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Duisburg: Politikvermittlung über das Handy

Duisburg : Politikvermittlung über das Handy

In einem Projekt an der Gesamtschule Süd ging's um Medien. Viele Jugendliche lesen die Schlagzeilen auf dem Handy. Fernsehdiskussionen sind bei ihnen aber eher unbeliebt.

Dass Angela Merkel erneut fürs Kanzleramt kandidiert, haben etliche Schüler noch nicht mitbekommen. Da muss das Projekt "Politik geht an die Schule" wohl noch ein wenig nachhelfen. Das Projekt wurde von der NRW School of Governance initiiert, um Jugendlichen Politik näher zu bringen. Es läuft an ausgewählten Schulen im Rahmen des Sozialwissenschafts-Unterrichts, dreimal drei Stunden.

Am Montag fand die dritte Staffel an der Gesamtschule Süd statt. Diesmal ging's um das Thema Medien und Politik. Die Elftklässler bekamen zunächst einen Überblick über die Medienlandschaft in Deutschland. Im Anschluss daran sollten sie eine Pressekonferenz organisieren. Als Mann der Praxis stand ihnen Sebastian Wuwer zur Seite. Der Politikwissenschaftler arbeitet als Referent der Präsidentin des NRW-Landtags.

Den theoretischen Teil zur Medienlandschaft übernahm Stefanie Delhees von der School of Governance, eine Einrichtung, die zum Institut für Politikwissenschaft der Uni Duisburg-Essen gehört. In Sachen Internet-Medien konnte sie noch einiges von den Schülern lernen, etwa über diverse Streaming-Dienste. Weshalb die Dozentin denn auch erstaunt war, dass viele Jugendliche dennoch ganz traditionell Radio hören.

Die meisten Schüler sind 16 Jahre alt - ein Alter, in dem es viele spannendere Dinge als Politik gibt. Im Gespräch in der Pause versichern die Jugendliche dennoch, dass sie es für wichtig halten, sich zu informieren. "Die Entscheidungen der Politik betreffen schließlich uns alle. Also sollte man auch wissen, worum es geht", sagt Finn. Er liest Zeitung via Internet und hat mitbekommen, dass Angela Merkel ihre vierte Amtszeit anstrebt. "Ich finde das gut. Frau Merkel hat viel geleistet", so seine Einschätzung.

Melina schaut aufs Handy, wenn sie wissen will, was in der Politik läuft. Allerdings bekommt sie dort nicht mehr als die Schlagzeilen mit. Die erneute Kandidatur der Kanzlerin bewertet die Schülerin positiv: "Sie erscheint mir sehr kompetent. Außerdem unterstützte ich ihre Flüchtlingspolitik." Nikolai bekommt Eilmeldungen aufs Handy. Interessiert ihn ein Thema, liest er auch schon mal einen zusammenhängenden Text auf dem PC. Seine Meinung über Merkel: "Sie steht dazu, was sie gesagt hat." Mit ihrer Flüchtlingspolitik ist er nicht einverstanden. "Das müsste gerechter geregelt werden." Andere klicken gelegentlich verschiedene Webseiten an. Mancher nutzt allenfalls die Wetter-App regelmäßig: "Damit ich weiß, was ich morgens anziehen soll." In der Diskussion ging es um die Glaubwürdigkeit von Blogs, um die zunehmende Vermischung von Nachricht und Meinung. Der Aufforderung des Lehrers, doch einmal direkt auf die Seiten der Abgeordneten zu gehen, wo die Quelle eindeutig nachzuvollziehen ist, folgt allerdings kaum jemand. Auch politische Diskussionen im Fernsehen sind bei den Jugendlichen erwartungsgemäß nicht gerade der Hit. "Das ist mir zu langweilig. Außerdem wird ja doch meistens um den heißen Brei herum geredet", meint Brian zu Anne Will und Co.

(RP)