Duisburg: Rentner aus Serm auf großer Reise

Duisburg : Rentner aus Serm auf großer Reise

Drei Monate lang kurvten zwei Sermer durch Australien. Ihre Erlebnisse gibt's als E-Book: Sie wollen anderen Senioren Mut machen, selbst auf große Tour zu gehen,

Wenn nicht jetzt, wann dann? Das sagten sich Christa und Robert Späh, als sie - kurz nach ihrer Pensionierung - den ersten Flug nach Japan buchten. Mittlerweile sind sie 72 und 74 Jahre alt und vor nicht allzu langer Zeit drei Monate im Wohnmobil durch Australien gekurvt.

Zwölf Wochen auf sechs Quadratmetern - das hält nicht jede Beziehung aus. Die von Christa und Robert Späh schon. "Man muss tolerant sein und Humor haben. Dann macht so ein Campingurlaub Spaß", sagt Ehefrau Christa. "Und vielleicht ein bisschen verrückt sein", ergänzt Robert, mit dem sie seit 48 Jahren verheiratet ist. Die beiden sind am 6. Dezember von Düsseldorf über Dubai ins australische Perth geflogen, reine Flugzeit 17 Stunden.

In der Stadt im australischen Westen haben sie ihr Wohnmobil - ein kompaktes Modell auf Basis eines Ford-Transit - übernommen und sind losgefahren, von Perth nach Adelaide, 10 000 Kilometer insgesamt. Zunächst hat Christa ihrem Ehemann das Steuer überlassen. "Das große Auto und dann noch Linksverkehr, da wollte ich erst mal gucken, wie es läuft." Später dann haben sich die Spähs abgewechselt mit dem Fahren. Allein die Strecke durch die Wüste Nullabor beträgt 1000 Kilometer. "Kein Baum, kein gar nichts. Da muss man aufpassen, dass man nicht unaufmerksam wird", so Robert Späh, der früher als Elektro-Ingenieur arbeitete. Deshalb warnen dort überall Schilder: "Drowsy Drivers die" - schläfrige Fahrer leben gefährlich. Christa Späh schwärmt von der Tierwelt: Kängurus, Koalas, Wombats. Die Kängurus waren teilweise so zutraulich, dass sie den Eheleuten auf dem Campingplatz beim Frühstück Gesellschaft leisteten. Dementsprechend nannte Christa Späh ihre Reiseerinnerungen "Die Tür mach' zu, mein Känguru". Die Sermerin hat ein Tagebuch geführt, die witzigsten Erinnerungen daraus hat ihr Mann kopiert, bebildert und zu einem Buch zusammengefasst. Dieses Werk kursiert im großen Freundeskreis der beiden und ist auch als E-Book bei Amazon herunterzuladen. Der Besuch auf der Wombat-Auffangstation, die Weihnachtsparty am Strand, Pink Lake, der Salzsee mit den rosa Algen - die Sermer haben viel erlebt. "Am besten hat mir gefallen, dass die Australier so locker sind. Da können wir uns eine Scheibe abschneiden", meint Robert Späh.

Der eigentliche Urlaub fand in Esperance statt: zweieinhalb Wochen faulenzen an einem wunderschönen Strand. Ansonsten sei eine solche Reise zwar interessant, aber auch anstrengend. "Es ist erstaunlich, wie wenig man braucht", wundert sich Christa Späh noch heute. Drei Shorts, ein paar Shirts, das reichte, schließlich herrschten hochsommerliche Temperaturen auf der südlichen Erdhalbkugel. Die schmutzige Wäsche kam auf den Campingplätzen in die Waschmaschine - und fertig. Gespült wurde per Hand. "Das war wichtig, denn Spülküchen sind Kommunikationszentren auf Campings, da kommt man ins Gespräch", sagt Robert Späh. Mit ihren Erinnerungen in Buchform wollen die Sermer andere Gleichaltrige ermuntern, auch den Schritt in die weite Welt zu wagen.

(RP)
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