Prozess um Mord in Café Vivo in Duisburg: Angeklagter spricht von Versehen

Café-Mord von Duisburg: Tödliche Schüsse waren laut Angeklagtem ein Versehen

Eine Café-Betreiberin wird erschossen. Der Verdacht fällt zunächst auf unbekannte Schutzgelderpresser. Doch jetzt steht ein ehemaliger Geschäftsmann vor Gericht. Er spricht von einem Versehen.

Das Spurenbild glich dem einer Hinrichtung: Im Mai 2017 stirbt im Duisburger Innenhafen eine Café-Betreiberin durch zwei Schüsse in den Kopf und die Lunge. Die Tatwaffe ist eine Pistole mit Schalldämpfer. Seit Montag beschäftigt der Fall das Duisburger Schwurgericht. Angeklagt ist ein ehemaliger Personalberater, der zuletzt in Berlin gelebt hat. Zum Prozessauftakt hat der 30-jährige Deutsche von einem Versehen gesprochen. Es habe ein Gerangel gegeben, bei dem sich zwei Schüsse gelöst hätten. Von einem Mord - wie angeklagt - könne daher keine Rede sein.

Der Angeklagte war nach eigenen Angaben im Düsseldorfer und Duisburger Raum auf Wohnungs- und Jobsuche. Weil er damals viel Alkohol getrunken haben, sei es ihm am Tattag, dem 3. Mai 2017, jedoch sehr schlecht gegangen. Das Café habe er auch nur deshalb betreten, weil er eine Toilette gesucht habe. Dort habe sich jedoch dann ein Streit mit der Betreiberin entwickelt.

„Sie hat an mir gezerrt und wollte, dass ich wieder verschwinde“, sagte der Angeklagte den Richtern. Sie sei sogar handgreiflich geworden. Er selbst habe sich jedoch so schlecht gefühlt, dass er gedacht habe, körperlich am Ende zu sein. „Ich wollte sie abwehren und mich befreien“, so der Angeklagte. „Da ist es dann dazu gekommen, dass sich ein Schuss gelöst hat.“ Kurz danach sei dann noch ein Schuss gefallen.

An dieser Version scheint das Gericht jedoch Zweifel zu haben. Laut Richter Joachim Schwartz gibt es nämlich Hinweise darauf, dass das Opfer beim zweiten Schuss bereits am Boden lag und sich die Hände schützend vors Gesicht gehalten habe. Dieser Schuss soll sogar aufgesetzt gewesen sein.

Der Angeklagte war im Sommer 2018 durch eine DNA-Spur ins Visier der Ermittler geraten. Zu dieser Zeit saß er bereits wegen anderer Straftaten in Haft. Die Tatwaffe hat sich der 30-Jährige nach eigenen Angaben während einer Anstellung bei einem Unternehmen in Österreich besorgt, da er das Gefühl gehabt habe, sich schützen zu müssen. Nach der Tat war über Köln nach Berlin gefahren. Zuletzt hatte er dort allerdings keinen festen Wohnsitz mehr.

Der studierte Wirtschaftswissenschaftler und Ex-Personalberater war im Grundschulalter von Venezuela nach Deutschland gekommen. Nach dem Verlust seiner letzten Anstellung in Österreich habe er sich jedoch mehr und mehr isoliert und zunehmend Alkohol getrunken. Das Duisburger Schwurgericht hat für den Prozess noch elf Verhandlungstage bis zum 11. März vorgesehen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Frau tot in Café in Duisburg gefunden

(top/dpa)
Mehr von RP ONLINE