Duisburg Reise in die Vergangenheit

Duisburg · Stadtarchäologe Dr. Volker Herrmann wusste bei einer kulturhistorischen Wanderung durch Friemersheim viele interessante Dinge über die wechselvolle Geschichte des Ortsteils zu erzählen.

 Volker Herrmann

Volker Herrmann

Foto: apr

Friemersheim In Friemersheim hat aller Wahrscheinlichkeit nach mal Kaiser Karl der Große gefrühstückt. Und mit ihm einige hundert, vielleicht sogar tausend Gefolgsleute. Solche und weitere spannende geschichtliche Fakten präsentierte Stadtarchäologe Dr. Volker Herrmann etwa 60 interessierten Bürgern bei einer archäologischen Führung durch Friemersheim.

 Rund 60 Männer und Frauen nahmen am Dienstagabend an der geführten Wanderung teil.

Rund 60 Männer und Frauen nahmen am Dienstagabend an der geführten Wanderung teil.

Foto: Andreas Probst

Eingeladen hatte er auf diese Reise in die Vergangenheit anlässlich der Duisburger Umwelttage, denn über die Jahrhunderte wurden die Geschicke der Friemersheimer immer ganz besonders vom Klima bestimmt. "So idyllisch es hier aussieht: Das ist ein Momentanzustand. Durch neue Technik konnten wir Flächen erschließen, die früher niemals bebaut worden wären. Vieles, was heute den Rhein bestimmt, ist künstlich gemacht", erklärte Herrmann.

Kultur- und Klimageschichte gehören für ihn eng zusammen. Über die Jahrhunderte hat der Rhein sein Bett immer wieder verlagert und floss lange Zeit an Friemersheim vorbei, machte den Ort und den Werthschenhof sogar über Zeiten zu Inseln. "Vom 8. bis ins 10. Jahrhundert kam man per Schiff von Friemersheim bis ins Schwarze Meer", so der Stadtarchäologe.

"Flucht auf die Kuppen"

Hochwasser, so Hermann, sei tagtägliches Leid im 19. Jahrhundert gewesen. Ortsnamen wie Bergheim oder Hochemmerich seien noch heute Belege für die "Flucht auf die Kuppen". Doch der Standort am Wasser war natürlich auch damals schon enorm wichtig. Friemersheim, so Herrmann, habe wegen der Lage am Rhein im Mittelalter eine wichtige Rolle gespielt, bedeuteten Häfen doch zugleich auch immer Reichtum durch Handel und Zölle.

Sogar Kaiser Karl der Große soll Friemersheim den ein oder anderen Besuch abgestattet haben. Nach dem Motto "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" bereiste er seine Städte und fuhr dabei den Rhein rauf und runter – oft mit mehreren hundert, manchmal sogar tausend Personen im Gefolge. "Friemersheim war prädestiniert für Stopps auf der Strecke von Köln nach Nijmegen", so Herrmann. Aufgrund von Ausgrabungen, die monumentale Bauten freilegten, werde auch spekuliert, ob vielleicht sogar einmal eine größere Anzahl Soldaten in Friemersheim stationiert waren.

Insgesamt, so der Experte, sei für Historiker die genaue Rekonstruktion der Geschichte Friemersheims auch aufgrund der klimatischen Veränderungen schwierig, habe der Rhein doch durch seine Verlagerungen immer wieder Erdschichten mit historischem Wert weggespült. Generell müsse man immer vorsichtig sein mit der Einschätzung. "Auch wenn man bei Ausgrabungen nichts findet, heißt das nicht: Da war auch nie etwas."

(son)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort