Duisburg: Rasende Rikschafahrten

Duisburg: Rasende Rikschafahrten

Zu Fuß von Duisburg bis nach Süditalien: Der Rheinhauser Volkram Anton Scharf (1906-1987) war ein leidenschaftlicher Reisender, ganz besonders in den 1920er und 30er Jahren. Heute erinnern zahlreiche Aquarelle an seinen Marsch über die Alpen und an Reisen weit über den Horizont der europäischen Gebirgswelt hinaus. In Gedanken, Fantasie und Erinnerung wandern wir an seiner Seite: Ab morgen zeigt die Stiftung Wilhelm Lehmbruck die Reisebilder des Oestrumer Malers in der Galerie Rheinhausen (Bezirksbibliothek).

Streng chronologisch geht es zu bei dieser Reise in Aquarell. Beginnend mit seinem Fußmarsch nach Italien, den der Maler 1927 unternahm, taucht der Betrachter in trockene, karstige Mittelmeerlandschaften. „Er war ein ausgezeichneter Aquarellmaler, ein Landschaftsmaler mit ausgeprägten Stärken. Da ist richtig Leben im Meer, im Wasser in den Wolken“, sagt die Kuratorin der Ausstellung, Katharina Barbara Lepper. Nach einem Ausflug nach New York, wir lassen die strahlenden Kreidefelsen von Dover vor aufgewühlter See rechts liegen, wird schnell deutlich, wovon der Rheinhauser besonders fasziniert war: Seine Schiffsreise in den fernen Osten kurz vor Ausbruch des Krieges. Rasende Rikschafahrten, chinesische Dschunken, elegante Japanerinnen in traditionellem Gewand, leuchtende Orchideen geben Einblicke in den fernen Osten der 1930er Jahre.

Doch plötzlich: Ein Kornspeicher, Kräne und Kohlehalden dicht gedrängt an den Ufern enger Hafenbecken. Kein Zweifel: Wir sind wieder in Duisburg, der Heimat von Volkram Anton Scharf. In dieser rastlosen Zeit seines Schaffens waren die Objekte noch deutlich, die Konturen scharf. „Doch auch hier lässt sich schon sein Hang zum Abstrakten erkennen“, sagt Rainer Schmidt von der Bezirksbibliothek. Vielleicht ist es dieser Hauch von Abstraktion, was den Reisebildern ihre besondere Atmosphäre gibt.

1906 in Duisburg geboren, entwickelte Scharf schon früh Interesse an Musik, Literatur und Theater. Er ließ sich zum Kunstmaler und Bühnenbildner ausbilden, 1928 folgte ein Studium an der Akademie Düsseldorf. Seine rege Reiseleidenschaft prägte die Zeit, bevor er den Krieg als Wehrmachtssoldat in Österreich und bei diversen Fronteinsätzen verbrachte. 1947 ließ er sich mit seiner Familie in Oestrum nieder. Seitdem lebte und arbeitete Scharf in Rheinhausen. „Volkram Anton Scharf war immer sehr wichtig für diesen Stadtteil“, betont Katharina Barbara Lepper. Schon sehr früh nach dem Krieg bereicherte er die Rheinhauser Kultur mit der Organisation von Vorträgen, Ausstellungen und Konzerten. 1987 starb Volkram Anton Scharf nach schwerer Krankheit.

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Jetzt können die Rheinhauser ihren Maler noch einmal erleben. „Seine Kunst lebt nur dann, wenn sie unter Menschen ist“, sagt Scharfs Tochter, Iduna Schnepf. Und hofft damit auf reges Interesse an den Reisebildern ihres Vaters.

Die Vernissage zur Ausstellung „Reisebilder“ mit Bildern von Volkram Anton Scharf findet am 31. August um 19.30 Uhr in der Bezirksbibliothek an der Händelstraße statt. Kuratorin Katharina Barbara Lepper führt ins Werk des Künstlers ein. Die Ausstellung dauert bis zum 6. Oktober.

(RP)
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