderen großen Surrealisten mit seiner Formensprache. Neben Ölgemälden entstanden äußerst filigrane Zeichnungen, mal mit Kohle, mal mit Kugelschreiber. In späteren Jahren malte Trökes auch wieder stärker figürlich, wie schon zu seiner Frühzeit. Das Lehmbruck-Museum besitzt ein religiöses Gemälde Trökes aus dem Jahr 1942 ("Auferstehung").

Trökes war, wie sein Sohn berichtet, ein durchaus erfolgreicher Maler, der gut von seiner Kunst leben konnte. Nur die ersten Jahre auf Ibiza, wo es damals nur eine rudimentäre Infrastruktur gab, seien schwierig gewesen. — Heute werden Trökes-Werke auf dem Kunstmarkt ziemlich hoch gehandelt: Jüngst sind Gemälde Trökes im mittleren Format für 40 000 und 50 000 Euro verkauft worden. Das Lehmbruck-Museum besitzt größere Trökes-Gemälde, deren Kunstmarktwert gewiss noch darüber liegt.

(RP)
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