Absage des Textil-Discounters: Primark macht um Duisburg einen Bogen

Absage des Textil-Discounters: Primark macht um Duisburg einen Bogen

Das leerstehende Gebäude an der Düsseldorfer Straße, in dem die Stadtbibliothek residierte, gammelt vor sich hin. Das wird noch länger so bleiben. Die Mode-Kette Primark, die schon als sicherer Mieter galt, wird nicht einziehen.

Der Einzelhandel in der Stadt jammert, weil sich die (auswärtigen) Kunden zurzeit nur auf Umwegen der City näheren können. Auf der Königstraße, aber in noch viel größerem Maße auf dem Sonnenwall, stehen Ladenlokale leer oder ziehen Ein-Euro-Shops in Geschäftsräume, für die sich offenbar keine anderen Mieter haben finden lassen. Und im Herzen unserer Innenstadt bietet das Europa-Haus reichlich Platz für Wild-Plakatierer, Grafitti-Sprayer und andere, die fremdes Eigentum verunstalten.

Seit dem Auszug der Stadtbibliothek gammelt das Europahaus an der Düsseldorfer Straße vor sich hin und ist derzeit alles andere als eine Augenweide. Foto: Andreas Probst

Eigentlich wollte Eigentümer Axel Funke, Geschäftsführer von Fokus-Immobilien und einst an der Deutschlandspitze des Konzerns Multi Development (Forum, Königsgalerie), hier längst ein Projekt mit Zukunft realisiert haben. Doch es ist bislang bei Ideen und Plänen gebleiben. In solchen Fällen heißt es dann, es seien noch Abstimmungsprozesse notwendig - so auch hier. Nach wie vor will Funke das alte Haus abreißen und etwas schmuckes Neues bauen. Und wie gehabt will er dabei unbedingt das Nachbarhaus, das bis zum Frühjahr noch die Vereinsbank Rhein-Ruhr belegt hat, in sein Vorhaben einbeziehen. Doch in einem Punkt haben sich seine Vorstellungen bereits gravierend verändert. Der schon als sicher geltende Mieter Primark wird mit Sicherheit nicht dort einziehen. Weil seit den ersten Überlegungen schon zu viel Zeit vergangen ist - rund zwei Jahre - hat sich das irische Textilunternehmen längst in Duisburgs Nachbarkommunen eingerichtet. Ein weiterer Shop in Duisburg käme einer Kannibalisierung gleich. Primark in Duisburg - darauf werden wohl die Kunden hier endgültig verzichten müssen.

Einen anderen Ankermieter, der in das noch zu bauende Objekt einziehen will, kann Funke derzeit nicht präsentieren. Das heißt nicht zwingend, dass es den nicht gibt. Denn bekanntlich hat Funke auch in der Vergangenheit nie über "ungelegte Eier" öffentlich gesprochen. Aber diesmal scheint es wirklich so zu sein, dass auf der Liste denkbarer Ankermieter alle Zeilen frei sind.

Dass in diesem Jahr noch Entscheidendes auf dem Gelände des Europa-Hauses passiert, ist daher unwahrscheinlich. Möglicherweise wird Funke bis zum Jahreswechsel neue Pläne vorlegen. Deren Verwirklichung ist allerdings davon abhängig, dass Politik und Verwaltung mitziehen, die sich derzeit mehr mit dem Gedanken befassen, auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände einen neuen Anlauf für ein Outlet-Center zu wagen. Möbel-Mogul Krieger (Höffner-Möbelhäuser) will dort wie berichtet in ein Designer-Outlet investieren. Wird ihm die rote Karte gezeigt, droht, dass er das innenstadtnahe Gelände bis zum Sankt-Nimmerleinstag vergammeln lässt.

(RP)
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