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Duisburg: Rauher Sportler mit sensibler Seite

Duisburg : Rauher Sportler mit sensibler Seite

Heute jährt sich die Tragödie des 11. Septembers zum siebten Mal. Erneut werden die Hinterbliebenen der Menschen an jenen denkwürdigen Tag im Jahr 2001 erinnert, als Terroristen ihre Liebsten aus dem Leben rissen. Heute erscheint Steffen Kerskens zweites Buch.

Dass die Veröffentlichung zeitgleich stattfinde, sei nicht beabsichtigt gewesen, versichert der Rheinhauser Autor. Tragischer Verlust ist auch Gegenstand von Steffen Kerskens Leben und schriftstellerischem Schaffen.

Durch einen Schicksalsschlag fand der 29-Jährige zum Schreiben. In seinem 2003 erschienen Debüt "Verschlossene Welt" verarbeitete Kersken den frühen Tod seiner Mutter. Als sie von ihm ging, war der Spross einer Handballer-Familie gerade zehn Jahre alt. "Damals habe ich das Ereignis nicht verarbeiten können", erzählt er offen. Erst später, mit Anfang zwanzig, habe er in der Schriftstellerei einen Weg gefunden, um mit dem Erlebten umzugehen.

War sein Erstlingswerk "Verschlossene Welt" noch ein schmerzhafter und von düsterer Stimmung geprägter Abschluss mit dem Verlust, so kommt sein neues Buch "Mondlichttänzer" heller und freundlicher daher.

Geschichten, die das Leben schrieb

"Ich habe meinen inneren Frieden mit Gott gefunden", sagt der in Oestrum lebende Schriftsteller. Das Leben sei nicht schwarz und weiß, sondern eine Vermischung schöner und besonderer Erlebnisse. An diesen Geschichten, die das Leben schrieb, lässt Kersken den Leser auf 136 Seiten teilhaben. Verpackt in aneinander gereihte Geschichten und Gedichte, führt er ihn durch seine niederrheinische Heimat.

Seine Beobachtungen sind mal lustig oder an der Grenze zur Realsatire: Zum Beispiel Hannes aus Essenberg, der eigentlich aus Nettelstedt kommt, aber geflohen sei, "wegen den großen Bombern". Viel geschafft habe er in fünfzig Jahren: Kinder, Haus, Garten mit Blumen, "die von den Kindern zertrampelt werden" und "jetzt sitzt er da und schreibt mit zittrigen Fingern, einen hat er sich an der Kreissäge abgesäbelt, sein Testament".

Aber auch Ernstes ist dabei, wie das 36-Verse umfassenden Gedicht, "Kleiner Vogel", mit dem der aktive Handballspieler des VfL-Rheinhausen in seinem neuen Werk Abschied von einem 2003 verstorbenen Spielerkollegen nimmt. Es handelt vom schmerzlichen Verlust, der Verzweiflung, aber auch dem Aufbruch in ein neues Leben. Für das Gedicht, dass erst jetzt veröffentlicht wird, erhielt Steffen Kersken bereits 2005 den Berliner Literatur-Nachwuchspreis.

Das Buch "Mondlichttänzer — Leben und Geschichten vom Niederrhein" kostet 12 Euro und ist erhältlich im Internet unter www.book-on-demand.de.

(RP)