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Duisburg: Pumpwerk ist jetzt ein Wahrzeichen

Duisburg : Pumpwerk ist jetzt ein Wahrzeichen

"Alte Emscher" ist das erste Bauwerk in NRW, das nun als "Historisches Wahrzeichen der Ingenieurkunst" gilt.

Der Arbeiter auf dem alten Schwarz-Weiß-Foto trägt die Uniform einer ganzen Generation: Schiebermütze, Kitteljacke, grobe Baumwollhose. So sah Arbeit aus, als im Pott noch die Kessel kochten. Der Mann ist allerdings kein Kumpel. Und doch wäre der Aufstieg des Ruhrgebiets zum industriellen Herz der Republik ohne ihn nicht möglich gewesen. Als Arbeiter im Pumpwerk "Alte Emscher" stellte der Unbekannte sicher, dass die Buddler und Schürfer im durchlöcherten Revier nicht absoffen.

Dieses Wissen um die Bedeutung des Pumpwerks ist nicht selbstverständlich. Landesbauminister Michael Groschek spricht sogar von einem "fehlenden Bewusstsein der Region". Das Pumpwerk "Alte Emscher" sei ein "Schatz im Verborgenen". Tatsächlich lohnt ihre Entdeckung nicht erst seit gestern, seit die Pumpe des Reviers den Titel "Historisches Wahrzeichen der Ingenieurkunst" tragen darf — verliehen von der Bundesingenieurkammer.

Denn die schlichte Fassade des Kuppelbaus versteckt die fast schon sakrale Erhabenheit des Bauwerks, die sich dem Besucher gleich hinter der Eingangstür erschließt. Als der Minister redet, werfen der Stahlbeton und die rund 41 Meter breite Kuppel seine Stimme imposant zurück. "Hier wird deutlich, dass Ingenieurkunst wirklich eine Kunst ist", sagt der Minister und blickt in die Feierrunde. Vor ihm sitzen die Ingenieure der Gegenwart. Architekten sind darunter, sie planen die Zweckbauten der Zukunft.

Das Pumpwerk, zu dessen Strebsäulen sie emporblicken, ist schöner, als der Zweck dies vorgab. Und doch entwarfen die Planer 1911 einen "Tempel der Technik": funktional, ästhetisch schön — ein Sinnbild für die Wertschätzung der Arbeit.

Das schönste Geschenk für das Pumpwerk ist deshalb auch nicht die schmucke Ehrentafel, die vom NRW-Bauminister, dem Präsidenten der Bundesingenieurkammer, Hans-Ullrich Kammeyer, und dem Vorsitzenden der Emschergenossenschaft, Jürgen Stemplewski, enthüllt wird. Der Bedeutung würdig ist die mit der Ehrung einhergehende Monografie des Industriehistorikers Alexander Kierdorf.

Er hat die Geschichte des Bauwerks sorgfältig aufgearbeitet und Neues entdeckt: Entgegen der bisherigen Überlieferung stammen die Pläne für das pantheon-ähnliche Gebäude keineswegs vom Architekten Alfred Fischer. Der spätere Stararchitekt wurde vielmehr nur für die Gestaltung der Außenfassade hinzugezogen.

Der tatsächliche Rahmen für das Pumpwerk stammt laut Kierdorf von den Mitarbeitern der nur wenige Jahre zuvor gegründeten Emschergenossenschaft selbst — allen voran von den Wasserbauingenieuren Wilhelm Middeldorf (1853 — 1911) und Karl Imhoff (1876 — 1965). Und auch die bauausführende Firma Dücker&Cie. aus Düsseldorf hatte ihren Anteil. Namentlich durch Ernst Mautner, dem Sohn Prager Juden, der aus Sicht des Historikers für die Idee und Umsetzung der gewagten Kuppel zu ehren ist.

Den Stolz, den Jürgen Stempleswki als Vorsitzender der Eigentümer bei seiner Ansprache zum Ausdruck bringt, verdankt die Emschergenossenschaft also dem technischen Pioniergeist ihrer eigenen Beschäftigten. Menschen, die zwischen 3500 PS-starken Dieselmotoren umherwuselten und Quadratkilometer abgesackter Industriefläche leerpumpten. Und noch immer sorgt das Werk "Alte Emscher" dafür, dass Duisburg keine nassen Füße bekommt. "Dieses Denkmal lebt", beschreibt es Stemplewski, "Tag und Nacht laufen die Pumpen". Die Kleidung der Arbeiter mag sich verändert haben. Ihre Bedeutung für die Region nicht.

Alexander Kierdorf: Das Pumpwerk Alte Emscher Duisburg. 1. Aufl. Berlin: Bundesingenieurkammer 2013, 9.80 Euro, ISBN 978-3-941867-11-6

(RP/rl)