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Reform in der Pflegeausbildung: Duisburger Krankenpflegeschüler skeptisch

Was angehende Krankenpfleger befürchten : Sorge um Reform der Pflegeausbildung

Die künftige gemeinsame Ausbildungsgang von Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflegern stößt bei der Krankenpflegeschule in Fahrn auf Skepsis.

Für Christian Riederer-Romanus ist die Sache klar: Der Krankenpflegeschüler hat für sich genau den richtigen Beruf gefunden und wirbt gerne dafür: „Es geht nicht nur ums Waschen und irgendwelche Körperflüssigkeiten. Wir sind weit mehr im medizinischen Bereich tätig, als allgemein angenommen wird.“ Und das ist genau das, was er und seine Mitschüler an der Krankenpflegeschule auch wollen. Das wurde beim Besuch der Dinslakener Bundestagsabgeordneten Sabine Weiss (CDU) und des Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, sehr deutlich.

Gerade deshalb ist bei den Krankenpflegeschülern die Befürchtung zu spüren, dass die Qualität der Ausbildung leidet, wenn es künftig einen gemeinsamen Ausbildungsgang von Altenpflegern, Kinderkrankenpflegern und Krankenpflegern gehen soll. Einige von von Riederer-Romanus’ Mitstreiterinnen haben nämlich zuvor bereits Erfahrungen in der Altenpflege machen können und sind nun sehr sicher, in diesem Bereich lieber nicht tätig sein zu wollen. „Ich habe ein Freiwilliges Soziales Jahr beim DRK gemacht und wollte schon immer im sozialen Bereich arbeiten“, berichtete eine Krankenpflegeschülerin. Es sei eine „sehr gute Entscheidung“ gewesen, nun in Fahrn angefangen zu haben. Ähnlich sah dies eine andere Mitstreiterin, der ein Medizin-Studium zunächst „ein zu großer Schritt“ ist. „Deshalb wollte ich erst einmal eine Ausbildung machen.“ Christian Riederer-Romanus hatte zunächst ein Psychologie-Studium begonnen, dann aber abgebrochen: „Mir fehlte das Medizinische.“

Westerfellhaus warb für die Reform der Pflegeausbildung mit einem „generalistischen“ Ansatz. Wer künftig die dreijährige Ausbildung absolviert habe, den erwarte künftig ein Berufsbild mit mehr Verantwortung, mehr Kompetenzen und selbstständiger Ausübung von Heiltätigkeiten. Künftig sei dann auch die interationale Anerkennung des Ausbildungsberufs kein Problem mehr, was insbesondere für Pfleger in grenznahen Bereichen von Bedeutung sei. Außerdem werde nun verbindlich und klar geregelt, was Pflegefachkräfte eigentlich genau tun dürfen und was nicht. Zurzeit werde noch an Details des neuen Ausbildungsganges gefeilt. Die „generalistische“ Ausbildung soll im kommenden Jahr beginnen.

Sabine Weiss, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, hatte zuvor eine andere Einrichtung besucht und mit Angehörigen und Pflegebedürftigen und Pflegekräften gesprochen. In Fahrn wollte sie wissen, was die Krankenpflegeschüler bewegt. Die zeigten sich durchweg sehr zufrieden mit ihrer Ausbildung, verwiesen aber auf gravierende Unterschiede zur Altenpflege und ihre Befürchtung, es könne zu einer Absenkung des Ausbildungsniveaus kommen.

Helmut Topel dürfte es sehr gefreut haben, wie lobend sich die Schüler über die Arbeit der Krankenpflegeschule äußerten. Die Reform der Pflegeausbildung sieht er als Herausforderung an: „Wir werden das Beste daraus machen“, versprach er. Er verwies auch auf die Pflegemessen, die die Krankenpflegeschule ausrichtet: „Da kommen jedes mal rund 700 Schüler.“ Der Fachkräftemangel bei der Krankenpflege ist wohl auch ein demographisches Problem und hat weniger mit der Attraktivität des Berufes zu tun.