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Krawalle in Duisburg: Polizei soll am "Problemhaus" Dauerpräsenz zeigen

Krawalle in Duisburg : Polizei soll am "Problemhaus" Dauerpräsenz zeigen

Nach der Eskalation am "Problemhaus" fordern Politiker dort einen Dauereinsatz der Polizei. Die sieht dafür keinen Grund.

Mit Eisenstangen und Reizgas hatten am Freitagabend etwa 20 vermummte Mitglieder der sogenannten "Antifa"-Bewegung Teilnehmer einer Informationsveranstaltung zum von Sinti und Roma bewohnten "Problemhaus" in Bergheim attackiert und als "Nazis" beschimpft. Das Resultat: vier Verletzte und Sturm auf das Hochhaus, in das sich die Gewalttäter zurückgezogen hatten, durch die Polizei.

Dabei werden vorübergehend auch ein Rumäne und sein 13-jähriger Sohn festgehalten, die mit Eisenstangen auf die Polizisten losgegangen sein sollen. Die mutmaßlichen Gewalttäter wurden von der Polizei vernommen. "Die aus der linken Szene stammenden Gewalttäter kommen aus Nachbarstädten wie Dortmund, Mülheim und Oberhausen und haben sich unter die Nachtwache gemischt", sagte Polizeisprecher Ramon van der Maat gestern.

Während "Antifa"-Mitglieder von einem völlig überzogenen Einsatz der Polizei im "Problemhaus" sprachen, verurteilte Oberbürgermeister Sören Link die gewalttätigen Übergriffe. Er sprach von "Krawalltouristen", die zum großen Teil nicht aus Duisburg stammten und die schwierige Situation vor Ort ausnutzten. Bereits am Samstag hatte sich Link von Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels über den Stand der Ermittlungen zu den Vorfällen informieren lassen.

Die Nachtwache am Haus ist nicht unumstritten. Auch Deniz Aksen vom Verein ZOF (ZukunftsOrientierteFörderung), der sich schon seit längerem um die Zuwanderer in Bergheim kümmert, sieht es als Aufgabe von Polizei und Ordnungsbehörden an, für die Sicherheit zu sorgen. Dies sei eigentlich nicht Sache von Bürger-Nachtwachen.

Schwere Vorwürfe erhob gestern der Rheinhauser SPD-Ratsherr Reiner Friedrich: "Ich habe den Eindruck, dass die Ordnungsbehörden hier nicht koordinierend zusammen arbeiten", teilte er mit. Der Schutz der Menschen in der Stadt könne nicht alleine Bürgern überlassen werden. "Es ist nicht nachvollziehbar, dass sich die Ordnungsbehörden ihrer Aufgabe entziehen", so Friedrich wörtlich.

Vor Synagogen werde rund um die Uhr Wache gehalten, und bei den Rockern habe die Polizei auch wochenlang Präsenz gezeigt. "Aus diesem Grund fordere ich und der Bezirksverband der SPD zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine ständige Polizeipräsenz vor Ort. Dies lehnte die Polizei bislang ab. "Wir analysieren die Situation täglich neu", sagte gestern Polizeisprecher Ramon van der Maat. Bislang habe es keinerlei Hinweise gegeben, dass die Hausbewohner einer konkreten Bedrohung beziehungsweise Gefahr ausgesetzt seien. Im Übrigen gebe es regelmäßig Streifen.

Karsten Vüllings von den Bürgerlich-Liberalen erklärte, das städtische Handlungskonzept zum Umgang mit Zuwanderern sei angesichts der jüngsten Entwicklung "reif für den Shredder".

(RP)