Asylbewerber in Duisburg: Polizei muss in Neumühl durchgreifen

Asylbewerber in Duisburg : Polizei muss in Neumühl durchgreifen

Die Bürgerinformationsveranstaltung zur geplanten Errichtung einer Notunterkunft für Asylbewerber im ehemaligen St. Barbara Krankenhaus in Neumühl geriet völlig aus den Fugen. Nicht nur die Proteste der Bürger gegen die Pläne der Stadt, sondern auch eine angebliche Kindesentführung sorgten für Aufregung.

Der Abend hatte schon mit Schwierigkeiten begonnen. Mehr als 400 Bürger waren gekommen, um auf die eine oder andere Weise Argumente mit der Stadtspitze auszutauschen. Da das Gemeindezentrum aber nur für rund 200 Gäste zugelassen ist, mussten viele Besucher an der Tür abgewiesen werden - für einige absolut unverständlich. Die Menge skandierte immer wieder "Kommt raus" und bezeichnete die Vertreter der Stadt lautstark als "Feiglinge". Oberbürgermeister Sören Link und die Dezernenten Reinhold Spaniel und Carsten Tum stellten sich dieser aufgeheizten Atmosphäre, um aufzuklären.

Das ehemalige St. Barbara Hospital soll wie berichtet in eine Notunterkunft für Asylbewerber umgebaut werden. 300 Plätze soll es dort geben. Das Projekt ist auf drei Jahre befristet, ein Sicherheitsdienst wird im Haus für Ordnung sorgen, keiner der Asylbewerber soll länger als drei Tage in Neumühl bleiben. Thomas Sommer von der Bezirksregierung sagte: "Man muss sich das eher wie eine Art Hotelbetrieb vorstellen. Die Leute kommen da an und werden von dort aus weiterverteilt."

Pfiffe für OB Link

Sören Link wurde ausgepfiffen, als er erklärte, dass das Kontingent an Asylsuchenden, "das wir da unterbringen können, auf die Unterbringungsverpflichtungen der ganzen Stadt angerechnet wird. Das spart uns weitere Unterkünfte und eine Menge Geld. Es wäre ein Fehler diese Möglichkeit nicht zu nutzen."

In unserer Bilderstrecke sehen Sie Fotos von der Bürgerinformation in Neumühl.

Einige Neumühler warfen ihm daraufhin vor, ein Lügner zu sein, hätte er doch nach Anwohnerprotesten im vergangenen Jahr versprochen, das Krankenhaus nicht für solche Zwecke zu nutzen. Darauf entgegnete Link, dass er damals nicht hätte absehen können, wie sehr sich die weltpolitische Lage zuspitzen würde.

Foto: dpa

Zusätzliche Brisanz hatte die Veranstaltung durch einen Vorfall erhalten, der vorher die Runde durch die Sozialen Netzwerke gemacht hatte. Zwei Roma-Frauen hätten angeblich versucht, ein Neumühler Kind zu entführen, hieß es da. Wenn man Asylanten aufnähme, könne niemand mehr für die Sicherheit der Kinder im Stadtteil garantieren, nahmen einige aufgebrachter Besucher der Bürgerversammlung dieses elektronische Stammtischgerede zum Anlass, um gegen die Belegung des St. Barbara Front zu machen.

Angebliche Kindesentführung sorgt für weitere Aufregung

Dass die Polizei die Tat als versuchten Diebstahl aufgeklärt und die beiden Frauen auch verhaftet hatte, war zu diesem Zeitpunkt offenbar noch nicht zu den Anwesenden durchgedrungen. Auch dass es sich bei den künftigen Nachbarn um Asylbewerber aus Krisengebieten und nicht um so genannte Armutsflüchtlinge aus Osteuropa handeln wird, schiene viele nicht wahrhaben zu wollen.

Zum Eklat und damit auch zum vorzeitigen Ende der Veranstaltung kam es dann, weil Rechtspopulisten von ProNRW, die die Situation für sich zu nutzen versuchten und mit Linken gewaltsam aneinandergerieten. Die Polizei musste die Schlägerei vor dem Gemeindezentrum schlichten. An eine geordnete Fortsetzung der Diskussionsveranstaltung war im Anschluss nicht mehr zu denken.

Tumulte, Beleidigungen, Pfiffe, und am Ende sogar Handgreiflichkeiten, bei denen es nur dank des Eingreifens der Polizei nicht zu Verletzungen kam - im ehemaligen Bergarbeiterstadtteil Neumühl ist von Toleranz gegenüber Fremden derzeit wenig zu spüren.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Protest bei Bürgerinformation in Neumühl

(RP)
Mehr von RP ONLINE