Rheinhausen: Steegmann erinnert sich an Arbeitskampf

Rheinhausen : Ex-Betriebsrat: Ohne Arbeitskampf kein Logport

Für Theo Steegmann ging es bei den Aktionen der Belegschaft auch um die Region mit ihrer hohen Arbeitslosigkeit

(mo) Die endgültige Stilllegung der Krupp-Hütte vor 25 Jahren – war sie eine Niederlage für die Mitarbeiter, für Betriebsräte, Gewerkschafter und die vielen Mitstreiter in den 160 Tagen des Arbeitskampfes und darüber hinaus? „Nein“, sagt Theo Steegmann, gelernter Hüttenfacharbeiter, 1981 in den Krupp-Betriebsrat gewählt und einer der prägenden Gestalten beim langen und öffentlichkeitswirksamen Ringen um den Erhalt des Rheinhauser Werks.

Und er hat auch diverse Gründe für sein „Nein“. Statt schon 1988 wie vom Krupp-Vorstand um Gerhard Cromme geplant, habe man erst 1993 das Werk geschlossen. Das sei ein Erfolg gewesen. „Wir haben fünf Jahre gewonnen“, sagt er. 1993 waren „nur“ noch 2500 Mitarbeiter im Werk, keinem Kruppianer wurde gekündigt.

Und man sei erfolgreich für die Region gewesen, in der es damals 17 Prozent Arbeitslosigkeit gegeben habe. Der Freihafen im Ruhrorter Hafenteil sei eingerichtet worden, 250 Millionen Euro habe es für die Sanierung des Hüttengeländes gegeben, Logport lockte schon bald die ersten Logistikunternehmen aufs frühere Krupp-Gelände. Theo Steegmann: Das wäre ohne den Arbeitskampf nicht möglich gewesen.“ Erst das Engagement von Beschäftigten und Bürgern habe die Politik bewegt, sich mit dem Thema Rheinhausen zu befassen. Inzwischen spricht die Duisburger Hafengesellschaft von fast 7000 Arbeitsplätzen, die durch die Logport-Flächen entstanden sind. Der größte Teil auf Logport 1 in Rheinhausen, dessen Auf- und Ausbau vor 20 Jahren begonnen hat.

Steegmann wurde Chef einer Qualifizierungsgesellschaft, die beim Abriss der Hütte mitwirkte, später Leiter der Ausbildung bei Krupp-Nirosta, und machte einen Abschluss als Diplom-Pädagoge an der Uni. Krupp bleibt er verbunden, arbeitet an einem „Freien Archiv“ rund um das frühere Werk und hat dabei nicht nur die Vergangenheit im Blick, sondern auch die Zukunft. Eine Generation ohne eigene Krisenerfahrung könne aus der Geschichte des Widerstands gegen Konzernpläne lernen. Auch türkischstämmige Schüler sollen von den Erfahrungen türkischer Ex-Kruppianer profitieren können.

(mo)