Preis wird erstmals vergeben Mevlüde-Genç-Medaille geht nach Duisburg

Duisburg · Der Duisburger Verein „Jungs e.V. wird vom Land Nordrhein-Westfalen für seine interkulturelle Vermittlungsarbeit ausgezeichnet. Der Preis erinnert an den Brandanschlag von Solingen.

 Mevlüde Genc traf anlässlich des 25. Jahrestages des Brandanschlages von Solingen im vergangenen Jahr auf Bundeskanzlerin Angela Merkel und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.

Mevlüde Genc traf anlässlich des 25. Jahrestages des Brandanschlages von Solingen im vergangenen Jahr auf Bundeskanzlerin Angela Merkel und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.

Foto: dpa/Federico Gambarini

Die erste Mevlüde-Genç-Medaille des Landes Nordrhein-Westfalen erhält der Duisburger Verein „Jungs e.V.“. Ministerpräsident Armin Laschet wird den Preis erstmals am 28. Mai 2019 verleihen. Er wurde aus Anlass des 25. Jahrestags des Brandanschlags von Solingen im Jahre 2018 durch den Ministerpräsidenten gestiftet.

„Gerade in Zeiten, in denen Diskriminierung und Antisemitismus wieder zunehmen, ist es besonders wichtig, nichts unversucht zu lassen, um auch die zu erreichen, die sonst nur schwer zu erreichen sind“, sagt Armin Laschet. „Der Verein ,Jungs e.V’ beschreitet mit unkonventionellen Mitteln beharrlich neue Wege, mit denen er sich – ganz im Sinne der gestifteten Mevlüde-Genç-Medaille – um Toleranz und Versöhnung der Kulturen und Religionen verdient gemacht hat.”

Der Verein  ist ein freier Träger der Jugendhilfe mit dem Schwerpunkt Jungenarbeit. Gegründet 1998, setzt er sich in besonderer Weise für das Zusammenleben der Kulturen und Religionen ein. So organisiert der Verein seit 2012 unter anderem das Projekt „Junge Muslime in Auschwitz“, bei dem sich junge muslimische Teilnehmer über mehrere Monate intensiv mit dem Holocaust, mit Antisemitismus und Rassismus auseinandersetzen, bevor sie das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz besuchen.  

 Besondere Aufmerksamkeit erreichte der Verein auch mit dem 2018 durchgeführten Videoprojekt „Junge Muslime gegen Antisemitismus“, mit dem die Mitwirkenden ein vielbeachtetes Zeichen gesetzt haben, das zum friedlichen Miteinander der Religionen und zur Toleranz aufruft. Mittlerweile sind acht professionelle Videos entstanden, die junge Menschen aufklären, zum Nachdenken bringen, auffordern sich einzumischen und Gegenentwürfe zu bestimmten Verhaltensmustern und Vorurteilen skizzieren.

 Die Verleihung der Mevlüde-Genç-Medaille findet am 28. Mai, einen Tag vor dem 26. Jahrestag des Brandanschlags von Solingen, im Landeshaus in Düsseldorf statt. Die Laudatio hält Bundespräsident a.D. Christian Wulff.

Der Name des Preises geht zurück auf Mevlüde Genç. Sie und ihr Mann Durmuş Genç verloren zwei Töchter, zwei Enkelkinder und eine Nichte, als in der Nacht des 29. Mai 1993 vier rechtsextreme Jugendliche Brandsätze in das Haus der Familie in der Unteren Wernerstraßen in Solingen warfen. 17 Familienmitglieder wurden zum Teil sehr schwer verletzt und leiden bis heute.

Ministerpräsident Armin Laschet: „Mevlüde Genç hat trotz ihres Schmerzes über den Verlust ihrer Angehörigen zur Versöhnung aufgerufen. Mevlüde Genç und ihre Familie sind Botschafter der Integration und des guten Miteinanders geworden, trotz des schrecklichen Leids, das ihnen widerfahren ist. Die Mevlüde-Genç-Medaille der Landesregierung zeichnet solche Projekte und Vereine aus, die in diesem Geiste wirken.“

Die „Mevlüde-Genç-Medaille“ wird durch den Ministerpräsidenten verliehen. Neben der Medaille und dem Preisgeld von 10.000 Euro erhalten die Preisträger eine Urkunde.

(th)
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