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Duisburg: Raketen kommen erst heute

Duisburg : Raketen kommen erst heute

Seit gestern morgen bauen Feuerwerker Sascha Tietze und seine Mitarbeiter die Abschussrampen für das Höhenfeuerwerk "Ruhrort in Flammen" auf der Friedrich-Ebert-Brücke auf. Mit Schwarzpulver gefüllte Feuerwerkskörper werden wie "rohe Eier" behandelt.

Wenn Sascha Tietze seinen Kollegen heute um 23 Uhr sein "Gut Schuss" zuruft, ist alles in trockenen Tüchern, will sagen, alle Raketen harren in ihren Abschussrampen darauf, gezündet zu werden. Das halbstündige, musiksynchrone Höhenfeuerwerk zum Start des Ruhrorter Hafenfestes braucht fast zwei Tage Vorbereitungszeit. Als gestern Morgen die Warnbaken auf der rechten Fahrbahnseite der Friedrich-Ebert-Brücke Richtung Homberg aufgestellt wurden, da mag mancher Autofahrer gestöhnt haben: "Schon wieder Brückenbauarbeiten!" Weit gefehlt diesmal, morgen sind die Baken schon wieder weg. Sie wurden aufgestellt, damit das Feuerwerk ein richtiges Höhenfeuerwerker wird, und dafür müssen Abschussrampen auf der Fahrbahn aufgestellt werden.

Wohlverwahrt im Bunker

Alle 50 bis 70 Meter markiert Tietze nach "Einrichten der Baustelle" am Fahrbahnrand mit einem Kreis die Stelle, wo er später mit seinen vier Mitarbeitern die Abschussgestelle montieren wird. Für den Wasserfall, der 90 Sekunden lang silberfarben auf der Nordseite der Brücke in den Rhein stürzt, sind derweil schon Schnüre und Flatterbänder montiert. An diese Schnüre wird die Pyrotechnik des Wasserfalls angeknüpft. Die Raketen mit einem Durchmesser von bis zu 200 Meter, die bis zu 300 Meter in den nächtlichen Himmel steigen, werden erst heute mitgebracht. Sie lagern wohlverwahrt in einem Bunker im Münsterland. "Eine nähere Ortsangabe mache ich nicht", sagt gestern Sascha Tietze vom elterlichen Betrieb "Feuerwerk ohne Grenzen". Damit sie nicht gestohlen und missbraucht werden. Tietze erinnert sich an eine Geschichte, als er aus Libyen angerufen und eine "Große Ladung" Feuerwerksköper geordert wurde. Als er die Botschaft einschalten wollte, hatte sich die Geschichte schnell erledigt.

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Überhaupt sind solch große Feuerwerkskörper, wie sie heute Abend abgeschossen werden, mit Vorsicht zu behandeln. Tietze: "Immerhin sind sie mit Schwarzpulver gefüllt und das ist reibungsempfindlich!"

Bis 50 Meter pro Sekunde

Dass die Raketen und "Bomben", die Sekunden nach der Zündung nur noch Rauch und Asche sind, im ursprünglichen Zustand wie rohe Eier zu behandeln sind, wissen die Mitarbeiter des Feuerwerkers. Mit 15 Mann gehen sie heute ans Werk, füllen die miteinander verkabelten Abschussrampen mit den Produkten aus China, Italien und Deutschland. Mit Geschwindigkeiten von 30 bis 50 Metern pro Sekunde schießen aus den Rohren, wenn der Glühdraht den "Streichholzkopf" entzündet hat.

Tietze und seine Leute hoffen dabei auf möglichst wenig "schwarze Bomben". Das sind Raketen, die zwar auch emporkatapultiert werden, sich aber trotz zwei bis drei Zünder nicht am Himmel entfalten. Drei Feuerwerker sind heute Abend nur auf der Brücke, um den großen Raketen nachzuschauen und zu beobachten, ob sie auch tatsächlich den nächtlichen Himmel illuminieren. Tun sie das nicht, muss nach ihnen gesucht werden, damit kein Unglück passieren kann. "Aber die meisten von den wenigen, die nicht zünden, fallen sowieso in den Rhein und lösen sich dann schnell in Wohlgefallen auf", so Sascha Tietze.

(RP)