Duisburg: Posaunenchor besteht seit 100 Jahren

Duisburg : Posaunenchor besteht seit 100 Jahren

Die Mitglieder des Posaunenchors der Christuskirchengemeinde in Rheinhausen spielen nicht nur geistliches Liedgut, sondern mittlerweile auch moderne Stücke. Leiter Rolf Köster erzählt von Chorproben und "Bandhunden".

Mit dem 450. Jahrestag der Reformation hat die evangelische Kirche in diesem Jahr ein wichtiges Jubiläum zu feiern. Zwar im Maßstab kleiner, aber trotzdem eine Feier wert ist das 100-jährige Bestehen des Posaunenchors der Christuskirchengemeinde in Rheinhausen.

Dass Posaunenchöre nicht mehr nur aus Posaunen, sondern aus allen möglichen Blechblasinstrumenten bestehen, mag vor allem katholischen Zeitgenossen komisch vorkommen. In evangelischen Gemeinden sind die Klangkörper aber bestens bekannt, so auch in Rheinhausen. "Über den Ursprung unseres Posaunenchors ist nicht viel bekannt", sagt Chorleiter Rolf Köster. Um den Beginn des 20. Jahrhunderts herum seien im Zuge der "Besinnung auf christliche Werte" eine Menge solcher Blascombos gegründet worden. "Es wurden sogar neue Instrumente und ein spezielles Notensystem entwickelt", so Köster, schließlich mussten die sonst eher intuitiv aufspielenden Tanzmusiker an die neue Literatur herangeführt werden.

Die heutigen Mitglieder des Posaunenchors Rheinhausen indes können Noten lesen, es sind sogar einige studierte Musiker unter den Blechbläsern. "Das ist schon eine tolle Gruppe, wir sind ziemlich gut", sagt Köster. Das ist keinesfalls Selbstlob, sondern eine Expertenmeinung. Rolf Köster ist selbst Berufstrompeter und seit 30 Jahren in Sinfonieorchestern tätig, im Moment im Landesorchester Nordrhein-Westfalen bei der "Neuen Philharmonie Westfalen".

Als Köster 1994 zum Posaunenchor Rheinhausen kam, sei der von der heutigen Qualität noch ein ganzes Stück entfernt gewesen. "Als ich den Chor dann ein Jahr später übernommen und das Niveau kräftig angezogen habe, sind eine Menge Leute ausgestiegen, weil es ihnen zu schwer wurde", erzählt der erfahrene Musiker. Von der damaligen Besetzung spielen nur noch zwei Damen in der heute zwölfköpfigen Combo. Wenn bei den Proben dann doch mal etwas danebengeht, sei das aber auch kein Beinbruch, hohes Niveau hin oder her. "Es herrscht immer eine sehr freundschaftliche Stimmung", versichert Köster.

Einen Beitrag dazu leisten möglicherweise auch die "Bandhunde". Wer keinen Tiersitter findet, bringt seinen Hund einfach mit, auch Kösters Hündin "Emma" ist immer dabei. "Da gibt's keine Probleme, nur wenn es sehr laut wird, melden sich die Hunde manchmal", erzählt der Trompeter lachend – und mit ein wenig Fantasie kann man bei Hündin Emma sogar ein Kopfnicken ausmachen.

Derzeit wird noch fleißig für einen "musikalischen Gottesdienst" am Sonntag geprobt; neben geistlichem Liedgut werden auch Bearbeitungen von einem der "Brandenburgischen Konzerte" von Bach und der Feuerwerksmusik von Händel zu hören sein.

Trotz aller Liebe zur klassischen Musik sei auch Big-Band-Literatur ein Renner. "Dafür hat sich in den letzten zehn Jahren ein richtiger Markt entwickelt", so Köster. Wer schon einmal das Konzert einer Big Band besucht hat oder auch nur Frank Sinatra über New York oder "My Way" hat singen hören, kann sich vorstellen, dass die Arrangements in einer reinen Bläsercombo ohne Rhythmusgruppe schwer umzusetzen sind. Doch auch da wissen sich die findigen Musiker zu helfen. Wenn nicht einfach ein Drummer "eingekauft" wird, werden Tuba oder Posaunen perkussive Stimmen zugeteilt. "Das klingt dann auch ganz vernünftig", sagt Köster und zeigt in der Partitur eine Tubastimme, die den Blechbläser kurzerhand zum Aushilfsschlagzeuger macht.

Neben all der musikalischen Arbeit ist Rolf Köster aber auch froh darüber, etwas zurückgeben zu können. "Mein Weg zum Berufsmusiker hat auch über Posaunenchöre geführt, und ich bin froh, mich revanchieren zu können", sagt er. Sein Dank gelte außerdem der Gemeinde der Christuskirche. Köster: "Ob Noten oder anderes Material, man kann sich wirklich auf die Leute dort verlassen."

(RP)
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