Serie 25 Jahre Krupp-Arbeitskampf: Revolution der Rheinhauser Frauen

Serie 25 Jahre Krupp-Arbeitskampf : Revolution der Rheinhauser Frauen

Nicht nur die Kruppianer gingen während des Arbeitskampfes auf die Straße. Tausende Frauen zeigten sich ebenfalls solidarisch. Mit Ingrid Lenders und Sigrid Kleer gastierten jetzt zwei Mitglieder der Fraueninitiative in der RP-Redaktion.

Nicht nur die Kruppianer gingen während des Arbeitskampfes auf die Straße. Tausende Frauen zeigten sich ebenfalls solidarisch. Mit Ingrid Lenders und Sigrid Kleer gastierten jetzt zwei Mitglieder der Fraueninitiative in der RP-Redaktion.

Engagierte Frauen: Auch die weiblichen Rheinhauser setzten sich für den Erhalt des Hüttenwerkes ein. Ingrid Lenders (ganz rechts) demonstrierte mit. Foto: Lenders

Rheinhausen Der Arbeitskampf hat ihr Leben verändert. So viel steht fest. Die Rheinhauser Frauen haben sich während der bewegten Wochen mit Siebenmeilenstiefeln in Richtung Emanzipation und Selbstständigkeit bewegt. Eine Art Revolution kam ins Rollen. Bei Ingrid Lenders war es nicht anders. "Ich bin damals quasi aus meinem Dornröschenschlaf erwacht. Vorher war ich nur Hausfrau und Mutter", erinnert sie sich. Siegrid Kleer empfindet ähnlich. "Wenn der Arbeitskampf nicht gewesen wäre, hätte ich nie daran gedacht, wieder arbeiten zu gehen", sagt die Friseur-Meisterin. Lenders und Kleer waren fester Bestandteil der Krupp'schen Fraueninitiative. Das Duo steht sinnbildlich für die damalige Frauenbewegung.

Viele Rheinhauserinnen wie Lenders und Kleer haben sich damals erheblich gewandelt. "Der Arbeitskampf hat mich umgekrempelt. Ich bin ein neuer Mensch geworden", bilanziert Lenders. Noch vor den Protestaktionen drehte sich das Leben der 61-Jährigen ausschließlich um Ehemann, Tochter und Pflegekinder. Das sollte sich ändern. Sie ging auf die Straße, protestierte, war aktiv. "Es war ganz selbstverständlich, mitzuhelfen. Es ging um Tausende Arbeitsplätze und die Zukunft der Stadt", äußert sich die stolze Großmutter über den Startschuss zu ihrem heute noch sehr fleißigen Engagement in der Stadt.

Auch Sigrid Kleer musste nicht lange nachdenken, bevor sie mit protestierte, obwohl ihr Mann – anders als bei Familie Lenders – kein Kruppianer war. "Es gab damals kein Halten mehr, sich zu engagieren. Das Wort Solidarität ging jeden an", erläutert die 69-Jährige, deren Gatte damals Bezirksvorsteher war und sich ebenfalls solidarisch zeigte. Die beiden Aktivistinnen lernten sich 1987 während des Arbeitskampfes kennen und schätzen.

Als Geburtsstunde der Fraueninitiative gilt der 3. Dezember 1987. Aletta Eßer war gewissermaßen die Frontfrau. "Unsere Lokomotive", nennen sie Lenders und Kleer liebevoll. Eßer nahm auch an jenem Tag in der Menage das Heft in die Hand und startete einen Aufruf. Die Initiative war geboren.

Die beiden Frauen sehen die damalige Zeit mit gemischten Gefühlen. "Es war so viel Euphorie zu spüren, alles bewegte sich. Ich habe nie daran gezweifelt, dass wir es nicht schaffen", denkt Kleer an schöne Momente zurück und hebt dabei den beachtlichen Zusammenhalt der Rheinhauser Bürger hervor.

Da ist aber auch noch diese andere Seite. "Das Ende des Kampfes war schockierend. Ich habe viele unschöne Dinge erlebt, die mich fassungslos gemacht haben", ringt die Friseurin um Fassung. Die unschönen Erlebnisse beziehen sich nicht nur auf die Schließung des Hüttenwerks, sondern auch auf persönliche Konflikte innerhalb der Fraueninitiative. Lenders erwähnt ebenfalls "Unschönes", bleibt aber allgemein. Ins Detail möchte das Duo nicht gehen. Sie haben ihre Gründe.

Auch wenn der Arbeitskampf einen wichtigen Teil ihres Leben einnimmt, hat Kleer einen Strich unter die damalige Zeit gezogen: "Ich habe inzwischen damit abgeschlossen." Bei Lenders ist es nicht ganz so endgültig, doch auch sie hat ihren Frieden mit dem verlorenen Arbeitskampf geschlossen. Trotz der schmerzhaften Niederlage sind Sigrid Kleer und Ingrid Lenders Musterbeispiele für die Entwicklung vieler Rheinhauser Frauen.

(RP)