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Protestaktion der Beschäftigten vor der Duisburger Kaufhof-Filiale

Kampf um Erhalt der Warenhäuser : „Die Angst begleitet uns seit vielen Wochen“

Mit einer Protestaktion vor der Kaufhof-Filiale wenden sich die Mitarbeiter gegen die drohende Schließung des Warenhauses.

Gabi Köhler kämpft mit den Tränen. Seit 36 Jahren arbeitet sie in dem Warenhaus an der Düsseldorfer Straße, doch sie hat wenig Hoffnung, dass das so noch lange bleiben wird. Während der Kundgebung hält sie ein grünes Plakat in die Höhe. „Galeria Kaufhof gehört zu Duisburg wie der MSV“ ist darauf zu lesen. Doch während der MSV Duisburg noch seinen Traum vom Aufstieg lebt, droht dem Traditionshaus das Aus.

Das wollen sie alle nicht, die sich am Donnerstagmorgen hier versammelt haben. Sie haben silberfarbene Kaufhof-Luftballons dabei, recken Plakate in die Höhe, applaudieren den Rednern und versuchen, sich selbst Mut zu machen. Viele der rund 80 Beschäftigten sind voller Emotionen, eine Mitarbeiterin bricht mit einem Kreislaufversagen zusammen und wird mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht.

Dirk Voss, Betriebsratsvorsitzender vom Duisburger Kaufhof, bekommt viel Beifall. „Die Angst begleitet uns seit vielen Wochen“, sagt er und spricht damit vielen aus dem Herzen. Er erinnert daran, dass viele Mitarbeiterinnen schon in dem Warenhaus arbeiteten, als es noch Horten hieß. „Wir sind ein tolles Team, das jeden Tag einen Super-Job macht. Es ist hier für uns wie ein zweites Zuhause“, erklärt Voss. Er appelliert an die Vermieter, die Mieten zu senken, um die Arbeitsplätze zu retten und die Duisburger Innenstadt vor weiteren Leerständen zu bewahren. Was denn sonst aus dem „Klotz“ werden soll, fragt er. „Spielen Sie nicht mit den Ängsten der Menschen“, so sein Appell an die Unternehmensleitung.

Mit vielen silbernen Luftballons machten die Beschäftigen auf ihre Situation aufmerksam. Foto: Christoph Reichwein (crei)

Oberbürgermeister Sören Link erklärt in einer kurzen Ansprache, dass Duisburg mit Karstadt und Kaufhof zwei Warenhäuser gut vertragen könne. „Hier arbeiten Menschen, die alles geben“, sagt er. Die Stadt würde alles tun, um das Umfeld attraktiv zu halten, in unmittelbarer Nähe entstünde an Stelle der leer stehenden Gebäude der Zentralbibliothek und der Volksbank Neues, was die Attraktivität steigere. „Ich wünsche Ihnen, dass Ihr Kampf erfolgreich sein wird.“ Auch die SPD-Landtagsabgeordnete Sarah Philipp und Ratsfraktionschef Bruno Sagurna sind gekommen.

Duisburgs Verdi-Chef Thomas Keuer wirft dem Unternehmen Missmanagement vor. „Was wir heute erleben müssen, ist ein Trauerspiel“, so der Gewerkschafter. Die Beschäftigten hätten Gehaltsverzicht hinnehmen müssen, trotzdem drohe die Schließung. „Das ist eine Sauerei.“ Peter Zysik, stellvertretender Gesamtbetriebsratsvorsitzender ist dem eigenen Bekunden nach „müde, aber voll Hoffnung“. Er wäre nicht nach Duisburg gekommen, wenn die Lage aussichtslos wäre. „Sie ist es nicht“, so Zysik. Er habe mit den Vertretern der Kapitalseite bis in die Nacht verhandelt. Man wolle „um jede Filiale kämpfen“, sagt er. „Eine Stadt ohne Warenhaus ist wie eine Kirche ohne Dorf“, ruft er unter dem Applaus der Beschäftigten. Auch er spricht von Fehlern des Managements, die die Beschäftigten nun ausbaden müssten. So gebe es Filialen, in denen sich die Ware palettenweise stapele, während in anderen Häusern zu wenig Waren vorhanden seien. „Die Oma, die bei uns im Online-Handel im Januar eine Matratze bestellt hat, hat bis jetzt weder die Ware erhalten noch ihr Geld erstattet bekommen – so etwas darf einfach nicht sein.“ Er spricht aber auch an, wie es im Fall einer Schließung weitergehe – mit einer Auffanggesellschaft und einem Sozialvertrag. Ein Umstand, der das Unternehmen viel Geld kosten würde.

Dann geht es wieder an die Arbeit. „Während der Arbeit reden wir nicht viel über die Situation – wir versuchen stattdessen alles, um die Kunden zufrieden zu stellen. Anders ist es, wenn wir abends nach Hause kommen“, sagt Gabi Köhler und schluckt. Man versuche, sich gegenseitig Mut zu machen, tausche sich über WhatsApp aus: „Wir sind doch eine große Familie.“