Rheinhausen: Triennale in der St.-Barbara-Kirche

Rheinhausen: Ehemalige Kirche wurde Triennale-Ort

„Vom Nutzen der Angst“ ist der Titel der Ausstellung, die im Rahmen der Ruhrtriennale in der Rheinhauser St. Barbara-Kirche gezeigt wird. In der Kirche finden seit sieben Jahren keine Gottesdienste mehr statt.

Dunkel grollen die Trommelwirbel, im Kontrast dazu schlagen zwei Frauen mit Hämmern auf einen Amboss. Später gehen sie schleppend durch den Kirchenraum und setzen mit schweren Eisenstangen rhythmische Akzente, während auf drei Leinwänden Bilder aus dem Ruhrgebiet und insbesondere aus Rheinhausen zu sehen sind. Die Leipziger No-Wave-Band YOR eröffnete mit einer Performance die Ausstellung „Vom Nutzen der Angst“ von Peggy Buth in der ehemaligen Kirche St. Barbara in Rheinhausen.

Die Performance griff zwei Lieder auf, die beim Arbeitskampf 1987/88 von dem Chor „Tor 1“ gesungen wurden: „Nachts nicht schlafen können“ und „Lied über die Hände“. Doch die zumindest in Rheinhausen noch immer bekannten Lieder wurden zerhackt, zerdehnt und Textzeilen beinahe endlos wiederholt. So wurde die Performance zur Erinnerung und gleichzeitig zu einer Auseinandersetzung mit dem Vergangenen.

Bei seiner Performance griff das Ensemble YOR auf Lieder der Arbeiterbewegung zurück. Die Künstler gingen zeitweise mit schweren Stangen durch die Reihen.

Die Ausstellung „Vom Nutzen der Angst“ ist eine Veranstaltung der Ruhrtriennale. Erstmals findet ein Projekt dieses Kulturfestivals in Rheinhausen statt, zudem an einen für das Ruhrgebiet symbolträchtigen Ort. Erbaut wurde die Barbara-Kirche 1964 auf einem ehemaligen Werks- und Zechengelände. Der letzte Gottesdienst fand 2011 dort statt. Daran erinnerte Thomas Krützberg, Kulturdezernent der Stadt Duisburg, bei der Ausstellungs-Eröffnung. Gleichzeitig forderte er dazu auf, über die Nachfolgenutzung des richtungsweisenden und inzwischen denkmalgeschützten Bauwerks zu diskutieren. „Wir sollten schnell in die Ideenfindung einsteigen.“ Dem Reiz der ehemaligen Kirche konnte sich auch die Triennale-Intendantin Stefanie Carp nicht entziehen. „Ich habe einen neuen Ort entdeckt“, betonte sie und machte damit ein wenig Hoffnung auf weitere Projekte. Die Arbeit von Peggy Buth halte den Zeitfluss an und richte den Blick zugleich nach hinten und nach vorn, gratulierte sie der Künstlerin. Sie befasse sich mit einer konkreten sozialen Situation dieser Region und nehme im eher an globalen Fragen orientierten Triennale-Programm 2018 einen Sonderstellung ein. Im Programm für 2020 werde sie solche regionalen Themen stärker betonen, kündigte die Intendantin an.

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Dr. Vera Battis-Reese, Geschäftsführerin der Kultur Ruhr GmbH würdigte die Arbeit von Peggy Buth als eine Auseinandersetzung mit lokalen Themen des Ruhrgebiets, die eine größere Perspektive eröffne. Britta Peters, künstlerische Leiterin der Institution „Urbane Künste Ruhr“, die die Ausstellung initiiert hat, machte darauf aufmerksam, dass das Projekt schon in der Entstehungsphase eine neue Öffentlichkeit nicht nur in Rheinhausen geschaffen habe.

Blick auf die ehemalige St. Barbara-Kirche in Rheinhausen, die heute als Kulturstätte genutzt wird. Foto: Peggy Mendel/Mendel, Peggy (peg)

Die Schau von Peggy Buth kann man sich von Dienstag bis Sonntag von 12-20 Uhr in St. Barbara (Klausstraße 1 in Rheinhausen) anschauen. Führungen finden jeweils Donnerstag und Samstag um 18 Uhr statt.

Die Ausstellung wird begleitet von einer Veranstaltungsreihe, die künstlerische Fragen ebenso diskutiert wie Architektur oder den Rückblick auf Aspekte des Arbeitskampfs. Infos im Netz: www.urbanekuensteruhr.de.

(gb)
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