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Duisburg: Rheingold auf dem Rhein war Gold wert

Duisburg : Rheingold auf dem Rhein war Gold wert

Das niederländische Wagnerprojekt gastierte mit seinem Opernschiff auf der Mercatorinsel in Ruhrort. Das Publikum im ausverkauften Schiffsbauch wurde Zeuge einer musikalischen Spitzenleistung.

In diesem Jahr scheint sich niemand dem Werk Richard Wagners entziehen zu können. Es ist schließlich ein Wagner Jahr. Der Komponist wurde vor 200 Jahren geboren. Außergewöhnliche Projekte gibt es zuhauf, doch vom wohl spektakulärsten konnten sich rund 500 Zuschauer am vergangenen Freitag auf dem Rheinschiff M.S.V. Oriana überzeugen. Initiator des Projekts ist das Utrechtsch Studenten Concert (USConcert), das in diesem Jahr und mit diesem Projekt sein 190-jähriges Bestehen feiert.

 Sowohl musikalisch als auch schauspielerisch konnte das Ensemble überzeugen. Ein Extralob verdient Anthony Heidweiller als Alberich (l.)
Sowohl musikalisch als auch schauspielerisch konnte das Ensemble überzeugen. Ein Extralob verdient Anthony Heidweiller als Alberich (l.) Foto: NN

Das älteste Sinfonieorchester der Niederlande ließ das Schiff zu einem funktionstüchtigen Opernhaus umbauen und präsentierte Wagners Oper "Das Rheingold", den ersten und kürzesten Teil von "Der Ring des Nibelungen" in einer Inszenierung von Wim Trompert. Die Eröffnung des 16-stündigen Mammutwerkes passte namentlich in doppelter Hinsicht auf das Opernschiff. Der erste Teil des Namens "Rheingold" war dank des Liegeplatzes nahe der Rheinorange sowieso erfüllt, vor allem aber war auch die Vorstellung selber Gold wert.

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Die Oper für 14 Darsteller und ein großes Sinfonieorchester handelt von Themen, die ebenso brisant wie zeitlos sind. Der Nibelung Alberich entsagt der Liebe um einen Ring zu erlangen, der ihm Macht über andere verleiht. Gott Wotan hat sich von den Riesen Fasolt und Fafner "auf Pump" die Götterburg Walhall erbauen lassen und muss mit ansehen, wie die beiden seine Schwägerin Freia als Pfand mitnehmen. Blöd gelaufen, stellt Wotan fest, denn Freia sorgt für die ewige Jugend der Götter. So macht sich Wotan auf Anraten seines janusköpfigen Beraters Loge auf den Weg, Alberich sein, mit Sklavenarbeit angehäuftes, Gold abzujagen und die Riesen zu bezahlen. Doch auch der Gott, und ebenso später die beiden Riesen, erliegt der Verlockung der Macht des Ringes.

Nachdem die drei Rheintöchter mit ihren klaren Sopranstimmen die Oper eröffnet hatten, hatte sich das Publikum an die ungewöhnliche, aber nicht untaugliche Akustik im stählernen Schiffsbauch gewöhnt. Bereits bei seinem ersten Auftritt als Alberich zeigte Anthony Heidweiller sein Talent. Ganz abgesehen von dem hervorragenden Gesang des Baritons erwies sich auch Heidweillers Schauspieltalent als erstklassig. Sein Alberich war gleichzeitig ein liebesbedürftiger Zwerg, der den Zuschauern einfach leidtun musste, und ein machtbesessener Tyrann, der für seine Herrschaft sogar der Liebe abschwor. Zusammen mit Nanco de Vries als Hauptgott Wotan und Marcel Reijans brillantem Loge war Anthony Heidweiller der stärkste der 14 beeindruckenden Darsteller.

Immer präsent blieb während der Aufführung die außergewöhnliche Beschaffenheit des Aufführungsortes. Requisiten glitten auf Verladeschienen durch das Orchester auf die Bühne, die Musiker imitierten mit Hammerschlägen auf den Schiffsrumpf Alberichs Schmiede und Wotan trieb auf einem Schwimmreifen durch den Bühnen-Pool. Präsent war auch das USConcert zu jederzeit, allerdings ohne zu dominant zu werden.

Der musikalische Kraftakt wurde von Dirigent Bas Pollard schwungvoll und unkompliziert geleitet. Besonders beeindruckend war das Zusammenspiel der Bläser- und Streichersätze. Mal scheinbar unabhängig voneinander und dann wieder in perfekter Harmonie ließen die jungen Musiker nicht nur die Schauplätze, sondern selbst Emotionen wie Alberichs Wut musikalisch zum Leben erwachen. Die oft vertrackten, aber stets in konsonanten Harmonien aufgelösten, Kadenzen beherrschte das Orchester ebenso wie die sanften Rezitativ-Begleitungen. Ganz Wagner-typisch stachen die tiefen Blechbläser hervor. Sie stellten Wagners unvergleichliches Talent zur Schau, Bläsersätze zu komponieren, die fern jeden Kitsches so imposant klingen, dass den Hörer ein erhabenes Gefühl beschleicht. Wirklich meisterlich klang besonders "Zur Burg die Brücke führt" mit seinem breit gespielten, hymnenartigen Bläserthema.

So war "Rheingold auf dem Rhein" viel mehr als nur ein Event, das auf Effekthascherei setzt. Die musikalische Brillanz der Sänger und vor allem des Orchesters überzeugte das Publikum auch auf künstlerischer Ebene. "Beeindruckend" befand auch Miriam Mengoni. Die Studentin war extra aus Bonn angereist, angelockt vom ungewöhnlichen Aufführungsort. "Musikalisch war die Aufführung aber mindestens genauso beeindruckend", erklärte sie nach dem Finale.

(RP)